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NASA-Rover landet auf dem Mars

Es waren Horrorminuten wie aus Hollywood: Am 6. August um 7:10 Uhr rast die NASA-Kapsel Mars Science Laboratory (MSL) mit über 21 000 Kilometern pro Stunde in die Ausläufer der dünnen Atmosphäre des roten Planeten. Sie soll den Rover Curiosity (Neugier) absetzen, das bislang größte Erkundungsfahrzeug.

Um 7:14 öffnet sich ein Fallschirm mit einem Durchmesser von 16 Metern. 1600 Meter über Grund wird er abgesprengt, acht Bremsraketen übernehmen. Sobald sie den Fall auf 0,75 Meter pro Sekunde verlangsamt haben, wird der Rover an Seilen heruntergelassen. Niemand kann eingreifen, jedes Steuerkommando wäre 14 Minuten unterwegs.

Um 7:32 bricht im Kontrollraum bei Los Angeles Jubel aus: Pieps-Signale melden die erfolgreiche Landung im Gale-Krater. Allein das ist ein großer Erfolg, bislang glückten weniger als die Hälfte von rund 40 Mars-Missionen und nur wenige Landungen.

Der Rover wiegt knapp eine Tonne und ist drei Meter lang, also um ein Vielfaches größer als seine Vorgänger Opportunity und Spirit. Als Energiequelle dient ein Radioisotopengenerator, der mit Plutonium 238 läuft und Lithium-Ionen-Akkus speist.

Curiosity bricht voraussichtlich Anfang September zu seiner ersten Fahrt auf und soll sich hauptsächlich autonom bewegen und dabei seinen zahlreichen Analyse-Apparaten Bodenproben zuführen.

Das auf dem Rover montierte Labor umfasst unter anderem ein Gerät, das Neutronen in den Boden schießt und dadurch Wasserstoffatome in bis zu 50 Zentimetern Tiefe aufspüren soll. Ein Laser kann Gestein in bis zu sieben Metern Entfernung so stark erhitzen, dass sich Plasma bildet. Ein Spektrometer analysiert das entstehende Licht und soll daraus auf die Zusammensetzung des Gesteins schließen.

Mit der Mission möchte die NASA untersuchen, ob der Mars jemals günstige Bedingungen für Lebewesen bot. Während des Raumflugs wurden außerdem Strahlenwerte erhoben, die für die Vorbereitung von bemannten Marsflügen wertvoll sind.

(Daniel AJ Sokolov/cwo)

Erstes Software-Lebewesen

Einer Gruppe von Forschern der Universität Stanford ist es gelungen, ein komplettes Lebewesen am Computer nachzubilden: Sie haben das Bakterium Mycoplasma Genitalium in allen Einzelheiten simuliert, berichten sie im Fachblatt Cell. Ihr Programm berücksichtigt alle bekannten Funktionen der 525 Gene des Einzellers und bildet ihn auf molekularer Ebene ab – inklusive Stoffwechsel, Proteinsynthese und DNA-Replikation.

Das Ausschalten einzelner Gene im Programm habe zu den gleichen Effekten geführt wie beim Bakterium selbst, erklärten die Forscher. Mehrere hundert Mal haben sie seinen Lebenszyklus durchgespielt. Die Zellteilung produzierte ein halbes Gigabyte Daten und dauerte auf einem Linux-Cluster mit 128 Rechenkernen rund zehn Stunden, ungefähr so lang wie beim echten Bakterium.

Die Forscher wollen nun komplexere Organismen nachbauen und peilen als nächsten Meilenstein das Bakterium E. coli mit über 4000 Genen an. Das könnten sie „in einigen Jahren“ schaffen, schätzen sie. (cwo)

Größere Gewissheit über Higgs-Boson

Die Forscher am Genfer Kernforschungszentrum CERN haben ihre Forschungsberichte über die Suche nach dem Higgs-Boson bei der Zeitschrift Physics Letters B eingereicht. Die Wissenschaftler am Atlas-Teilchendetektor erhöhten ihre Angabe zur Signifikanz ihrer bereits Anfang Juli vorgestellten Ergebnisse auf 5,9 Sigma.

Das CERN kommentierte: „Dieser Wert entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 550 Millionen dafür, dass das gemessene Ergebnis ohne das Higgs-Boson hätte zustande kommen können.“ Anfang Juli hatten die Forscher noch 5 Sigma angegeben (c’t 16/12, S. 50).

Die Forscher des zweiten beteiligten Detektors, CMS, geben in ihrem Bericht weiterhin 5 Sigma an. Physiker nutzen die Sigma-Skala zur Beschreibung von Gewissheiten: 1 Sigma kann durch Zufall zustande kommen, 3 Sigma gelten als Beleg und 5 Sigma als Entdeckung. (mho)

Forschungs-Notizen

Forscher der Pariser Curie-Universität haben ein System vorgestellt, das Augenbewegungen in Handschrift übersetzt. Eine optische Täuschung auf einem Display bringt den Probanden dazu, seine Augen ruhig zu führen; eine Kamera zeichnet die Bewegungen auf.

Microsoft arbeitet an einem digitalen Stift, mit dem man sämtliche Displays bedienen kann, nicht nur Touchscreens: Er ermittelt seine Position mit Hilfe einer winzigen Kamera, die einzelne Pixel erkennt. Eine Software berechnet daraus Position und Winkel des Stifts.

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