Touch me, Baby

@ctmagazin | Editorial

Da sind sie nun: die ersten Geräte mit Windows 8 und Touch-fähigem Monitor. Ich bin meiner Ressort-Leiterin dankbar, dass sie mir das Notebook gab und einfach nur sagte: "Schau dir das mal an." Ich hatte ja keine Ahnung und habe es wie ein normales Notebook bedient. Bei der Karten-App fing ich an nachzudenken: "Augenblick ..."

Nach kurzem Zögern wanderte der Finger in Richtung Monitor, und was dann folgte, hätte man wie im Film "2001 - Odyssee im Weltraum" mit "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss unterlegen können. Ich fühlte mich wie der erste Primat, der auf die Idee kommt, Knochen mit Knochen zu zerkloppen. Der kindliche Spieltrieb war geweckt und ließ sich nicht wieder vertreiben.

Zurück in die Post-Moderne und zur Karten-App. Statt am Mausrad zu drehen und mit dem Zeiger auf Weltreise zu gehen, pincht und zoomt man sich mit zwei Handgriffen auf der Karte an die richtige Position - wie auf dem Smartphone. Früher: links, links, links, hoch, hoch, runter, größer, größer, größer. Jetzt: schwupp, schwupp. Keine müden Arme, nur Freude darüber, dass man endlich alles anfassen darf. Der Windows-PC kommt im 21. Jahrhundert an.

Ich öffne Word 15 und verfasse erst mal meinen Minority Report. Viele Schaltflächen in Word und Co. sind für Wurstfinger zu klein, aber Office-Anwendungen und den Windows Explorer nach zwei Dekaden endlich mit den Fingern anfassen zu können, kommt dem Gefühl gleich, das Indiana Jones beim Grabplündern oder der Meisterdieb beim Raub des Riesendiamanten "Pink Panther" gespürt haben muss. Die Lichtschranke ist aus, die Glasplatte weg, der Schatz zum Greifen nahe.

Die Grenze zwischen Smartphone, Tablet und Desktop-PC verschwimmt - abgesehen von der Telefonfunktion vielleicht, aber wer telefoniert schon mit dem Smartphone? Seit dessen Durchbruch wirkt die Bedienung des PC per Tastatur und Maus wie ein Relikt aus den 90ern. Was die Hand mit der Maus tut, ist entkoppelt vom dem, was das Auge sieht. Unglaublich, dass das noch die Art und Weise sein sollte, mit der man im Büroalltag täglich arbeitet. So funktioniert ein Klavier, und das wurde vor 300 Jahren entwickelt.

Das Faszinierende am Betatschen liegt in der unmittelbaren Handlung, die raketenartig in Fleisch und Blut übergeht. Touch-Screens im PC sind die folgerichtige Weiterentwicklung. Die Art und Weise, wie sie die Arbeit verändern, ist dennoch spektakulär, durch und durch intuitiv. Hunde und Katzen können nun Windows-Notebooks bedienen.

So scheint es zumindest beim ersten Anfassen einer Windows-Oberfläche. Noch hakt es an vielen Ecken: Nicht alle Gesten sind intuitiv erlernbar, Geräteklassen für die Praxis müssen sich erst herausbilden, Windows 8 selbst wirkt noch unfertig. Details dazu lesen sie ab Seite 82. Aber der Eindruck bleibt: Ganz normale Windows-Anwendungen anfassen zu können, das ist sexy.

André Kramer André Kramer

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