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Mini-Mainboard mit ARM-SoC

In den letzten Monaten sind viele Bastler-Computer neuen Stils erschienen: kleine, bezahlbare Platinchen oder USB-Sticks mit Smartphone-Prozessoren, die unter Linux oder Android laufen. Berühmtester Vertreter dieses Typs ist der Raspberry Pi, der mit einem System-on-Chip (SoC) von Broadcom mit ARM-Kern rechnet. Nun springt Mini-ITX-Erfinder VIA Technologies auf den Zug auf: Der Android-PC (APC) besteht aus einem Mainboard im halben Mini-ITX-Format alias Neo-ITX und soll inklusive Netzteil 49 US-Dollar kosten. Liefern will VIA ungefähr ab Juli, Bestellungen sind unter www.apc.io „bald“ möglich.

Der APC ist teurer, aber besser ausgestattet als der Raspberry Pi: 512 MByte RAM und 2 GByte Flash-Speicher sind vorhanden, per MicroSD-Karte lässt sich Massenspeicher nachlegen. Eine Spezialversion von Android 2.3 ist vorinstalliert; ob sie Zugang zum App-Store Google Play besitzt, weiß man nicht.

Das APC-SoC stammt von der VIA-Tochterfirma Wondermedia: Im Prizm WM8750 steckt ein 800-MHz-Kern der ARM11-Generation (ARMv6). Via HDMI-Port liefert die integrierte GPU HD-Videos mit 720p-Auflösung. Auch vier USB-2.0-Ports und ein Fast-Ethernet-Chip sitzen auf der Platine MZM87I.

VIA nennt eine Leistungsaufnahme von 4 Watt im Leerlauf und 13,5 Watt unter Volllast. Das ist wenig im Vergleich zu x86-Platinen mit Intel Atom oder AMD C-50, aber mehr als etwa beim Trim-Slice mit Nvidia Tegra 2. Die Rechenleistung des WM8750 beträgt aber nur einen Bruchteil eines Atom oder Tegra 2, denn letzterer taktet mit 1 GHz und besitzt zwei Cortex-A9-Kerne mit Out-of-Order-Verarbeitung von ARMv7-Befehlen. Mangels SATA-Port oder Gigabit Ethernet taugt der APC auch kaum für Server-Anwendungen wie NAS. (ciw)

Computex: Hardware- und Computer-Messe startet in Taipeh

In der ersten Juniwoche wird die taiwanische Hauptstadt Taipeh wieder zum Hardware-Mekka: Auf der Computex sind die Neuheiten für die zweite Jahreshälfte zu sehen. Wichtiges Thema ist Windows 8, Microsoft will die sogenannte Release Preview vorstellen. Intel möchte gemeinsam mit großen PC-Herstellern und -Auftragsfertigern eine Fülle von Ultrabook-Varianten zeigen, darunter Geräte mit Touchscreens sowie verschiedene Hybrid-Systeme, die Tablet- und Notebook-Funktionen vereinen. Was Desktop-PCs betrifft, so starten wohl die Dual-Core-Versionen von Intels dritter Core-i-Generation, also Core i3-3000 mit Ivy-Bridge-Innenleben. Unklar ist weiterhin, ob AMD die Desktop-Versionen der Trinitys vorstellt, also die Serie A mit Bulldozer-Prozessorkernen und GPUs der Serie Radeon HD 7000. Die Mainboard-Hersteller müssten allmählich die dafür nötigen Platinen mit FM2-Fassungen fertig haben. Aktuelle Nachrichten von der Computex liefern c’t-Redakteure via heise online, im kommenden Heft folgt der Messebericht. (ciw)

Intel bringt die nächste vPro-Generation: Q77 mit AMT 8.0

Mit dem jetzt offiziell vorgestellten vPro-Chipsatz Q77 – Q77-Mainboards sind schon seit Wochen im Handel – und seinem Mobil-Pendant QM77 präsentiert Intel die nächste Generation der Active Management Technology. Bei den eigentlichen Fernwartungsfunktionen bringt AMT 8.0 kaum Veränderungen, neu sind aber Zusatzfunktionen wie OS Guard und die Deepsafe Technology der Intel-Tochter McAfee. Damit setzt Intel das schon seit 2006 mit wechselnden Partnern betriebene, von vielen Rückschlägen getroffene Projekt eines Malware-Scanners um, der in einer virtuellen Maschine parallel zum eigentlichen Betriebssystem läuft. Voraussetzung für die Nutzung von Deepsafe ist ein vPro-System, also die Kombination aus einem Core i5 oder Core i7 (außer K-Typen) mit Q77 oder QM77. Nur dann nämlich lassen sich Virtualisierungsfunktionen wie VT-x und VT-d und die noch immer kaum dokumentierte Trusted Execution Technology (TXT) freischalten, auch ein Trusted Platform Module (TPM 1.2, also wohl noch nicht das von Microsoft für Windows 8 bevorzugte TPM 2.0) gehört zu jeder vPro-Plattform. Identity Protection Technology kombiniert mehrere Funktionen, etwa einen eingebetteten PKI-Schlüssel, einen Generator für Einmal-Passwörter und die Möglichkeit, die Eingabe und Anzeige von PINs vor Phishing-Angriffen zu schützen. Intels erste 22-nm-Prozessoren enthalten digitale Zufallszahlengeneratoren, Core i5 und i7 auch AES-Befehle zur Verschlüsselung. Mit „OS Guard“ hat sich Intel einen neuen Namen für die Supervisory Mode Execution Prevention (SMEP) einfallen lassen.

Der US-Journalist Charlie Demerjian kritisiert viele der von Intel angepriesenen Sicherheitsfunktionen, zum Teil unter Verweis auf die Expertin Joanna Rutkowska (siehe c’t-Link). Demnach hat Intel fast drei Jahre benötigt, um einen von Rutkowska schon 2008 gefundenen Bug im BIOS-Code (SINIT ACM) für TXT auszubügeln, der allerdings wohl ausschließlich auf Serverboards zum Einsatz kommt. Doch Rutkowska hält auch das Deepsafe-Konzept für untauglich.

Passend zu Intels Q77-Ankündigung hat Dell einige neue Bürocomputer der Profi-Serie OptiPlex vorgestellt: Die Modellfamilien 7010 und 9010 mit Q77 lösen die Vorgänger 790 und 990 ab. Während im 790 der Q65 steckte, der anders als der Q67 im 990 keine AMT-Fernwartung kennt, sind sich 7010 und 9010 nun ähnlicher geworden. Einige Optionen sind aber nur bei der teureren PC-Familie lieferbar. Zu den Neuerungen von 7010 und 9010 gehören je zwei DisplayPorts, auch USB 3.0 ist jetzt Standard. Beide Familien sind in vier Gehäuseversionen lieferbar, der Ultra-Small Form Factor (USFF) hat ein Volumen von 3,7 Litern.

Konkurrierende Q77-Bürocomputer werden auch von Acer, HP, Fujitsu und Lenovo erwartet. Lenovo hat den winzigen ThinkCentre M92p tiny mit 1 Liter Volumen schon angekündigt (s. c’t 12/12), auf der Fujitsu-Webseite sind Hinweise auf den Esprimo Q910 zu finden, der samt Stromversorgung in dasselbe 1,9-Liter-Gehäuse wie der Q510 passt. (ciw)

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