Libelle

@ctmagazin | Story

KI-Ingenieur Mark Ulm erwachte rot lackiert in einem Albtraum aus Roboterteilen, mit dem Geschmack von Öko-Wandfarbe auf der Zunge. Er setzte sich auf und entzog dem beinlosen koreanischen Turner seinen Fuß. Den Slipper behielt der Sportler in den Fingern und lackierte ihn mit schnellen Sprühstößen matt bordeaux, woraufhin er „Ich danke für Ihre Geduld“ säuselte und zusammensackte. Die Servicelampe hinter seinem Ohr blinkte. Totalschaden. Mark erhob sich, mit einem schmatzenden Geräusch löste sich seine Hose aus der Farbe. Neben der Küchentür lag ein weißer Kokon, vor dem seine Libelle kauerte. Ein Schauder ergriff ihn.

Drei Wochen zuvor war Marks Welt noch in Ordnung gewesen und sein Haus noch sein Eigen – dank der Libelle, einem Liau-Edison-Rettungssanitätsmodell, mit wundervoll schlanker Silhouette und Fingern schnell wie Libellenflügel. Die Libelle war flink und präzise und sie gehorchte nur ihm, denn jedes System benötigte einen dominanten ordnenden Faktor. Ein Haus brauchte einen Herrn, und bei ihm zu Hause war er das, auch wenn seine Frau Ellen das anders sah. Sie beanspruchte die Verfügungsgewalt über das immobile Besitztum und dessen Einrichtung als Kompensation für die Eintönigkeit ihres Lebens. Sie nannte ihn Plage und Despot. Dabei war sie es, die versuchte, ein perfektes System zu ändern. ...

Sie möchten wissen, wie es weitergeht?

Als c't-Plus-Abonnent gratis lesen

Anmelden als c't-Plus-Abonnent

Anzeige
Anzeige