ePerso-Alltag: Vom Fördern und Basteln

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Nein, Detlef Borchers hat immer noch nicht seinen neuen Personalausweis erhalten. Dafür wird gebastelt, was das Zeug hält: An Erfolgsmeldungen ebenso wie an neuen Hiobsbotschaften.

Nein, ich habe immer noch nicht meinen neuen Personalausweis erhalten. Auch der PIN/PUK-Brief fehlt. Dafür bekomme ich nette Pressemitteilungen, wie die Bundesdruckerei Rekorde am laufenden Band aufstellt: Am Mittwoch wurde der 500.000ste Ausweis ausgeliefert. Eine halbe Million Bundesbürger ist glücklich und ich bin nicht dabei.

Doch welcher Journalist dreht schon Däumchen, wenn er eine Tastatur vor sich hat? Das wäre so, als würden Hacker Leserweitwurfwettbewerbe veranstalten, mit den 400.000 Basislesern, die mit Hilfe einer Computerzeitung an interessierte Bürger ausgeliefert wurden. Das machen sie natürlich nicht und so hat der CyberJack der Firma Reiner SCT die Ehre, als Basisleser für den Personalausweis nach allen Regeln der Kunst analysiert zu werden, inklusive einer Art Lifeschaltung in der Netzröhre. Es gibt noch mehr, ein Musikvideo mit tanzenden Fenstern, vielleicht ein Beweis dafür, wie hübsch dieses Windows ist.

Jedenfalls wird gebastelt und entkleidet, dass es eine wahre Freude ist. Der vom Chaos Computer Club gerne bemühte Spass am Gerät sollte noch einige Tage für viele Bastler anhalten, das Innenleben sollte bis zum Weihnachtsfest des besagten Clubs für Diskussionen sorgen.

Für Diskussionen sorgte mein Blogbeitrag zum Fördern und Fordern, der Zahlen zum neuen Personalausweis nannte. Besonders bei den Zahlen zum besagten 400.000fach ausgegebenen CyberJack habe ich mich kräftig verrechnet, was die Firma Reiner SCT kritisierte, die die Basteleien mit Freude verfolgt. Tatsächlich bekommt sie nicht, wie im Blog behauptet, 35 Euro für dieses Lesegerät. Das ist nur der unverbindliche Verkaufspreis. Reiner SCT bekommt 14 Euro für den Leser, was sich zu einer Gesamtsumme von 5,6 Millionen Euro addiert. Von dieser Summe bekommt die Firma 33,3 Prozent bei Erteilung des Zuwendungsbescheides nach dem Förderverfahren, macht 1.864.800 Euro. Weitere 33,5 Prozent bekommt sie, wenn die Hälfte der Lesegeräte mit der Zeitschrift verkauft sind, weitere 33,4 Prozent, wenn alle 400.000 Geräte bei den Bürgern sind.

Die Zuwendungsmaßnahme der Bundesregierung für den neuen Personalausweis läuft Ende 2011 aus. Vielleicht habe ich bis dahin meinen am 2. November beantragten Ausweis. Der Mensch ist bekanntlich das einzige Lebewesen, das nach dem Prinzip Hoffnung lebt und 6 von 49 Möglichkeiten allen Ernstes für eine gute Chance hält. Bis der Ausweis kommt, könnte ich mit der LoginCard von Reiner SCT spielen, wie dies die Bastler tun. Sie ist eine Art Spielkarte und doch wieder nicht. Carsten Sommer, Geschäftsführer von Reiner SCT, erklärte mir die Gründe für die Beigabe zum Lesegerät: "Es war uns klar, dass bis dahin viele potentielle Interessenten noch keinen neuen Personalausweis haben werden. Gleichzeitig war es uns aber wichtig, dass die Lesegeräte sofort genutzt werden können. Deshalb haben wir entschieden, eine kontaktlose Chipkarte als 'Brückentechnologie' zum nPA beizulegen, die in verschiedenen Anwendungen genutzt werden kann. Für die Anwendungen wurden verschiedene Partner gefunden. Die LoginCard ist kein Alternativprodukt für den nPA und diesem sicherheitstechnisch nicht ebenbürtig. Dennoch war es der Anspruch ein System zu schaffen, das bequemer und/oder sicherer ist als die Verwendung von Benutzername/Passwort."

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