c't zockt Spiele-Review: Castle Story

c't zockt Spiele-Review: Castle Story

Test & Kaufberatung | Spielekritik

Die kleinen gelben "Bricktrons" bauen Rohstoffe ab, errichten Verteidigungsanlagen und rüsten sich gegen den Ansturm der fiesen "Corruptrons": Castle Story ist ein Echtzeit-Strategiespiel mit lustiger Voxel-Grafik.

Kreativität, Durchhaltevermögen und die richtige Strategie sind bei Castle Story gefragt. Das Spiel stammt vom kleinen kanadischen Sauropod Studio, das die Entwicklung im Juli 2012 sehr erfolgreich über eine Kickstarter-Kampagne finanzierte. Im September 2013 startete Castle Story als Early Access auf Steam, seit August 2017 ist es offiziell fertig und für die Plattformen Linux, macOS und Windows erhältlich. Das c't-zockt-Team hat Castle Story unter Linux und Windows ausprobiert, beide Versionen waren in etwa auf dem gleichen Stand.

Das Spielprinzip erinnert an andere Strategiespiele-Klassiker wie Stronghold, besonders aber an Dungeon Keeper: Man startet an einem Heimat-Kristall, über den man neue Arbeiter, die "Bricktrons" spawned und den es zu verteidigen gilt. Wird der Kristall vom Gegner zerstört, ist das Spiel vorbei. Zu Beginn des Spiels wählt man eine von 18 verschiedenen Karten aus – im Himmel schwebende Inseln mit Klüften, von denen Arbeiter und Gegner stürzen können und die es mit Hängebrücken zu überwinden gilt. Auch sollte man nicht zu tief graben.

Castle Story bietet verschiedene Spiel-Varianten: Bei "Invasion" wird man von immer stärkeren Gegnerwellen angegriffen, bei "Conquest" erobert man die auf der Karte verteilten Kristalle und verteidigt sie gegen die Corruptrons. Wer unbehelligt von den feindlichen Steinmännchen seine Burgbaukünste ausprobieren möchte, wählt "Sandbox". Neu ist das Sammeln möglichst vieler Kristalle in "Grab the Gems". Die Varianten lassen sich sowohl alleine gegen den Computer als auch mit mehreren Spielern gegeneinander oder gemeinsam gegen die Feinde spielen.

Einfach ist das Spiel nicht: Die Ressourcen in Reichweite sind begrenzt und Abbau sowie Verarbeitung brauchen Zeit. Es müssen Lagerplätze geschaffen und Werkstätten zum Verarbeiten errichtet werden. Was man für welche Dinge braucht und warum sie gut für die eigene Fraktion sind, erschließt sich nur durch Erfahrung. So lohnt es sich durchaus, schnell automatische Verteidigungsanlagen (Sentinels) und Heilstationen (Healing-Pods) sowie Energie-Relais zu bauen. Fehlt ein Glied in der Produktionskette, stehen die gelben Helferlein rum und wissen nicht weiter. Deren Anzahl ist die größte Beschränkung, mit der der Spieler zu kämpfen hat. Zwar kann man neue Bricktrons über den Heimatkristall erwecken, doch muss man dazu Punkte durch Bauen und Kämpfen sammeln und jedes nachfolgende Helferlein ist teurer als das vorige. Die Computer-gesteuerten Gegner haben diese Beschränkung augenscheinlich nicht. Immerhin gibt es drei Schwierigkeitsstufen.

Castle Story erlaubt es, komplexe Aufgaben zusammenzufassen, zu verändern und anzupassen, ehe man das Okay zum Loslegen gibt. So kann man beispielsweise Bergwerke mit mehreren Tunneln und Etagen in die Voxel-Hügel schlagen lassen, deren Verlauf man vor Beginn der eigentlichen Arbeit von vorn bis hinten vorgeben darf.

Die Steuerung verlangt allerdings viel Geduld: So behindert die komplexe Kamerasteuerung, die von einer nicht immer hilfreichen Automatik unterstützt wird. Besonders beim Anlegen von Tunneln und Minen stört das Weggleiten der Kamera. Auch die vielen oft uneinheitlichen Menüs und Bedienelemente verwirren: Mal muss man sich durch das große Baumenü klicken, wahlweise gibt es runde Kontextmenüs, die aber oft nicht das Gewünschte zeigen, weil man den – viel zu kleinen – Schaltpunkt nicht getroffen oder den Fokus von einer früheren Aufgabe nicht gewechselt hat. Um die winzigen Schaltflächen und Infofelder besser zu sehen, hilft es, eine kleinere Auflösung zu wählen. Skalierbare Menüs wären da vielleicht einen Gedanken der Entwickler und ein Update wert.

Die Bricktrons haben eine gute Wegfindung, die besonders bei verwinkelten Karten wichtig ist. Trotzdem kommt es vor, dass ein Arbeiter irgendwo feststeckt und erst nach Speichern und Neustart des Spiels wieder bewegt werden kann. Unglücklich ist auch das in der Castle-Story-Community bekannte Rüstungsproblem: Um Bricktrons zu Kämpfern zu machen, müssen produzierte Schwerter, Rüstungen und Bögen als Set in korrekter Kombination in den Ausrüstungsständern hängen. Oft verteilen sie sich aber auf verschiedene Ständer und werden so unbrauchbar.

Castle Story stellt hohe Anforderungen, macht aber speziell Strategen richtig Spaß. Es hat zwar ein suchterzeugendes Spielprinzip und bietet viel Spielraum für eigene Strategien und Bauvorhaben. Zugleich sorgt es aber mit der komplizierten Steuerung, den unübersichtlichen Menüs und einigen Bugs für Frust – für ein Spiel, das eigentlich fertig sein soll, ist das wenig akzeptabel. Da bessern die Entwickler hoffentlich noch nach – immerhin sind seit dem offiziellen Release schon Updates erschienen.

Castle Story ist für 23 Euro bei Steam und für 22 Euro im Humble-Store zu haben. (rop)

Wer sich vor dem Kauf von Castle Story einen Eindruck verschaffen will: c't zockt Live hat das Spiel im Koop-Multiplayer-Modus ausprobiert.

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Spielvarianten: Von Sandbox bis Invasion
  2. Verwirrende Bedienung
  3. Für Strategen mit einer gewissen Leidensfähigkeit
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