c't-Labs: 5 Watt für eine Selbstverständlichkeit

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Wenn der Verdacht im Raum steht, unser 10-Watt-Bauvorschlag würde fast 50 Prozent mehr Strom fressen als versprochen, weckt das unseren Ehrgeiz. Die Spur führt zu einem bisher unauffälligen Schuldigen ...

Benjamin Benz

Benjamin Benz

hat einen Job als Ingenieur aufgegeben, um bei c't immer mal wieder über den Tellerrand zu schauen und nicht zum Fachidioten zu werden. In den c't-Laboren gibt es aber erfreulicherweise so viel Messtechnik, dass bislang wenig Heimweh aufkam.

Es gibt Dinge die tut man, aber man spricht nicht über sie. Leider! Im c't-Labor geht es dabei nicht um Anstößiges, sondern um Dinge, die uns so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass wir manchmal vergessen, sie zu erwähnen. Aber der Reihe nach ...

Es betrifft mal wieder unseren 10-Watt-PC – aber diesmal nicht die Tücken beim Zusammenbau, sondern die in manchen Fällen rätselhaft hohe elektrische Leistungsaufnahme. So hatten einige Leser im Forum darüber geklagt, dass sie statt 10 Watt nie weniger als 15 bis 17 Watt messen konnten. Natürlich klopft der im Support erfahrene Redakteur erst einmal alle Standard-Fehler ab, aber schnell wurde klar: Die betroffenen Leser hatten unseren Bauvorschlag ganz exakt nachgebaut, alle Einstellungen im BIOS-Setup so gesetzt wie wir und auch Windows 8 frisch installiert. Es standen also 15 bis 17 Watt gegen 10,3 Watt im c't-Labor. Das geht an die Ehre und so haben wir alles noch einmal von Anfang an neu gemessen – inklusive Laden der BIOS Setup Defaults und Neuinstallation von Windows. Die Messreihe bestätigte nicht nur unsere ersten Angaben, sondern förderte auch ein paar spannende Details zu Tage – nur leider nicht das Gesuchte:

Maßnahme elektrische Leistungsaufnahme
direkt nach dem Booten 10 Minuten später
Basiskonfiguration; Display mit 1680x1050 Punkten; Laden der Setup-Defaults im BIOS-Setup; Neuinstallation von Windows; keine Treiber installiert; keine Einstellungen getätigt; LAN-Kabel eingesteckt 20,3 Watt 20,2 Watt
+ Chipsatz-Treiber (Inf-Update 9.4.0.1022) 20,1 Watt 19,4 Watt
+ RST-Treiber (12.5.0.1066) 18,7 Watt 18,6 Watt
+ Grafik-Treiber (9.18.10.3165) 17,8 Watt 16,0 Watt
+ Audio-Treiber (6.0.1.6914) 16,2 Watt 16,2 Watt
+ LAN-Treiber (18.4) 18,2 Watt 16,2 Watt
LAN-Kabel entfernt 15,8 Watt
+ MEI-Treiber 17,6 Watt 15,8 Watt
BIOS: Lowest CPU IDLE Power Settings 9,9 Watt
LAN-Kabel eingesteckt 10,6 Watt
So sieht es im Inneren unseres PC-Bauvorschlags aus – wenn man unseren Fotografen mit seiner Lichtanlage spielen lässt.

Unterm Strich steht diesmal mit 9,9 Watt sogar ein etwas besserer Wert als der im Heft abgedruckte. Etwas praxisnäher dürften jedoch die 10,6 Watt mit eingestecktem Ethernet-Kabel sein. Gut möglich, dass dieser Wert noch niedriger ausfallen würde, wenn man länger wartet. Messungen mit eingestecktem Netzwerkkabel sind problematisch, weil unter anderem Update-Prozesse und andere Kommunikation zu ständig schwankender Leistungsaufnahme führen.

Dem eigentlich Schuldigen für die fast 5 Watt höhere Leistungsaufnahme bei den PCs unserer Leser ist aber ein wahres Kunststück gelungen: Er tarnt sich in obiger Messreihe. Also haben wir Windows nochmal neu installiert und nur exakt das getan, was wir auch im Artikel und auf der Projektseite steht. Sprich: Das BIOS-(Firmware-)Setup so eingestellt und alle Treiber installiert, die nötig sind, um die Ausrufezeichen im Gerätemanager zu beseitigen. Und voilà: Auch unser PC schluckt dann 15,3 Watt. Der Unterschied: Intels Windows-Treiber für die Rapid Storage Technology (RST-Treiber). Sobald man ihn installiert hat, fällt die Leistungsaufnahme nach einer gewissen "Beruhigungszeit" des Systems um 5 Watt.

Für Messungen der Leistungsaufnahme am 230-V-Anschluss eines Testkandidaten verwenden wir das hochpräzise LMG95.

Warum taucht dieser Wert aber nicht in der Tabelle auf? Vermutlich gibt es diverse Faktoren, die der CPU den Tiefschlaf verwehren. Nur einer davon ist das Fehlen des RST-Treibers. In unserer Standard-Prozedur erfolgt seine Installation so früh, dass uns bisher nie auffiel, wie viel er ausmachen kann. Dabei hätten wir von den eigenen Ubuntu-Experimenten gewarnt sein können: Auch da sinkt die Leistungsaufnahme deutlich, wenn man das SATA Link Power Management einschaltet. (bbe)

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