ePerso-Alltag: Wieder nur Zweiter

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Axel Kossel beantragt einen neuen Personalausweis und staunt, wie schnell das geht. Im Bürgerbüro ist dabei nichts von Stress oder Angst vor der neuen Technik zu spüren.

Ich kam zu spät: 10 Minuten nachdem das Bürgerbüro der Wedemark geöffnet hatte, zog ich die Nummer 6 – und war damit schon der Zweite, der den neuen Personalausweis beantragte. Im Büro waren alle guter Laune und die knappe Darlegung meines Anliegens ("Ich will ihn.") wurde ohne Erläuterung verstanden: "Hier kriegen Sie ihn." Lediglich die Anwesenheit eines jungen Mannes, der im Hintergrund vereinzelte technische Hinweise gab, verriet, dass der 1. November ein besonderer Tag war.

Anhand des alten Personalausweises wurden meine Daten aufgerufen und ich musste nur zwei Fragen beantworten: Ob ich eine ausländische Staatsbürgerschaft beantragt habe und ob ich Fingerabdrücke auf dem neuen Personalausweis ablegen will. Nein, wollte ich nicht. Weil ich nicht verstehe, wofür. Auch wenn mir versichert wird, dass die Abdrücke nach Abholen des Ausweises gelöscht werden, wäre mir bei der Abgabe unwohl. Mit Daten, die nicht erfasst werden, passieren nachweislich die wenigsten Missgeschicke.

Anschließend bekam ich einen Antrag zur Unterschrift vorgelegt, der mich unter anderem darüber informierte, dass ich ohne Fingerabdrücke auf dem Ausweis nicht am "vereinfachten Verfahren zur Identitätsprüfung per Fingerabdruckvergleich" teilnehmen könne. Damit gemeint sind automatische Grenzkontrollen wie EasyPass, das derzeit aber noch gar nicht mit Fingerabdrücken arbeitet. Ich stand wacker zu meiner Verzichtsentscheidung und unterschrieb das Formular oben (als Vorlage für den Ausweis) und unten.

Wenig einleuchtend erschien mir indes das nächste Formular, das "Beiblatt zur deutschen Staatsbürgerschaft". Auch die freundliche Angestellte wusste nicht, warum ich unter anderem angeben sollte, ob ich in anderen Staaten Wehrdienst geleistet habe. Wir einigten uns darauf, dass ich überall "Nein" ankreuze und unterschreibe.

Als es ans Bezahlen ging und ohne dass ich mich beschwert hätte, meinte die Angestellte entschuldigend, der neue Personalausweis sei ja ganz schön teuer. Ich beruhigte sie: Verglichen etwa mit der GEZ-Gebühr finde ich 24 Cent pro Monat preiswert genug.

Ich erhielt eine durchaus informative Broschüre, die allerdings ein paar originelle Passagen enthält, wie: "Die digitale Unterschrift ist neben der Online-Ausweisfunktion eine weitere Neuerung, die mit dem Personalausweis ermöglicht wird." Naja, das ging auch schon ohne Personalausweis.

Richtig schick finde ich die Möglichkeit, den Status des beantragten Personalausweises online abfragen zu können. Dazu muss ich im Web eine Dokumentennummer eingeben. Bislang heißt es dort allerdings nur: "Das Dokument wurde nicht gefunden." In ein paar Tagen soll ich schon den Brief mit der PIN bekommen, in zwei bis drei Wochen soll der Ausweis fertig sein. Auf die Frage, wo ich wohl ein Lesegerät her bekäme, gab es nur die vage Auskunft, bei der Bundesdruckerei oder im Elektronikfachhandel.

Nach etwas mehr als sieben Minuten konnte ich mich von den gut gelaunten Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro schon wieder verabschieden. Zum Abschied zeigte ich ihnen die gestoppte Zeit und erklärte, dass sie deutlich unter den von Experten veranschlagten 23 Minuten geblieben waren. Das Lob kam gut an. Mal sehen, ob die Bundesdruckerei mit meinem Ausweis auch so fix ist.

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