c't zockt Spiele-Review: ARK: Survival Evolved

c't zockt Spiele-Review: ARK: Survival Evolved - Dino-Training für Fortgeschrittene

Test & Kaufberatung | Spielekritik

Nach zwei Early-Access-Jahren ist das Dinosaurier-Survival-Spiel seit Ende August offiziell fertig. Das Open-World-Game lockt mit ansprechender Grafik, über 90 verschiedenen Dinosauriern und vielen Möglichkeiten. Der Preis von 60 Euro ist aber auch happig.

Vom Dinosaurier-Reiten und per Flugsaurier die Insel überfliegen ist man zu Beginn von "Ark: Survival Evolved" noch weit entfernt. Wie in den meisten Survival-Spielen wacht der Spieler, nur mit Unterwäsche bekleidet, am Strand einer Insel auf. Der idyllische Eindruck trügt, denn "The Island" ist von vielen Dinosauriern, urzeitlichen Säugern und Krabbeltieren und einigen Phantasie-Geschöpfen bevölkert. Überlebt man die ersten Sekunden – einen Schutz für frisch gespawnte Spieler gibt es nicht –, sammelt man Steine und boxt sich für Holz und Stroh an Baumstämmen die Finger wund. Aus dem Material baut man sich dann ein erstes Werkzeug: eine Steinspitzhacke.

Für gesammelte Erfahrungspunkte kauft man das Wissen, um weitere Werkzeuge, Waffen, Bauelemente für Haus und Garten ("Engramme") zu bauen und erweitert so nach und nach seinen Fundus an Crafting-Rezepten. Nahrung findet man beim Abernten von Büschen oder geht auf die – nicht ungefährliche – Dino-Jagd.

Die meisten Lebewesen von Ark lassen sich auch zähmen. Dazu darf man sie nicht töten, sondern muss sie mit Fäusten, Knüppeln oder Narkosepfeilen betäuben und anschließend mit ihrer Lieblingsnahrung füttern. Je nach Größe des Dinos dauert das sehr lange. In den Spieleinstellungen kann man den Zähmungsfaktor erhöhen, was die Dauer verkürzt. Gleiches gilt für viele andere Spielparameter (Hunger, Durst, Schlagkraft, Erfahrung). Als Anfänger sollte man sich so den Einstieg erleichtern, denn normale Schwierigkeitsstufen kennt Ark nicht.

Zahme Dinos sind je nach Art sehr praktisch: Einige verteidigen den Spieler, andere sammeln Ressourcen oder übernehmen die Jagd. Jeder Haus-Dino hat ein Inventar, in das man Futter legt und in dem die gesammelten Ressourcen zu finden sind. Größere Tiere kann man reiten, wenn man den passenden Sattel herstellen kann. Das gilt sowohl für schnelle Raubsaurier wie die Raptoren als auch für Flugsaurier oder den aggressiven Urkondor "Argentavis". Erst mit solchen Reittieren lässt sich die riesige Map mit den verschiedenen Biomen überhaupt sinnvoll erkunden.

Ark: Survival Evolved ist ein Multiplayer-Spiel, das man im LAN oder auf öffentlichen Servern spielen kann. Zu den Mehrspieler-Funktionen gehört das Tribe-System: Mehrere Spieler können einen Clan gründen und dann gemeinsam Ressourcen nutzen oder zahme Dinos befehligen.

Auf PvP-Servern (Player versus Player) treten verschiedene Clans gegeneinander an. Da das zwei Jahre alte und sehr erfolgreiche Spiel – in der Early-Access-Phase wurde Ark über fünf Millionen mal verkauft – schon lange online gezockt wird, gibt es viele Clans, die Gelegenheitsspielern weit überlegen und nicht zimperlich sind und ganze Server beherrschen. Anfänger sollten es deshalb zunächst auf einem PvE-Server (Player versus Environment) versuchen.

Ark: Survival Evolved gefällt mit seiner ansprechenden Grafik, der riesigen Karte – weitere kann man als DLC hinzukaufen – und der großen Vielfalt an Dinos und anderen Kreaturen. Das Zähmen erinnert an Pokémon: Jedes zähmbare Tier hat eigene Fähigkeiten, Vorlieben, Kampf- und Fluchttaktiken, die es zu lernen gilt, wenn man ein erfolgreicher Dino-Dompteur werden will (Gonna catch 'em all!).

Doch kann man im Spiel nie sicher sein, ob am Startpunkt nicht schon ein Fleischfresser auf einen wartet. Häufige Tode gehören zur unvermeidlichen Anfängererfahrung – hier ist Frustresistenz gefragt. Immerhin kann man am Anfang verschiedene Parameter für Dino-Level, Kraft, Resistenz und anderes anheben. Beim Start lässt sich außerdem die ungefähre Spawnregion auf der Karte vorgeben. Die Südküste wird hier für Anfänger empfohlen, eine Überlebensgarantie ist dies aber nicht.

Auch später im Spiel kann es zu herben Rückschlägen kommen, wenn beispielsweise ein plötzlich auftauchender wilder Dino die gesamte zahme Menagerie inklusive Frauchen oder Herrchen killt und das mühsam aufgebaute Domizil plattwalzt.

Ark: Survival Evolved gibt es für viele Plattformen: Das Spiel läuft unter Linux, macOS und Windows; ebenso stehen Versionen für PS4 und XBox One bereit. Allerdings erfahren nicht alle Versionen gleich viel Liebe: In der Linux-Version ist das Wasser nur eine hässliche graue Masse, transparent wird es erst beim Tauchen. Auch der Pflanzenbewuchs ist hier deutlich reduziert.

Abgesehen von der guten Grafik der Unreal-4-Engine überzeugt Ark mit seiner schieren Vielfalt und den weitreichenden Spielmöglichkeiten, egal ob man Dinos zähmen, umfangreiche Verteidigungsanlagen bauen oder sich der Landwirtschaft widmen will (Dinos lassen sich auch züchten). Abenteuer verspricht die Suche nach seltenen Artefakten, mit deren Hilfe man besondere Wesen wie Drachen spawnen kann. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind deutlich umfangreicher als in anderen Survival-Spielen: Sie reichen von einfachen Werkzeugen und Waffen bis hin zu Lasergewehren und High-Tech-Rüstung für die Kampf-Dinos. Sogar ein Endkampf ist vorgesehen.

Leider krankt das Gameplay an einigen nervigen Stellen: Hat man nicht alle passenden Spiel-Parameter hochgepimpt, dauert es lange, bis man genug Ressourcen für robuste Häuser oder Dino-Sattel zusammenbekommt. Nachts sieht man kaum noch etwas und mit einer Fackel durch den Dschungel zu laufen (Waffe und Fackel gleichzeitig geht nicht), kann schnell zum virtuellen Ableben führen. Aber sonst sitzt man nachts im Haus und langweilt sich. Auch das Dino-Zähmen kann (echte!) Stunden dauern, währenddessen man seinen bewusstlosen Schützling bewachen muss.

Zunächst witzig ist die "Kack"-Funktion: Alle Spieler und Dinos hinterlassen in sehr regelmäßigen Abständen mehr oder weniger große Haufen – nur praktisch als Dünger. Sogar eine Sondertaste zum Abkoten gibt es. Nach kurzer Zeit gehen die Geräusche und Meldungen "Du hast gerade ..." nur noch auf die Nerven. Auch die Orientierung auf der riesigen Map fällt lange Zeit schwer. Die grobe Karte hilft nicht viel, auch wenn am Rand einige Koordinaten stehen. Erst spät im Spiel bekommt man Hilfen wie ein GPS-Navi.

Ab einem gewissen Spielstand macht Ark: Survival Evolved im Single-Player-Modus oder beim Zocken mit Freunden im LAN oder auf passwortgeschützten dedizierten Servern Spaß. Bis dahin dürften aber viele Spieler das an sich gute Spiel frustriert in die Ecke legen. Wer das Spiel in und auswendig kennt, kann zu den zahlreichen Mods greifen. Ark unterstützt Mods von Haus aus; im Spielmenüs gibt es sogar eine eigene Mod-Verwaltung.

Ark: Survival Evolved ist bei Steam erhältlich, ebenso mehrere teure DLC-Erweiterungen und zahlreiche kostenlose Mods. Kurz vor dem offiziellen Spielstart hat der Entwickler Studio Wildcard den Preis von moderaten 30 Euro auf happige 60 Euro angehoben. Auch für XBox One und PS4 ist es verfügbar.

Trotz des stolzen Preises wirkt das Spiel an vielen Stellen noch unfertig: Die Optionen sind unübersichtlich und wenig organisiert. Im Spiel selbst machen sich noch viele Fehler bemerkbar. So sind die Bäume manchmal der Dinos größter Feind, weil diese daran hängen bleiben und zur leichten Beute werden. Dinos stecken ihren Kopf immer wieder mitten in einen Felsen; Steine und Büsche hängen in der Luft. Es entsteht der Eindruck, die Entwickler haben mehr Wert auf neue Dinos und zusätzliche Funktionen als auf Feinschliff gelegt. Allerdings liefert Studio Wildcard noch stetig Updates aus, die Fehler beheben sollen und sogar noch Features nachliefern.

Vor dem Kauf verschafft unser "Angespielt: c't zockt LIVE ARK: Survival Evolved" einen Einblick in einige Spielabläufe und diverse Spieler-Tode. (rop)

c't zockt LIVE "ARK: Survival Evolved": Dinos essen Redakteure auf

Anzeige