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Apples Einsteiger-Notebook auf der Macworld in New York

"iMac to go"

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Monatelang haben sich die Gerüchteküchen im Web über das angekündigte iBook überschlagen; entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Eröffnungsrede. Steve Jobs wusste das Publikum trotzdem zu überraschen. Und auch die anderen Aussteller nutzten die zweitgrößte Macintosh-Messe der Welt, um ihre Highlights vorzustellen.

Traditionsgemäß eröffnete Jobs seine Keynote mit der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse. Mit einem Gewinn von 203 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 1,56 Milliarden Dollar hat Apple endgültig das Verlierer-Image abgestreift (Details [1]). Doch so sehr sich die Anhänger über dieses Ergebnis freuten - sie waren angereist, um das iBook live zu sehen.

Das robuste Einsteiger-Notebook eignet sich laut Apple gut für den Transport im Schulranzen: Die Polycarbonitschale, ohne Ecken und Kanten, wahlweise in weiß-blau oder weiß-orange, ist bis zu viermal so dick wie die bisherige PowerBook-Hülle. Es gibt keine Klappe oder Lasche, die abbrechen könnte, und keinen PC-Card- oder Drive-Bay-Slot, aus dem etwas herausfallen könnte. An einem ausklappbaren Tragegriff lässt sich das drei Kilo schwere iBook auch ohne Tasche tragen. Das Netzkabel ist ähnlich wie das eines Walkman-Kopfhörers in einer runden Plastikbox aufgerollt, doch die wird mancher zu Hause lassen können: Apple verspricht eine Batterielaufzeit von beachtlichen sechs Stunden.

Am rechten Gehäuserand sitzt das 24X-CD-ROM-Laufwerk, links finden sich die Buchsen für 56k-Modem und 10/100-MBit-Ethernet. Anschlüsse für einen externen Monitor oder SCSI-Geräte bleiben den teureren Geräten vorbehalten, aber über USB kann man diverse externe Peripherie betreiben. Ein Mikrofon respektive Sound-Eingang fehlt; der kleine Lautsprecher oberhalb der Tastatur gibt Klänge nur in Mono aus. In den Genuss von Stereo kommt man erst durch den Anschluss externer Boxen. Die großen Tasten lassen sich gut tippen und zum Teil individuell belegen.

Im Innern sorgt ein 300-MHz-PowerPC mit 512 KByte L2-Cache für ordentliche Performance. Das 12,1"-TFT-Display stellt wahlweise 800 x 600 oder 640 x 480 Pixel bei Millionen Farben dar. Der eingebaute 3D-Grafikchip Rage Mobility von ATI hat 4 MByte SDRAM an der Seite und kann, ganz neu bei Apple, via 2X-AGP-Bus zusätzlich auf den Hauptspeicher zugreifen. Ansonsten sind eine 3,2-GByte-Platte sowie 32 MByte RAM eingebaut. Wem das nicht genügt, der kann das iBook bei der deutschen Handelskette Gravis mit 64 MByte kaufen und dabei sogar noch sparen. Mit 3600 DM verlangen die Berliner 200 Mark weniger als Apple für die Grundausstattung (voraussichtlich 3800 Mark). Das Angebot gilt bis Mitte August.

Nettes Detail: Das iBook speichert beim Ausschalten den RAM-Inhalt ab, um beim nächsten Mal deutlich schneller zu booten. Darauf warten Macintosh-Anwender schon lange.

‘Eine Sache noch’ - das i-Tüpfelchen hob sich Steve Jobs für den Schluss der Keynote auf. Als erster Computer überhaupt bringt das iBook serienmäßig die Voraussetzungen für die drahtlose Vernetzung laut IEEE-Standard 802.11 mit; die zugehörigen Funkantennen sind im iBook-Deckel versteckt. Um Daten mit anderen iBooks mit bis zu 11 MBit/s auszutauschen, muss man lediglich die AirPort-Karte hinzukaufen, die mit 99 Dollar weit weniger kostet als die Wireless-LAN-Produkte anderer Hersteller. Sie sendet und empfängt im Umkreis von 50 Metern, auch durch Wände hindurch.

Wer das iBook ins Internet, ins Firmen- oder ins heimische Netz bringen möchte, benötigt überdies die AirPort Base Station, die mit 299 Dollar ebenfalls deutlich preiswerter ausfällt als andere Produkte. Ethernet-Interface (10/100 MBit/s) und 56-kBit-Modem sind in der runden, knapp 15 cm großen Box eingebaut, die man per gekreuztem Ethernet-Kabel auch direkt mit dem heimischen Power Mac verbinden kann. Bis zu zehn iBooks dürfen sich den Internet-Anschluss einer AirPort Base Station oder auch den Drucker im Ethernet teilen. Wer mehr Geräte vernetzen will, kann mehrere Stationen gleichzeitig betreiben. Das Ganze erreichte in ersten Tests Datendurchsatzraten von bis zu 220 KByte/s und funktionierte einwandfrei. Die 40-Bit-Verschlüsselung soll vermeiden, dass übertragene Daten abgehört werden können, entspricht allerdings nicht dem Stand der Technik. Trotzdem dürfte der AirPort neue Maßstäbe setzen.

Jobs wünscht sich iBooks in Schulen ebenso wie in Privathaushalten und scherzte: ‘50 Meter, das genügt für jedes Haus ... na ja, ausgenommen das von Bill Gates. Aber er kann es sich leisten, zwei zu kaufen.’

Mit QuickTime TV startet Apple den Versuch, Fernsehen in ansprechender Qualität über das Internet zu übertragen. QTV basiert auf dem RTSP (Real Time Streaming Protocol) von QuickTime 4. Empfänger ist der normale QuickTime-4-Player, Sender der auf offengelegten Quelltexten basierende QuickTime Streaming Server (im MacOS X Server enthalten). Die Inhalte steuern größtenteils kommerzielle Radio- und TV-Anbieter bei, darunter ABC News, ESPN, Rolling Stone, VH-1 und Disney. Für eine unterbrechungsfreie Übertragung sollen ‘Relay-Stationen’, auf der Welt verteilte Streaming-Proxys, von Partner Akamai sorgen. Apples Marketing-Vize Phil Schiller vergaß nicht, das kommerzielle Potenzial von QTV zu loben: Ein Klick im Player genügt und schon kann man das Album zum gerade Probe gehörten Musikstück per WWW-Browser bestellen.

Gleich zwei neue Grafikkarten holen den Vorsprung der Intel-Welt auf. Der deutsche Zubehörbauer Formac offeriert mit der ‘ProFormance 3’ die erste Permedia-3-Karte für den Macintosh. Mit 16 MByte SGRAM und 270-MHz-RAMDAC kostet die Karte 599 DM, die bei 2D- und 3D-Anwendungen bis zu doppelt so schnell arbeiten soll wie die im G3 eingebaute Rage128-Karte von ATI. Man kann sie wahlweise im 66-MHz-Grafikslot oder als Zweitgrafikkarte im Standard-PCI-Slot betreiben. Derzeit unterstützt die Karte allerdings nur QuickDraw-3D-RAVE-Anwendungen und -Spiele. OpenGL-Treiber will Formac im dritten Quartal dieses Jahres nachreichen. Über ein optionales Upgrade-Modul steuert die ProFormance 3 auch digitale LCDs wie etwa das 1600SW von SGI an, das übrigens Radius in einer blau-weißen Mac-Version auf der Messe vorstellte. Ein weiteres Modul bedient die ebenfalls optionale 3D-Brille, die den Spieler scheinbar unmittelbar in die virtuellen Welten von Quake, Unreal & Co. versetzt.

MacTell setzt seine ‘Vision3D EvilEye’ dagegen, die erste Mac-Grafikkarte auf Basis des Voodoo-3-Chips von 3Dfx. Mit 16 MByte SDRAM und 300-MHz-RAMDAC soll sie sieben Millionen Triangles pro Sekunde erzeugen und 299 Dollar, umgerechnet etwa 650 Mark, kosten. Treiber für QuickDraw-3D, Open GL und 3Dfx GLIDE seien fertig, so MacTell.

Insgesamt 40 Geräte mit FireWire-Anschluss seien mittlerweile lieferbar, wirbt Apple. Auf der Messe waren immerhin einige davon zu sehen, darunter der Farbtintenstrahldrucker Stylus Color 900 von Epson, der Umax-Scanner PowerLook F3, VSTs FireWire Zip 100, das MO-Drive 640 von Fujitsu, der CD-Brenner Spressa i.Link von Sony, Canons Kamera EOS-1, ein 200fach-DVD-Wechsler von Escient sowie Sonys Konverter für DV nach Analog-Video namens i.Link Digital AV Interface. Von insgesamt 225 für den Mac angekündigten USB-Geräten sind laut Jobs bereits 125 lieferbar. Das wohl kurioseste hatte NEC parat: einen portablen Scanner, der ohne eigene Stromversorgung auskommt. Dank der recht kleinen Scanfläche ist er wohl eher für den mobilen Briefmarkensammler geeignet.

Auch der PC-Card-Markt rührt sich. Iomega will im September einen Macintosh-Treiber für das Mini-Wechselplattenlaufwerk Clik ausliefern und VST offeriert ein DVD-Upgrade-Kit für ‘Wall Street’-PowerBooks, bestehend aus DVD-ROM-Laufwerk und DVD-Video-Decoder auf PC-Card.

IBM hat angekündigt, die Spracherkennungssoftware ViaVoice im Oktober erstmals als MacOS-Version auf den Markt zu bringen. Die auf der Eröffnungsrede gezeigte Vorversion setzte fließend gesprochene Sätze fehlerfrei in Text um. Der englischsprachigen Fassung sollen Anfang 2000 weitere folgen; die deutsche komme wohl erst Mitte nächsten Jahres, sagte W. S. ‘Ozzie’ Osborne, General Manager Speech Systems bei IBM, zu c't. Preise und Algorithmen entsprächen der Windows-Version. Trotzdem soll die Macintosh-Fassung zuverlässiger arbeiten als jene unter Windows, da der Mac eine bessere Sound-Hardware besitze als die meisten PCs.

Microsoft war zur Abwechslung mal nicht auf der Keynote vertreten, vielleicht, weil die Versionen 5.0 von Internet Explorer und Outlook Express, für Herbst versprochen, nur wenig Neues bringen werden. Die Programme wurden auf der Messe immerhin in Betaversionen gezeigt.

Adaptecs CD-Brennsoftware Toast 4.0, für September angekündigt, soll erstmals auch IDE- und USB-Brenner unterstützen. Als Bonbon bringt sie die Fähigkeit mit, MP3- oder Liquid-Audio-Dateien aus dem Internet zu holen und direkt auf Musik-CD zu brennen. Der mitgelieferte ‘CD Spin Doctor’ digitalisiert alte Analog-Platten.

Wichtigste neue Funktion des Windows-Emulators Virtual PC 3.0, den Connectix hier zu Lande im Oktober einführen will, ist die Shared Internet Connection: MacOS und Windows teilen sich eine Modem-, ISDN- oder LAN-Verbindung, das umständliche Jonglieren mit mehreren IP-Adressen entfällt. Ebenfalls neu ist die Unterstützung von AppleScript und USB-Geräten; Treiber werden allerdings nicht mitgeliefert. Inklusive Windows 98 kostet das Paket 179 Dollar, mit Windows 95 149 Dollar und samt PC-DOS 49 Dollar. Für das Upgrade von Version 2.x verlangt Connectix 45 Dollar.

In dem Bestreben, den Macintosh zur besten Spieleplattform zu machen, setzt Apple große Hoffnungen auf Bungie. Das Softwarehaus, bekannt geworden mit Myth und Marathon, will mit ‘Halo’ ein 3D-Ballerspiel der Extraklasse auf den Markt bringen. Erste Demos [2] wirkten verblüffend realitätsnah.

Kompressions-Spezialist Q-Design will mit MVP, einer für MacOS und Windows 9x/NT erhältlichen Audio-Applikation, den MP3-Markt aufmischen. Das knapp 20 Dollar teure Produkt kodiert MP3- und ‘QDesign Music’-Dateien, auch direkt von CD, und spielt überdies WAV- und AIFF-Files sowie QuickTime- und AVI-Videos ab. Der Vorteil des QDesign-eigenen Kompressionsverfahrens liege in der deutlich besseren Audio-Qualität im höherfrequenten Bereich (Dolby-tauglich) bei gleicher Datenrate wie MP3, so die kanadische Firma. Partnerschaften mit Texas Instruments (Halbleiter) und Diamond (RioPort-Software) sind bereits beschlossen.

Eine für alle: Die bekannte Multimedia-Datenbank Cumulus des Berliner Herstellers Canto will mit den drei Ausführungen der neuen Version 5 den Anforderungen vom Einzelplatz bis zur firmenweiten Anwendung gerecht werden. Schnittstellen zur Katalogerstellung wurden um Internet-Funktionen ergänzt, die ohnehin imposante Liste der unterstützten Dateiformate auf über 130 erweitert, und als zusätzliche Plattform ist zu MacOS, Windows, Solaris und Irix nun auch Linux hinzugekommen. (se [3])

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Stephan Ehrmann sprach mit Phil Schiller, Vice President Apple Worldwide Marketing.

c't: Wie, glauben Sie, wird das iBook in Deutschland ankommen?

Schiller: In Deutschland gibt es einen riesigen Markt für solche Consumer-Computer. Es will nicht jeder einen ‘Industrie-PC’ zu Hause stehen haben. Das Problem ist allerdings, dass es bei Ihnen sehr günstige Computer zu kaufen gibt.

c't: Warum verkaufen Sie dann Ihre Produkte dort nicht günstiger als anderswo, zumindest zeitweise, um den geringen Marktanteil von zwei Prozent zu steigern?

Schiller: Nun, vielleicht sollten wir darüber nachdenken.

c't: Der Power Macintosh 4400 beispielsweise kam hier recht gut an.

Schiller: Genau solche Produkte werden wir nie wieder bauen, sie sind Schrott und zerstören Apple. Da kann man auch einen Windows-PC von Compaq nehmen. Wir bei Apple wollen innovativ sein, die Leute erwarten von uns kreative Produkte.

c't: Warum haben Sie beim iBook das Mikrofon weggelassen?

Schiller: Es gibt zwei Gründe. Zum einen die Kosten. Jeder Penny, jeder einzelne Penny zählt. Außerdem haben beim PowerBook die wenigsten Leute ihr Mikrofon benutzt.

c't: Wird es auch eine Übergangslösung geben, mit der Besitzer älterer PowerBooks den AirPort benutzen können?

Schiller: Nein, jedenfalls denken wir zur Zeit nicht über ein entsprechendes Produkt nach. Es kam uns darauf an, ein drahtloses iBook zu bauen.

c't: Werden Sie eine Upgrade-Möglichkeit für DVD-Video anbieten oder spätere iBook-Modelle mit DVD ausliefern?

Schiller: Zur Zeit nicht, DVD ist zu teuer. Über künftige Produkte kann ich noch nicht sprechen.


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