eSIM: Das Ende der klassischen SIM-Karte kommt

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Bild: dpa, Ralf Hirschberger

Die großen Smartphone-Hersteller wollen so schnell wie möglich die eSIM als neuen Standard einführen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die eSIM die klassischen SIM-Karten ablösen.

Wer einen Mobilfunkvertrag schließt, bekommt eine SIM-Karte. So war es bisher. Künftig muss der Kunde sich umstellen: Die SIM-Karte heißt dann eSIM und ist fest im Handy verbaut, der Kunde bekommt sie niemals zu Gesicht. Ein mechanischer Wechsel dieser Karte ist dann nicht mehr möglich. Noch ist die eSIM nicht endgültig genormt. Sie ist fest verlötet, etwa sechs Mal fünf Millimeter groß und gerade einmal einen Millimeter dick. Damit ist sie deutlich kleiner als eine Nano-SIM.

Da die eSIM fest eingebaut ist, erfolgt die Einstellung auf den jeweiligen Mobilfunkanbieter per Software. Bei der ersten Inbetriebnahme nimmt das Gerät Kontakt zu einem Universal Discovery Server (UD-Server) auf. Nun kann der Kunde einen Tarif auswählen, sofern ihm der Anbieter eine Wahl lässt. Anschließend lädt die eSIM das Profil des ausgewählten Betreibers herunter und legt es im Speicher ab. Bei einem Anbieterwechsel wird lediglich ein anderes Profil geladen. Dadurch ist ein Anbieterwechsel sehr einfach.

Wie genau man zwischen den Angeboten verschiedener Netzbetreiber auswählen können soll, ist noch unklar. In vielen Fällen wird es ein Menü geben, das Mobilfunkanbieter anzeigt, zwischen denen sich der Kunde entscheiden kann. Wie genau solch ein Menü aussehen soll und welcher Anbieter an welcher Stelle aufgelistet wird, ist noch nicht geklärt. Das ist jedoch eine wichtige Angelegenheit, denn damit steht und fällt der Wettbewerb. Einige Mobilfunkanbieter befürchten, dass eine wirksame Wettbewerbskontrolle künftig fehlen wird, weil der Anbieter der eSIM – meist wohl der Gerätehersteller – darüber entscheidet, welches Tarifangebot erscheint und welches nicht.

Für die eSIM wird statt eines Vertriebsnetzes für SIM-Karten nur noch ein Server benötigt, der die benötigten Profile erstellt und online verteilt. Es müssen keine SIM-Karten mehr in Shops verteilt oder per Post versendet werden. Dies erspart eine Menge Kosten und erleichtert auch den Wechsel des Mobilfunkanbieters.

Für die Geräteentwickler ist die programmierbare eSIM praktisch, da die aufwendige Mechanik zur Aufnahme der SIM-Karte entfällt. Zudem ist es leichter, wasserfeste Geräte zu bauen, wenn das Gerät für einen Tausch der SIM-Karte nicht mehr geöffnet werden muss. Auch das lästige Gefummel bei einem SIM-Karten-Wechsel entfällt, das Einrichten und die Aktivierung der eSIM verlaufen vergleichsweise flott. Für Wearables, wie zum Beispiel Smartwatches, die klein und leicht sein sollen, sind die kleineren eSIM auch von Vorteil.

Eine eSIM kann auch als Dual-SIM verwendet werden, das heißt mehrere Profile und mehrere Rufnummern können gleichzeitig auf einem Gerät aktiv sein. Dies macht das Handling des Internetzugangs, der Telefonie und SMS unterschiedlicher Provider wesentlich einfacher. Auch der Einsatz einer eSIM als Multi-SIM ist möglich, sodass man dieselbe Nummer auf mehreren Geräten nutzen kann. Allerdings müssen Kunden dann mit den vom Gerätehersteller und Netzbetreiber bereitgestellten Funktionen und Angeboten vorlieb nehmen.

eSIM: Das Ende der klassischen SIM-Karte

Bisher gibt es eine klare Rollenverteilung: Der Netzbetreiber ist für die Verwaltung der SIM-Karten-Nummer (IMSI) zuständig. Die Hersteller fertigen die Karten nach den Vorgaben der Netzbetreiber an, auch Vertrieb und Aktivierung der Karten laufen über den Betreiber. Mit der eSIM ändern sich jedoch die Machtverhältnisse.

SIM-Karten-Hersteller müssen sich dank der eSIM künftig nicht mehr mit den Netzbetreibern abstimmen, sondern mit den Geräteherstellern. Damit der Kunde auch mit einer eSIM die freie Wahl zwischen allen Angeboten hat, müssen alle Beteiligten mitspielen. Dabei hat der UD-Server die Schlüsselrolle, denn er sorgt dafür, dass das Gerät Zugriff auf das beim Netzbetreiber hinterlegte Profil erhält, das die für die Identifizierung unabdingbare IMSI und weitere Informationen zur Konfiguration des Handys enthält. Bei Geräten mit festeingebauter SIM tritt der Käufer einen Großteil der Kontrolle an den Hardware-Hersteller und Netzbetreiber ab. Er wird nur Mobilfunktarife sehen, die der Gerätehersteller für ihn vorgesehen hat.

eSIM: Das Ende der klassischen SIM-Karte
Die Samsung Gear 2G und 2G classic (links) haben bereits seit über einem die eSIM-Technologie, erlauben jedoch nur UMTS. Die Apple Watch Series 3 "GPS + Cellular" (rechts) greift hingegen auf das schnelle LTE-Mobilfunknetz zu.

Die dritte Generation der Apple Watch gibt es in zwei Modellen: Als Apple Watch Series 3 „GPS“ und „GPS + Cellular“. In die „GPS + Cellular“ baut Apple erstmals eine eSIM ein. Samsung tat dies mit der Gear S2 3G bereits vor über einem Jahr, im Gegensatz zur Apple Watch Series 3 kann sie aber nur UMTS und kein LTE.

Die neue Apple Smartwatch ermöglicht mit der eSIM nun das Telefonieren und Surfen im schnellen LTE-Netz auch ohne gekoppeltes iPhone. Bisher ist die Deutsche Telekom allerdings der einzige Provider, der die Nutzung von eSIMs mit Laufzeitvertrag unterstützt. Man ist also zwangsweise an die Telekom als Mobilfunkanbieter gebunden. Das Praktische dabei: Die Nutzung der eSIM wird als Multi-SIM abgerechnet, damit bekommt die Smartwatch die gleiche Rufnummer wie das iPhone des Kunden. Nach sechs Gratismonaten zahlt man 4,95€ monatlich.

Andere Netzbetreiber, wie der nach Kundenzahl größte Anbieter O2, unterstützen die eSIM-Technologie noch nicht. (uma)

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