c't Labs: Krach genau messen

@ctmagazin | c't Labs

Um Lüfterlärm und andere Geräusche von Computern, Festplatten, NAS-Boxen oder Servern genau zu messen, treiben wir in der c't-Redaktion großen Aufwand.

Blick in die Schallmesskammer der c't-Redaktion.

Krach lässt sich weitaus leichter erzeugen als messen, jedenfalls wenn letzteres einigermaßen genau, aussagekräftig und reproduzierbar gelingen soll. Zur präzisen Messung braucht man nämlich nicht bloß ein ordentliches Messgerät, sondern auch genau definierte Messverfahren, erfahrene Techniker und vor allem: Ruhe! Für Letzteres hat der Heise Zeitschriften Verlag nach dem Umzug im Jahr 2011 einigen Aufwand getrieben. Es ist nämlich gar nicht so leicht, in einem großen Bürogebäude einen Raum zu schaffen, in dem die Ruhe nicht ständig von rauschenden Lüftungssystemen, brummenden Hochspannungstrafos, schlagenden Türen, Aufzugsmotoren, Trittgeräuschen der Mitarbeiter, vorbeirauschenden Lastwagen, startenden Hubschraubern der medizinischen Hochschule oder summenden Heizungsrohren gestört wird.

Im Erdgeschoss des Verlagsgebäudes wurde ein fensterloser Innenraum mit speziellen Trockenbauwänden und schalldämmenden Türen eingebaut. Dazu mussten unter anderem Lüftungsrohre und elektrische Installationskanäle umgelegt werden. Sogar der Estrich wurde aufgeschlitzt, um Trittschall abzufangen. Der abgeschottete Raum braucht dann wiederum ein Kühlgerät für den Hochsommer, weil vergleichbare Messungen nur bei ungefähr gleichen Temperaturen möglich sind – mit zunehmender Hitze drehen die Lüfter von Desktop-PCs und Notebooks schneller, also lauter. Damit das Kältegerät die Messung aber nicht stört, kann man es für die Dauer der Messung abschalten.

Schallmessraum der c't-Redaktion (7 Bilder)

Blick in die Schallmesskammer

Wände und Decke der Schallmesskammer sind mit Absorbern verkleidet.

Im schallgedämmten Raum steht eine maßgefertigte Doppelwandkabine der Firma Desone aus Berlin. Auch der Boden ist doppelt ausgeführt, um Trittschall zu mindern. Wände und Decke der Kabine sind innen mit absorbierenden Schaumstoffkörpern ausgekleidet, damit kein Schall reflektiert wird. So ist über einen weiten Frequenzbereich gewährleistet, dass die vier Messmikrofone von Mikrotech Gefell (MK 102.1) nur den Schall direkt vom untersuchten Gerät aufnehmen.

Der Schalldruckpegel sinkt mit wachsendem Abstand von der Krach-Quelle. Um genau messen zu können, halten die Messmikrofone deshalb einen exakt definierten Abstand zum jeweiligen Gerät ein. Anders als es viele einschlägige Normen verlangen, messen wir die meisten Komplettgeräte aus 50 Zentimetern Abstand und Komponenten wie Festplatten sogar aus nur 25 Zentimetern Abstand. Aus 1 Meter Entfernung sind viele Geräte nämlich dermaßen leise, dass man keine relevanten Unterschiede mehr messen kann. Ein Notebook surrt zudem näher am Ohr seines Nutzers als aus 1 Meter Entfernung. Freilich müssen wir in Kauf nehmen, dass unsere Messwerte nicht mit den normgerecht ermittelten dBA-Angaben der jeweiligen Produkthersteller vergleichbar sind.

Trotz des großen Aufwands für die Schalldämmung ist es in der Messkabine nicht "unendlich leise", sondern das Hintergrundgeräusch beträgt weniger als 17 dBA beziehungsweise 0,1 Sone – das ist unsere Messgrenze. Die technischen Assistenten prüfen die erreichbare Messgenauigkeit der Schallmessanlage regelmäßig nach.

Das Schallmesssystem liefert Details, die bei der Suche nach störenden Lärmquellen helfen.

Die Messwerte liefert ein kalibriertes System SQlab II der Firma Head Acoustics, an das die vier Messmikrofone angeschlossen sind. Die Auswertung erfolgt mit der Software ArtemiS: Diese liefert nicht nur Standardmesswerte, sondern erlaubt auch eine tiefergehende Analyse. So kann man etwa Störenfriede wie surrende Lüfter enttarnen – wichtig für unsere PC-Bauvorschläge. Die Aufnahmen werden auch als Tondateien archiviert.

In der c't veröffentlichen wir meistens keine Schalldruckpegel in der "Einheit" dBA, sondern die "Lautheit" in Sone. Unserer Meinung nach erlaubt die Sone-Skala eine leichtere Bewertung von PC-Lärm: Die Bewertung ist noch besser an das menschliche Gehör angepasst als die dBA-"Terzbänder" und die Skala verläuft linear. Doppelter Sone-Wert bedeutet also doppelt so laut.

Unsere Notenskala für Desktop-Rechner haben wir in der Hotline-Datenbank veröffentlicht. Die Werte der vier Positionen – links, rechts, vorne, hinten – mitteln wir. Ist ein Wert besonders laut, kann die Note abgewertet werden. Wichtigster Messpunkt ist der Betrieb ohne Last, aber bei Computern messen wir den Krach auch unter Volllast sowie beim Zugriff auf Festplatten.

Das Umrechnen von der dBA- in die Sone-Skala ist nicht ohne Weiteres möglich, weil Frequenzbereiche unterschiedlich bewertet werden. Wie sehr der Schall eines Gerätes stört, hängt in der Praxis von vielen individuellen Faktoren ab: Läuft der Computer oft unter hoher Last oder eher selten? Steht er unter oder auf dem Tisch? Reflektieren Wand, Parkettboden oder Tischplatte Störgeräusche in Richtung des Benutzers oder schluckt ein Teppichboden den Schall? Bei Notebooks beeinflusst schon der Öffnungswinkel des Displays die Schallabstrahlung.

Kommentare

Anzeige
Anzeige