Ballast abwerfen

Platz schaffen auf der Windows-7-Partition

Praxis & Tipps | Praxis

Selbst TByte-große Festplatten laufen irgendwann voll, und noch viel schneller passiert das bei einer SSD. Windows braucht aber einige freie GByte auf der Systempartition, um korrekt zu funktionieren. Wenige Handgriffe reichen, um wieder Platz auf der Platte zu schaffen und zu erhalten.

Windows braucht freien Platz auf der System-Partition. Ist nicht genug verfügbar, kann das durchaus dramatische Folgen haben, etwa wenn es keine Sicherheitsupdates oder Service Packs mehr einspielen kann, der Virenscanner keinen Platz mehr für neue Signaturen findet oder das Vergrößern der Auslagerungsdatei scheitert. Möglicherweise laufen dann Programme nicht mehr korrekt oder stürzen gar ab, weil sie keinen Platz mehr zum Anlegen temporärer Dateien finden.

Wie viel Platz genau frei sein sollte, hängt vom Einsatzzweck des PCs ab – beim Bearbeiten von Filmen entstehen größere temporäre Dateien als beim Bearbeiten von Bildern. Üblicherweise genügt aber locker eine kleine zweistellige Anzahl an GByte. Ignorieren Sie also die immer wieder gern kolportierte Faustregel „mindestens 25 Prozent“, denn warum sollte auf einer 4-TByte-Platte ein ganzes TByte frei bleiben, wenn ein Windows-PC auch mit einer 128-GByte-SSD problemlos läuft? Aus dem gleichen Grund ist auch die Faustregel „so viel wie möglich“ Unfug: Zwar ist es durchaus sinnvoll, Windows ordentlich Freiraum zu spendieren (mindestens 100 GByte), denn umso später droht Platzmangel. Stets große Reserven freizuhalten widerspräche jedoch der wesentlichen Bestimmung eines Datenträgers – das wäre wie das Kaufen einer weiteren Platte, nur um sie unangeschlossen neben den PC zu legen. Das Umsetzen der nachfolgenden Tipps schafft üblicherweise mehrere GByte freien Platz auf der System-Partition, was Windows wieder ausreichend Luft zum Atmen gibt. Auf die gleiche Weise können Sie natürlich auch die Datenpartitionen aufräumen.

Solange ausreichend Platz vorhanden ist, können Sie sich Löschaktionen sparen, auch wenn sie selbstverständlich nichts schaden. Doch spätestens wenn Sprechblasen „Wenig Speicherplatz“ erscheinen oder sich das Windows-Update beschwert, ist es Zeit, aufzuräumen. Dabei muss man nicht gleich schweres Gerät auffahren. Oft reicht es schon aus, den Papierkorb zu leeren, den Download-Ordner zu entrümpeln sowie einige dicke Brocken zu löschen, etwa mittlerweile überflüssige Filme, ISO-Abbilder, Setup-Programme oder virtuelle Maschinen.

Meist lohnt es sich, in der Systemsteuerung unter „Programme und Funktionen“ nachzusehen, ob nicht einige der (vor-)installierten Programme weg können; konkrete Tipps dazu finden Sie im nachfolgenden Artikel. Wer Spiele auf der Platte hat, sollte auch darauf einen prüfenden Blick werfen, denn die belegen heutzutage gern mal mehrere GByte. Falls Sie damit schon durch sind und Windows immer noch meckert, kommen Sie kaum um eine gründlichere Entrümplung herum.

Selbst ist das Windows

Spätestens nach dem Erscheinen der „Wenig Speicherplatz“-Sprechblase sollten Sie aufräumen, denn sonst versucht sich Windows selbst daran. Am harmlosesten ist dabei, dass es, sofern es eine geeignete zusätzliche Partition findet, beim nächsten Neustart die Auslagerungsdatei Pagefile.sys dorthin verlegt. Wie viel Platz das schafft, hängt vom Arbeitsspeicher ab.

Windows schreckt bei Platzmangel nicht davor zurück, den Ruhezustand zu deaktivieren. Während des Ruhezustands lagert der gesamte Inhalt des Arbeitsspeichers in der Datei C:\Hiberfil.sys, deren Größe ebenfalls von der Größe des Arbeitsspeichers abhängt. Beim Deaktivieren des Ruhezustands wird die Datei gelöscht.

Des Weiteren nimmt sich Windows die Systemwiederherstellung vor: Solange weniger als 500 MByte frei sind, löscht es den jeweils ältesten Systemwiederherstellungspunkt. Schlimmstenfalls gehen so sämtliche Punkte verloren und Sie stehen im Ernstfall ohne diesen Reparaturmechanismus da. Unabhängig davon, ob das Löschen hinreichend Platz geschaffen hat, versucht Windows anschließend einen neuen Punkt zu erstellen – je weniger frei ist, desto wahrscheinlicher scheitert der Versuch. Doch selbst wenn er gelingt: Ziemlich sicher lässt sich der Wiederherstellungspunkt mangels Platz bei Bedarf nicht wiederherstellen.

Bordmittel

Räumen Sie also lieber rechtzeitig eigenhändig auf. Die Datenträgerbereinigung hilft dabei. Tippen Sie entweder „datent“ ins Suchfeld des Startmenüs oder öffnen Sie im Explorer per Rechtsklick auf ein Laufwerk den Eigenschaften-Dialog und klicken auf „Bereinigen“. Die Datenträgerbereinigung startet zunächst eine kurze Prüfung und zeigt das Ergebnis als Liste an. Wenn Sie einen Punkt markieren, erscheint unten eine kurze Erklärung dazu; manchmal lassen sich die zu löschenden Dateien sogar anzeigen. Die Funktion löscht nur Dateien, die in Ordnern Ihres Benutzerkontos liegen und die sie für verzichtbar hält, etwa den Inhalt von Temp-Ordnern oder den Browsercache des Internet Explorer. Nachdem Sie durch Setzen der Häkchen Ihre Wahl getroffen haben, räumt ein Klick auf „OK“ den Speicherplatz frei.

Gründlicher ist das Putzmittel, wenn Sie unten auf „Systemdateien bereinigen“ klicken, denn dann leert die Funktion nicht nur Ordner, die zu Ihrem Benutzerkonto gehören, sondern auch einige Systemordner. Dabei sollten Sie aber die Beschreibungen beachten, denn hier können Sie auch Häkchen vor Daten setzen, die zum Deinstallieren von Service Packs oder (bei Upgrade-Installationen) der aktuellen Windows-Version erforderlich sind – wenn die weg sind, gibt es keinen Weg mehr zurück.

Wenn Sie die Datenträgerbereinigung gern öfter laufen lassen wollen, können Sie sie automatisieren. Erstellen Sie dazu zuerst einen Regelsatz, was genau gereinigt werden soll, indem Sie ins Suchfeld des Startmenüs den Befehl

Cleanmgr /sageset:1

eingeben. Es startet wieder die Datenträgerbereinigung. Klicken Sie auf „Systemdateien bereinigen“ und setzen vor sämtlichen Punkten ein Häkchen. Dabei bekommen Sie üblicherweise auch zu löschende Dateien vorgeschlagen, die auf Ihrem Rechner gar nicht vorhanden sind – hier wird einfach alles angeboten, was das Programm beherrscht. Nach einem Klick auf „OK“ beendet sich das Programm wieder, ohne dass etwas gelöscht wurde – stattdessen hat es einen Regelsatz für die Reinigung erstellt, in diesem Fall trägt er die Nummer 1, wie oben angegeben. Sie können weitere mit höheren Nummern festlegen (bis 65535).

Zum Starten einer Reinigung mit Regelsatz 1 dient der Befehl

Cleanmgr /sagerun:1

Damit läuft die Datenträgerbereinigung ohne weitere Nachfrage los und reinigt alle Laufwerke. Zum Automatisieren können Sie den Befehl beispielsweise in eine Batch-Datei schreiben und diese im Autostart-Ordner hinterlegen.

Brockenfinder

Wenn die Datenträgerbereinigung nicht genug Platz frei räumt, greift man zum nächsten Bordmittel, dem Explorer. Mit dem können Sie zuerst den Inhalt zweier Temp-Ordner löschen, die die Datenträgerbereinigung nicht leert: C:\Windows\Temp sowie C:\Users\<Kontoname>\AppData\Local\Temp. Auf den erstgenannten Ordner haben Sie normalerweise keinen Zugriff, die Benutzerkontensteuerung räumt Ihnen die nötigen Rechte aber direkt nach dem Abnicken der Sind-Sie-sicher-Nachfrage ein.

Der zweite Ordner ist versteckt. Um ihn zu sehen, müssen Sie den Explorer umstellen: Stellen Sie ihn unter Extras/Ordneroptionen/Ansicht so ein, dass er die „Geschützten Systemdateien“ nicht mehr ausblendet. Bei der Gelegenheit weisen Sie ihn auch an, „Erweiterungen bei bekannten Dateitypen“ nicht mehr zu verstecken sowie „Ausgeblendete Dateien“ anzuzeigen, das ist wichtig für den nächsten Schritt.

Klicken Sie nun oben rechts in das kleine Suchfeld des Explorers, dann darunter auf „Größe“ und tippen dann ins Suchfeld hinter „Größe:“, getrennt durch ein Leerzeichen, „>50 m“ ein. Daraufhin sucht er im gerade aktuellen Laufwerk oder Ordner nach allen Dateien, die größer als 50 MByte sind. Das kann etwas dauern. Sie können auch nach anderen Werten suchen, doch kleinere lohnen nicht: Sie bekommen sonst viel zu viele Treffer, von denen der allergrößte Teil die nähere Betrachtung schlicht nicht lohnt (Sie würden sich bloß minimalen Platzgewinn durch maximalen Zeitaufwand erkaufen).

Für eine bessere Übersicht stellen Sie die Ansicht der Suchergebnisse über die Schaltfläche unter dem Suchfeld um auf „Details“. Durch einen Klick auf den Spaltenkopf „Größe“ sortieren Sie die Dateien. Eine Warnung vorab: Bei einigen der ermittelten Dateien werden Sie nicht herausfinden, wofür sie gut sind, also bloß nicht löschen, sonst drohen womöglich Probleme. Das gilt erst recht für alles, was unterhalb von C:\Windows liegt.

Doch keine Bange, bei überraschend vielen Dateien gelingt das Identifizieren leicht. Oft verrät schon ein Blick auf den Namen längst vergessene Überbleibsel aus früheren Tagen – prima, weg damit. Andere Dateien verfügen über sprechende Namen, etwa die gern mal mehrere Hundert MByte große Dropbox.exe.log, bei der es sich eben um die Log-Datei des Cloud-Speicher-Dienstes handelt und die Sie einfach löschen können.

Andere Dateien lassen sich über den Namen in der Spalte „Ordner“ einer Anwendung zuordnen. Wenn beispielsweise eine knapp 60 MByte große Datei namens „Linux.iso“ im Ordner „C:\Program Files (x86)\VMware\VMware Workstation“ liegt, lässt das schon erahnen, dass es sich hier wohl nicht um eine heruntergeladene Distribution handelt, sondern um die zu VMware gehörenden Tools für Linux, also Finger weg davon. Unsicherheiten lassen sich meist schnell beseitigen, wenn man Name und Pfad kurzerhand an die Suchmaschine des Vertrauens verfüttert. Wenn Sie dabei feststellen, dass sie eine Anwendung nicht mehr brauchen, sollten Sie nicht einfach deren Dateien löschen, sondern sie in der Systemsteuerung unter „Programme und Funktionen“ deinstallieren. Handelt es sich hingegen um Überbleibsel längst deinstallierter Programme, können die Dateien einfach weg.

Zwei der größten so ermittelten Dateien finden sich auf ziemlich jedem Windows-PC: die bereits erwähnte Auslagerungsdatei Pagefile.sys sowie die Ruhezustandsdatei Hiberfil.sys. Bei der Pagefile.sys können Sie Größe und Lage beeinflussen. Weisen Sie Windows einfach an, sie auf einer anderen Partition zu erstellen. Auf der Windows-Partition ist sie dann im Prinzip überflüssig, doch sollten Sie sie dort nicht komplett deaktivieren. Belassen Sie eine kleine 200-MByte-Auslagerungsdatei auf der Systempartition, sonst kann Windows bei Bluescreens keine Informationen dazu mehr speichern.

Öffnen Sie mit der Tastenkombination Windows+Pause die Systemsteuerung/System und klicken links auf „Erweiterte Systemeinstellungen“. Über die Schaltfläche „Einstellungen“ unter „Leistung – Visuelle Effekte, …“ gelangen Sie in den nächsten Dialog. Im Reiter „Erweitert“ klicken Sie auf „Ändern“. Entfernen Sie das Häkchen vor „Auslagerungsdateigröße für alle Laufwerke automatisch verwalten“. Das Laufwerk C: ist nun markiert. Wählen Sie unten „Benutzerdefinierte Größe“ und tragen Sie sowohl als Anfangs- als auch als maximale Größe „200“ ein. Klicken Sie anschließend unbedingt auf „Festlegen“, sonst verwirft Windows die Änderungen wieder. Nun noch die neue Heimat für die Auslagerungsdatei markieren, unten auf „Größe wird vom System verwaltet“ und danach auf „Festlegen“ klicken, fertig.

Auf Wunsch können Sie auch hier eine neue Größe festlegen, doch seien Sie dabei nicht allzu forsch. Auf keinen Fall sollten Sie ganz auf eine Auslagerungsdatei verzichten, denn das kann unter Umständen seltsame Phänomene nach sich ziehen. Wie groß die Datei mindestens sein sollte, lässt sich leider nicht einfach beantworten. Microsoft windet sich (im Knowledge-Base-Artikel 2160852, zu finden unter http://support.microsoft.com) selbst um eine klare Aussage herum: Das Anderthalbfache des Arbeitsspeichers sei ein guter Ausgangswert, auf Rechnern mit viel RAM mag deutlich weniger ausreichend sein. Nach unseren Erfahrungen kommen auch Windows-Rechner mit wenig Speicher je nach Verwendungszweck oft mit einer kleineren Auslagerungsdatei aus, mitunter reicht schon ein halbes GByte. Notfalls kann man die Datei beim Auftreten von angeblichen Speicher-Problemen mit wenigen Mausklicks wieder vergrößern.

Die Ruhezustandsdatei Hiberfil.sys lässt sich nach unserem Kenntnisstand nicht verschieben. Sie können Sie komplett entfernen, müssen dann aber auf den Ruhezustand verzichten. Dazu brauchen Sie eine Eingabeaufforderung, die Sie per Rechtsklick „Als Administrator ausführen“. Tippen Sie darin den Befehl

powercfg -h off

ein. Windows deaktiviert daraufhin den Ruhezustand und löscht die Hiberfil.sys. Um den Ruhezustand bei Bedarf wieder einzuschalten, ersetzen Sie bei dem Befehl das off durch ein on.

Abzuraten ist vom Verkleinern der Datei, denn wenn die Ruhezustandsdatei nicht groß genug ist, um den kompletten Inhalt des Arbeitsspeichers aufzunehmen, stürzt Windows ab.

Mehr Brocken

Wahrscheinlich stoßen Sie auf weitere große Dateien, beispielsweise auf eine, deren Name mit einer seltsamen Ziffern- und Buchstabenfolge beginnt und auf „_blobs.bin“ endet. Sie liegt unterhalb des Ordners C:\Windows\winsxs und dient als Cache für verschiedene Operationen des Windows-Updates. Die Größe schwankt zwischen wenigen MByte und vielen GByte, was laut Microsofts Senior Support Escalation Engineer Joseph Conway durchaus normal ist (siehe c’t-Link). Sie können die Datei gefahrlos löschen. Windows baut sie dann wieder neu auf, nur eben kleiner. Das Löschen gelingt allerdings nicht sofort, denn unter Windows 7 fehlen Ihnen selbst dann die nötigen Zugriffsrechte, wenn Ihr Benutzerkonto in der Gruppe der Administratoren steckt. Am einfachsten lösen Sie das Problem wieder in einer Eingabeaufforderung mit Administratorrechten und folgenden Befehlen:

takeown /f c:\windows\winsxs\manifestcache\*
icacls c:\windows\winsxs\manifestcache\* ⤦
 /grant administratoren:f
del c:\windows\winsxs\manifestcache\*

Mit dem ersten Befehl übernehmen Sie den Besitz über die Datei, mit dem zweiten gewähren Sie sich Vollzugriff und mit dem dritten löschen Sie die Datei.

Lauter Zwischenspeicher

In vielen Fällen stoßen Sie auf weitere Brocken mit nichtssagenden Namen wie 1c072399.msp, 4f88e.msi oder 465334.msp, die im Ordner C:\Windows\Installer liegen. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Cache, und zwar, wie der Name schon andeutet, um den des „Windows Installer“. Er füllt ihn bei der Installation von Programmen und beim Einspielen von Updates mit Kopien der Setup-Pakete. Die Kopien erlauben es, künftige Updates klein zu halten, denn so braucht der Installer nur jene Teile herunterzuladen, die sich geändert haben. Daher sollten Sie den Inhalt des Ordners nicht einfach löschen, er wird noch gebraucht.

Windows fragt allerdings üblicherweise nach, wenn in diesem Cache etwas fehlt. Daher können Sie, nachdem Sie sicher gestellt haben, dass momentan keine Updates einzuspielen sind, die Dateien auf ein anderes Laufwerk verschieben. Auf das verweisen Sie später bei eventuellen Nachfragen. Wirklich empfehlenswert ist das aber nicht, allein schon, weil man ja erfahrungsgemäß dazu neigt, im entscheidenden Moment der Nachfrage die Verschiebeaktion längst vergessen zu haben und sich dann über die Meldung wundert. Wenn überhaupt, sollten Sie also nur große Brocken auslagern, die laut den Details nicht zu Windows selbst gehören, etwa die Installationspakete von Office-Suiten oder ähnlichem.

Eine weitere große Datei, die auf vielen Windows-7-Rechnern herumlungert, heißt netfx_core.mzz und liegt in C:\Windows\Microsoft.NET\Framework\v4.0.30319\SetupCache (oder statt in Framework in Framework64). Die Datei wird für künftige Updates des .NET-Frameworks benötigt, bitte keinesfalls löschen.

Noch ein Klotz: In der CurrentDatabase_372.wmdb speichert der Windows Media Player seine Medienbibliothek. Wer darauf verzichten kann, löscht sie einfach, der Media Player legt dann eine neue, kleinere an. Unter Umständen müssen Sie vor dem Löschen jedoch vorübergehend einen Dienst deaktivieren: Tippen Sie „Dienste“ ins Suchfeld des Startmenüs und bestätigen Sie mit Enter. Die sich öffnende Liste enthält relativ weit unten den „Windows Media Player-Netzwerkfreigabedienst“. Beenden Sie ihn via Kontextmenü, löschen Sie die Datei und starten Sie den Dienst wieder.

Die Fernseh-Einstellungen des Media Center finden Sie unter C:\ProgramData\Microsoft\eHome, die Datei heißt mcepg2-0.db. Weil hierin auch die Daten des Programmführers gespeichert werden, neigt auch sie zum Wachsen. Um sie zu löschen, darf das Media Center nicht laufen, eventuell müssen Sie auch zeitweise den Windows Media Center-Empfängerdienst sowie den Windows Media Center-Planerdienst beenden. Anschließend müssen allerdings die Sender neu eingestellt werden.

Kleinvieh-Sammlungen

Der Explorer stöbert zwar große Dateien auf, aber keine Ordner, die vor lauter kleinen Dateien überquellen. Dabei hilft Freeware wie „WinDirStat portable“, zum Beispiel erhältlich im Software-Verzeichnis auf heise online unter Download (siehe c’t-Link). Die angebotene Datei mit der Endung .paf.exe sieht zwar aus wie ein waschechtes Setup-Programm, doch letztlich handelt es sich bloß um ein selbstentpackendes Archiv. Der vorgeschlagene Pfad lässt sich auf Festplatten nicht einfach übernehmen, wählen Sie einen beliebigen neuen aus.

Das Programm untersucht wahlweise ein oder alle Laufwerke. Das Ergebnis präsentiert es in zwei Formen: Oben als Baumansicht, sortiert nach den Ordnern mit dem höchsten Füllstand und unten als Grafik, bei der Dateien als umso größere Klötze dargestellt werden, je mehr Platz sie belegen. Im Prinzip gilt hier wieder das Gleiche wie für die im Explorer gefundenen Dateien: Was im Windows-Ordner liegt, sollte tabu sein, sofern Sie nicht genau wissen, worum es sich dabei handelt. Beim Rest müssen Sie selbst entscheiden, notfalls wieder mit Unterstützung einer Webrecherche.

Ominöser Ordner

WinDirStat entlarvt üblicherweise den Ordner C:\Windows\winsxs als den mit weitem Abstand größten. Widerstehen Sie bitte dem „Kenn ich nicht, brauch ich nicht, weg damit“-Drang, denn erstens ist der Ordner außerordentlich wichtig und zweitens sieht das mit der Größe weit schlimmer aus, als es in Wirklichkeit ist.

Im Ordner winsxs stecken sämtliche Dateien, die Windows benötigt. Sollten welche per Update, Hotfix oder Service Pack auf einen neuen Stand gebracht worden sein, blieben hier auch die alten Versionen erhalten – deswegen wächst der Ordner im Laufe der Zeit. Aufbewahrt werden sie vor allem für künftige Aktualisierungen, doch so manche Anwendung und auch Windows selbst braucht einiges davon im laufenden Betrieb. Den Ordner zu löschen hat daher drastische Folgen: Windows erleidet einen Totalschaden. Auf einem Testrechner reichte es beim ersten Neustart nur noch für einen Bluescreen, beim zweiten schaffte Windows nicht mal mehr das, sondern fror direkt nach dem Start komplett ein.

Dass man den Ordner nicht einfach komplett löschen kann, ist letztlich aber nicht dramatisch. Den Grund erkennt man, wenn man auf der Platte beispielsweise nach dem Taschenrechner calc.exe sucht. Man findet ihn dann sowohl unter C:\Windows\System32 als auch unter c:\Windows\winsxs\amd64_microsoft-windows-calc_31bf3856ad364e35_6.1.7600.16385_none_05b2f2e2346cfea4. In Wirklichkeit liegt die Datei aber trotzdem nur einmal auf der Platte. Denn was die Suche da gefunden hat, sind lediglich zwei Verzeichniseinträge im Dateisystem („Hardlinks“), die beide auf die gleiche Datei verweisen. Wer es mit eigenen Augen sehen will: Das kostenlose Kommandozeilenprogrämmchen Findlinks.exe von Sysinternals zeigt es.

Wenn Sie versuchen würden, calc.exe aus dem Unterordner von winsxs zu löschen, würde das keinen freien Platz schaffen, denn Windows löscht dann bloß den Verzeichniseintrag, nicht aber die Datei – die würde erst von der Platte verschwinden, wenn sie den letzten darauf zeigenden Verzeichniseintrag gelöscht haben. Und diese Mehrfach-Verlinkung gilt für die meisten Dateien im Ordner winsxs.

Platz können Sie im winsxs-Ordner nur auf zwei Wegen gewinnen, doch die haben Sie schon durch: durch die Datenträgerbereinigung sowie durch das Löschen der blobs.bin.

Weichwarenverteilung

Sparpotenzial birgt ein anderer Ordner unter C:\Windows: „SoftwareDistribution“. Dorthin lädt Windows seine Aktualisierungen, und dabei bleiben mitunter Hunderte von MByte übrig, die allesamt weg können. Zum Löschen müssen Sie wieder Dienste vorübergehend deaktivieren, in diesem Fall „Windows Update“ sowie „Intelligenter Hintergrundübertragungsdienst“.

Weil die Gefahr sehr groß ist, versehentlich etwas zu demolieren, sollten Sie die weiteren Ordner unter C:\Windows ungeachtet der jeweiligen Größe ignorieren, sofern Sie nicht genau wissen, womit Sie es jeweils zu tun haben – und zwar bezogen auf Windows 7. Denn so manch altes Wissen gilt hier nicht mehr. So konnte man unter Windows XP noch den „Driver Cache“ löschen, weil es sich bei Bedarf die nötigen Treiber von der Setup-CD holte [1]. Unter Windows 7 klappt das nicht mehr: Falls Sie hier den Ordner C:\Windows\System32\DriverStore löschen, endet anschließend die Installation neuer Hardware grundsätzlich mit einer Fehlermeldung – selbst bei Trivialitäten wie USB-Sticks und sogar dann, wenn andere Geräte gleichen Typs bereits installiert sind.

Außerhalb des Windows-Ordners existiert noch ein Ordner mit Sparpotenzial: C:\Users\<Kontoname>\AppData\Local\Microsoft\Windows\Burn. Alles, was hier drin liegt, will Windows auf DVD (oder CD) brennen. Der Ordner füllt sich nicht nur, wenn Sie Dateien per Rechtsklick/Senden an/DVD-RW-Laufwerk schicken, sondern auch gern mal beim Kopieren von Daten via Drag & Drop, wenn man sie versehentlich auf das optische Laufwerk fallen lässt. Den Inhalt des Ordners können Sie komplett löschen.

Sonst noch

Einige wenige Handgriffe bleiben noch übrig. So können Sie beispielsweise versuchen, in der Systemsteuerung unter „Programme und Funktionen“ überflüssige Windows-Komponenten zu deaktivieren, doch wirklich viel bringt das nicht, weil es meist nur Hardlinks entfernt.

Falls noch ein zweites Laufwerk im PC steckt, haben Sie mehr Spielraum zum Platzschaffen: Beispielsweise können Sie Anwendungen von C: deinstallieren und dann auf dem anderen Laufwerk neu installieren. Oder Sie verschieben Systemordner auf ein anderes Laufwerk. Bei den für die Daten des Benutzers vorgesehenen Ordnern wie „Downloads“, „Eigene Dokumente“ oder „Eigene Videos“ bietet Windows dafür sogar passende Schalter, die Sie in den Eigenschaften der Ordner unter „Pfad“ erreichen (mehr dazu in [2]). Übertreiben sollte man es beim Umbiegen von Systemordnern aber nicht, vor allem nicht beim Einsatz einer SSD. Denn je mehr man auf herkömmliche Laufwerke umbiegt, umso mehr beraubt man sich selbst des größten Vorteils der SSD, nämlich deren Geschwindigkeit. Hier kommt man unter Umständen um ein paar Experimente nicht herum.

Auch die oben bereits angesprochene Systemwiederherstellung sollten Sie möglichst nicht deaktivieren, und zwar nicht nur, weil sie bei Problemen das entscheidende Rettungsnetz darstellen kann, sondern auch, weil sie die Platte ohnehin nicht vollmüllt. Sie belegt maximal ein paar Prozent des Plattenplatzes. Wie viel genau, können Sie in der Systemsteuerung unter System nachsehen: Klicken Sie oben links auf „Computerschutz“ und dann unten auf „Konfigurieren“; üblicherweise sind dort nur wenige Prozent des Plattenplatzes reserviert (wenn das nicht ausreicht, verwirft Windows den jeweils ältesten Wiederherstellungspunkt). Falls sie trotzdem partout wollen, können Sie den Platz hier weiter reduzieren, empfehlenswert ist das aber nicht.

Wenn Sie so weit alle Tipps umgesetzt haben und auf der Platte immer noch Platzmangel herrscht, sollten Sie ernsthaft den Umstieg auf eine größere in Erwägung ziehen. Denn viel mehr lässt sich sinnvoll kaum rausholen. Das Komprimieren der Systempartition ist jedenfalls keine gute Idee, gerade beim Einsatz einer SSD, die man ja üblicherweise aus Geschwindigkeitsgründen verwendet. Schließlich müsste anschließend jede Datei bei jedem Schreib- und Lese-Vorgang erneut durch den Kompressor, was den PC ausbremsen kann. Zudem komprimieren SSDs mit dem weitverbreiteten Sandforce-Controller ohnehin selbst. Wenn man so einem Laufwerk schon vorkomprimierte Daten serviert, die sich kaum noch weiter schrumpfen lassen, würde das vor allem beim Schreiben spürbar bremsen [3].

Sie könnten nun noch stundenlang an Kleinkram rumdoktern, doch bringt das keinen nennenswerten Platz mehr, sondern bloß Probleme, wenn Sie dabei versehentlich mal was Falsches erwischen. Lassen Sie also die Finger von den diversen Readme.txt oder Logo.png, es lohnt schlicht nicht. Erst recht können Sie sich jegliche Platzsparmaßnahmen an der Registry sparen, auch wenn immer wieder irgendwo zu lesen ist, dass das etwas nützen würde. Denn selbst wenn hier etwas Überflüssiges drinsteckt, geht es doch bestenfalls um ein paar mickrige KByte. (axv)

Literatur
  1. [1] Axel Vahldiek, Kleinquetschen, Mehr freier Plattenplatz auf XP-Netbooks, c’t 18/08, S. 95
  2. [2] Axel Vahldiek, In getrennten Betten, Persönliche Dateien von Windows 7 trennen, c’t 5/10, S. 168
  3. [3] Boi Feddern, Grenzgänger, Noch schnellere und zuverlässigere SSDs mit SATA-II- und SATA-6G-Schnittstelle, c’t 26/11, S. 102

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