Prozessorgeflüster

Von Hoffnungen und Verbindungen

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Zum Wonnemonat Mai gibt es ein paar monetäre Ergebnisse aus der IT-Szene, die für manch einen aber nur wenig Wonne bedeuten. Intel hat zwar etwas verloren, engagiert sich aber breitflächig, sei es bei den Atom-Smartphones oder den Supercomputern.

Bei Apple läuft’s weiter wie geschmiert, wenn auch das zweite Quartal 2012 mit nunmehr 39,2 Milliarden US-Dollar Umsatz und 11,6 Milliarden Gewinn nicht ganz an die Traumwerte von Weihnachten 2011 anknüpfen konnte. Aber immerhin ist der Gewinn noch gut doppelt so hoch wie im Vergleichsquartal vor einem Jahr. Umsatzmäßig knapp vor Apple rangiert diesmal wieder Samsung Electronics – gleichzeitig Partner und Gegner von Apple. Die Koreaner bleiben aufs Jahr berechnet der Branchenführer. Sie erzielten im ersten Quartal dieses Jahres umgerechnet über 40 Milliarden Dollar Umsatz und konnten einen neuen Rekordgewinn von 4,41 Milliarden Dollar verbuchen, okay, Apples Profit ist noch über zweieinhalb Mal höher. IBM spielt inzwischen hinter den beiden, hinter HP, den Telecom-Riesen NTT und AT&T sowie Hitachi – der als Mischkonzern aber zahlreiche Aktivitäten außerhalb von IT unternimmt – nur noch die siebte Geige im IT-Konzert. Mit 24,6 Milliarden Umsatz im letzten Quartal liegt IBM in etwa bei dem Wert von vor einem Jahr, der Gewinn stieg aber um 7 Prozent auf 3,07 Milliarden.

Intel backt demgegenüber als Halbleiterhaus kleinere Brötchen, der Umsatz liegt mit 12,9 Milliarden zwar wie bei IBM auf dem Niveau des Vorjahresquartals, aber der Gewinn ging von 3,2 auf 2,7 Milliarden Dollar zurück. Das schlechte Standing des Atom-Prozessors hat mit zu dem Verlust beigetragen – aber hier gibt es Hoffnungsschimmer: erste Benchmark-Ergebnisse mit dem atomar (Z240) bestückten Android-Smartphone Xolo X900 des indischen Herstellers Lava sehen vielversprechend aus (Seite 22). Sie halten bezüglich Performance und Akkulaufzeit mit der ARM-A9-Konkurrenz mit und sind bei Single-Thread-Apps gar überlegen. Allein, Ironie des Schicksals, ausgerechnet Adobe Flash 11 will nicht laufen – dabei hatte Intel doch immer Flash als großen Vorteil der x86-Welt gegen ARM herausgestellt …

Einige Hoffnung hegt Intel auch auf andersartige Einkünfte, nämlich darauf, zumindest einen Teil der bereits bezahlten 1,06 Milliarden Euro Buße von der EU zurückzubekommen. Vom 3. bis 6 Juli findet die diesbezügliche Anhörung vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg statt. Intels Aussichten sind so schlecht nicht, hat doch der Europäische Ombudsmann der Kommission etliche „Stockfehler“ vorgeworfen, etwa bei der Vernehmung eines Dell-Managers.

Geldsegen

Solche Hoffnung auf einen Geldsegen hat Konkurrent AMD derzeit nicht, da sieht es trüber aus. Hier stagniert der Umsatz bei rund 1,6 Milliarden und der Nettoertrag ging mit einem Minus von 590 Millionen Dollar ins Tiefrote. Das verwundert allerdings kaum, denn die von Rory Read vorangetriebene Umstrukturierung samt der zahlreichen vorgenommenen Entlassungen sind zunächst mal kostspielig.

Zudem waren die Bulldozer-Prozessoren bislang nicht so der große Bringer. Ob das die zweite Generation Piledriver, die in der in Kürze erwarteten Trinity-APU zum Einsatz kommt, richten wird, steht noch dahin. Eine bessere Single-Thread-Performance, ausgedrückt in Instructions per Clock (IPC), hatte AMD jedenfalls in der Roadmap für den Piledriver versprochen. Aber AMDs Marketing-Chef John Fruehe hatte ja schon früher mal beim Bulldozer-Design entgegen allen Unkenrufen der Szene (unter anderem hier im Prozessorgeflüster) solches im Vergleich zum Vorgänger in Aussicht gestellt und musste nach Erscheinen der ersten Benchmark-Ergebnisse im Herbst 2011 kleinlaut zurückrudern. Seitdem hat er unter seinem Kürzel JFAMD im Anandtech-Forum vorsichtshalber gar nichts mehr gepostet.

Unregelmäßigkeiten

Aber auch bei Intel läuft nicht alles rund. So kam der Ivy-Bridge-Prozessor nicht nur etwas später, sondern auch etwas energiehungriger als geplant auf den Markt. Er wird auch deutlich heißer als sein Vorgänger, insbesondere beim Übertakten. Intel begründet die höhere Temperatur mit dem dichteren 22-nm-Prozess, alles bleibe aber „im Rahmen der Qualitäts- und Zuverlässigkeitserwartungen für spezifizierte Bedingungen“. Chipzerleger Chipworks hat derweil die ersten greifbaren Ivy-Bridge-Chips aufgesägt und ist den 3D-Trigate-Transistoren mit TEM und SEM (Transmission und Scanning Electron Microscope) auf den Fin-Zahn gegangen. Auf einigen Bildern kann man leichte Unregelmäßigkeiten bei den Fins (Graten) ausmachen; mag schon sein, dass so eine Variation an größerem Energieverbrauch und höherer Temperatur schuld ist.

Bei Ivy Bridge und Trinity gehts zunächst um Mobiles, aber auch am anderen Ende der Skala, bei den Supercomputern, will Intel dem Konkurrenten AMD nicht zu viel Raum lassen. Deren Erfolge in Crays High-End-Systemen waren der jetzt von Diane Bryant geleiteten Datacenter Group schon geraume Zeit ein Dorn im Auge. Unter anderem arbeiten ja Bulldozer-Prozessoren in Europas derzeit schnellstem Zivilrechner Hermit am HLRS in Stuttgart. Cray, das ist schon seit einiger Zeit klar, wird in Kürze unter dem Codenamen Cascade auch Systeme mit Intel-Xeon-Prozessoren anbieten. Doch nicht nur die Prozessoren, auch der Interconnect ist bei Supercomputern von tragender Bedeutung. Auf diesem Gebiet ist Cray mit den Gemini- und den kommenden Aries-Connects gut im Rennen. Um hier ganz vorne mit dabei zu sein, hat Intel die erfolgreiche Cray-Interconnect-Sparte samt 74 Mitarbeitern einfach für 140 Millionen Dollar aufgekauft.

Nur bezüglich GPGPU ist Cray bislang noch mit Nvidia „verheiratet“ – doch wer weiß, vielleicht bahnt sich auch hier ein Partnerwechsel oder zumindest eine Ehe zu dritt an. Auf der kommenden International Supercomputing Conference ISC12 Mitte Juni in Hamburg will jedenfalls Platin-Sponsor Intel mit seinem HPC-Beschleunigerchip Knights Corner ganz groß herauskommen. Bislang war von Nvidias Gegenstück, dem Kepler für HPC (GK110), noch nichts zu sehen – stattdessen brachte nun Nvidia recht überraschend mit der GX690 zwei Desktop-Kepler-Chips (GK104) auf einer Karte heraus – aber es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn auf der Konferenz nicht Nvidia kräftig mit Kepler zurückwinkt, schließlich soll dieser im Herbst in die bestellten Cray-Multipetaflops-Computer Blue Waters und Titan. Wer bei dem zu erwartenden Showdown hier im Lande dabei sein will, sollte sich sputen, am 15. Mai läuft jedenfalls die Early-Bird-Rabattierung für die Konferenzteilnahme aus.

(as)

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