I AM WHAT I AM

@ctmagazin | Story

Illustration: Susanne Wustmann, Dortmund

Onkel Walt war alt geworden, seine Hand, die Bernstein jetzt drückte, fühlte sich rau an. Erinnern konnte sich Bernstein kaum an diesen Onkel. Es musste lange her sein, dass er ihn gesehen hatte.

Auch die vielen anderen Verwandten, die ihm nun der Reihe nach die Hand drückten – nur blasse Erinnerungen. Als alle gegangen waren, blieb Bernstein noch vor dem Grab stehen, blickte hinab auf den Sargdeckel. Rosen und dunkle Erdkrumen darauf verstreut, und unter dem Deckel eine Leiche. Bernstein fühlte nichts. Er müsste Trauer empfinden, Wut, Hass, irgendetwas, wenigstens Leere. Nichts. Es berührte ihn nicht. Und auch an die Leiche erinnerte er sich kaum. Wann hatte er seine Mutter zuletzt gesehen? Irgendeine Anekdote, ein Satz seiner Mutter, etwas, das „seine Mutter“ war? Nichts, oder nur so blass, dass es eigentlich jeder sein konnte. Irgendeine alte Frau unter dem schmutzigen Deckel. Gerade als sich Bernstein entfernen wollte, fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. ...

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