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Kernel-Log: Linux 3.4 freigegeben

Die Mitte Mai veröffentlichte Linux-Version 3.4 verbessert die Unterstützung für die neuesten Grafikchips von AMD, Intel und Nvidia. Zusammen mit aktuellen Versionen der X.org-Treiber und kleinen Änderungen an Mesa 3D lässt sich mit Kernel 3.4 etwa die 3D-Beschleunigung bei den Prozessoren der AMD-Trinity-Reihe nutzen; die Notebook-Variante dieser mit Grafikkern ausgestatteten CPUs, die als „Serie A“ verkauft wird, hat AMD kürzlich vorgestellt (siehe c’t 12/12, S. 90).

Bei Prozessoren aus Intels Sandy-Bridge-Generation nutzt der neue Kernel nun die Grafikkern-Stromspartechnik RC6 automatisch, was die Akku-Laufzeit von Notebook mit solchen CPUs spürbar verlängert. Neu in Linux 3.4 sind Treiber für Nvidias GTX 680 und die Grafikchips aus AMDs Southern-Islands-Reihe, die auf den Radeon-HD-Karten der Reihen 7700, 7800 und 7900 stecken; Mesa-3D- und X.org-Treiber für diese Grafikchips sind noch in Entwicklung.

Für x86-64-Prozessoren übersetzte Kernel können Programmen jetzt ein x32 genanntes ABI (Application Binary Interface) bieten. Dafür kompilierte Programme haben Zugriff auf die 64-Bit-Register und -Datenpfade des Prozessors, arbeiten aber nur mit 32-Bit-Pointern; grob gesprochen vermeidet das x32-ABI so den Overhead, den ein voller 64-Bit-Betrieb mit sich bringt, bietet aber Zugriff auf einige der wichtigsten Vorteile von 64-Bit-x86-Prozessoren. Das soll vor allem für den Mobil- und Embedded-Bereich interessant sein.

Das weiterhin experimentelle Btrfs-Dateisystem erhielt eine Reihe von Performance-Optimierungen sowie Verbesserungen zur Fehlerbehandlung. Auch der letzte von Microsoft entwickelte Treiber für die Windows-Server-Virtualisierungstechnik Hyper-V konnte nun den Staging-Bereich verlassen, in dem die Treiber zweieinhalb Jahre lagen, weil sie den Qualitätsansprüchen der Kernel-Entwickler nicht genügten.

Das Device-Mapper-Target Dm-Thin kann ab Linux 3.4 ein schreibgeschützt eingehängtes Image mehrfach exportieren und alle auf diesen Export geschriebenen Daten an anderer Stelle sichern – das ist bei Virtualisierung interessant, um das Image einer Betriebssysteminstallation als Basis für mehrere Gastsysteme zu verwenden. Zum SCSI-Subsystem stieß der Treiber Virtio-Scsi, der sich zusammen mit der gleichnamigen Unterstützung in Qemu 1.1 zur Datenträgeremulation eignet, bei der der Datenaustausch zwischen Host und Gast mit möglichst wenig Overhead erfolgt, wie es auch bei Virtio-Blk der Fall ist; Virtio-Scsi soll allerdings flexibler sein und besser skalieren.

Über den Link am Ende des Textes finden Sie Artikel auf heise open, der diese und weitere Neuerungen näher erläutert. Kurz nach der Freigabe von Linux 3.4 nahm Torvalds die ersten √Änderungen für dessen Nachfolger an. Darunter √Änderungen, die Basis-Unterstützung für Hybrid-Grafik in den Kernel-Treibern für Grafikchips von AMD, Intel und Nvidia legt; passende Unterstützung im X-Server von X.org ist in Arbeit. Umbauten an den Logging-Funktionen sollen eine bessere Protokollierung von Kernel-Ereignissen ermöglichen. Integriert wurde auch das für Userspace-Tracing interessante Uprobes; es sind zudem Patches eingeflossen, durch die ein Linux-Rechner (SCSI Target) sich einem anderen System (SCSI Host) per Firewire oder UASP (USB Attached SCSI Protocol) gegenüber als SCSI-Datenträger ausgeben kann; viele Apple-Systeme bieten solch einen „FireWire target disk mode“ schon länger. (thl)

Mandriva setzt auf Mageia – zum Teil

Der französische Linux-Distributor Mandriva will künftig ausgerechnet den Mandriva-Fork Mageia als Basis für seine Server-Distribution verwenden. Dies gab Jean-Manuel Crosset, Chef des Distributors, bei der Vorstellung seiner Zukunftspläne für das Unternehmen bekannt. Mageia wurde im September 2010 als Fork von Mandriva Linux aus der Taufe gehoben, als der Distributor etliche Mandriva-Entwickler entließ, und ist inzwischen laut Distrowatch deutlich beliebter als das Original.

Wie Crosset in seinem Blog-Posting beschreibt, will Mandriva sich künftig direkt an der Entwicklung von Mageia beteiligen und daraus seine kommerzielle Server-Distribution generieren, die bislang noch auf Mandriva Linux basiert. Bei Desktops setzt Mandriva weiter auf das hauseigene Produkt.

Zudem verkündete Crosset, dass Mandriva Linux künftig als Community-Distribution weiterentwickelt würde. Damit legt Mandriva die Verantwortung für die Gestaltung und Weiterentwicklung der Linux-Distribution in die Hände der Entwicklergemeinde, ähnlich wie es Red Hat bei Fedora und Suse bei OpenSuse vorgemacht haben. Die Einladung Mandrivas, sich an der Entwicklung der Community-Distribution zu beteiligen, lehnte das Mageia-Projekt allerdings ab.

Unterdessen schlossen die Mageia-Entwickler die Arbeiten an Mageia 2 ab und veröffentlichten es am 22. Mai. Mageia 2 wird mit dem Linux-Kernel 3.3.6 ausgeliefert, zudem enthält die Distribution Glibc 2.14.1, X-Server 1.11.4 sowie das brandneue PulseAudio 2. Als Desktop-Umgebungen stehen neben KDE 4.8.2 und Gnome 3.4 eine Reihe schlankerer Oberflächen zur Auswahl, darunter Xfce 4.9 und LXDE.

Mageia 2 gibt es als Installations-DVDs einmal für 32-Bit- und für 64-Bit-Systeme sowie als Kombi-CD für beide Prozessorarchitekturen, die allerdings nur ein Minimalsystem mit LXDE enthält. Außerdem bietet das Mageia-Projekt auf seiner Homepage Live-CDs jeweils für 32- und für 64-Bit-Prozessoren an. (mid)

Mehr Besucher auf dem LinuxTag 2012

Das LinuxTag-Team meldet einen Besucherzuwachs von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr: Laut den Veranstaltern kamen gut 12 000 Besucher zwischen dem 23. und 26. Mai zur größten deutschen Open-Source-Messe und -Konferenz nach Berlin. Die Themen reichten von Open Data und politischen Fragen bis zu technischen Details der Kernelentwicklung; Schwerpunkte waren Android, Enterprise Storage und Systemmanagement. Zudem präsentierten sich 41 Unternehmen und 80 freie Projekte.

In einer Podiumsdiskussion setzten sich Netzpolitiker für faire Wettbewerbsbedingungen für Open Source ein. Der Staat könne als großer Nachfrager bei IT-Systemen durchaus Einfluss nehmen, meinte Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag. Laut Stefan Gelbhaar, Internetexperte der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, müsse der Gesetzgeber aktiv werden und beispielsweise dafür sorgen, dass Hardware Open-Source-kompatibel ist. Auch Alexander Morlang von den Berliner Piraten erklärte, dass Druck nötig sei, um Ängste zu überwinden.

Jimmy Schulz, Obmann der FDP-Fraktion in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags, warnte vor einem „religiösen Krieg mit Microsoft“; man dürfe die verschiedenen Geschäftsmodelle von Softwareanbietern nicht gegeneinander ausspielen. Weitere Impulse für mehr Offenheit erhofft sich Schulz aus einer neuen Arbeitsgruppe zu Standards und Interoperabilität der Enquete-Kommission, die Anfang Juni die Arbeit aufnehmen soll. (odi)

Linux Mint 13 mit Langzeit-Support

Knapp einen Monat nach Fertigstellung von Ubuntu 12.04 LTS hat das Linux-Mint-Team die Version 13 (Code-Name Maya) seiner von Ubuntu abgeleiteten Linux-Distribution veröffentlicht. Neu ist der Langzeit-Support, so versprechen die Linux-Mint-Entwickler genau wie Ubuntu-Hersteller Canonical für ihre Distribution fünf Jahre lang Updates. Bei der Gestaltung der Distribution geht das Linux-Mint-Projekt jedoch ganz eigene Wege.

Der auffälligste Unterschied zwischen Ubuntu 12.04 LTS und Linux Mint 13 ist der Desktop. Während Canonical bei Ubuntu auf Unity setzt, gibt es Linux Mint 13 als Cinnamon- und als Mate-Edition. Die Cinnamon-Edition verwendet den von Linux-Mint-Gründer Clement Lefebvre entwickelten Desktop Cinnamon auf Gnome-3-Basis, während bei der Mate-Edition der Gnome-2-Fork Mate Standard ist. Als Suchmaschine ist bei Linux Mint 13 nunmehr Yahoo voreingestellt, dafür erhält das Projekt finanzielle Unterstützung vom Suchmaschinenbetreiber.

Da die Standard-Edition von Linux Mint 13 in beiden Desktop-Varianten diverse Multimedia-Codecs enthält, die in den USA und anderen Ländern rechtliche Probleme aufwerfen können, gibt es auf der Linux-Mint-Projektseite zusätzlich Codec-freie Varianten. Damit lassen sich allerdings die meisten heute üblichen Musik- und Filmformate nicht abspielen; die Linux-Mint-Entwickler haben es den Anwendern aber leicht gemacht, die fehlenden Codecs nachträglich aus dem Internet herunterzuladen. Zudem entwickelt das Linux-Mint-Projekt unter dem Namen Linux Mint Debian Edition eine Variante mit Debian als Unterbau, die aktuelle Version 201204 wurde Ende April veröffentlicht. (thl)

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