Neues von der Google I/O

Android auf der Entwicklermesse: Updates ohne Update

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Der große Kracher blieb aus, aber Google veranstaltete eine trotz drei Stunden Länge kurzweilige Pressekonferenz mit Dutzenden Neuerungen. Auch Android profitiert, obwohl es keine neue Version gab.

Endlich haben wir unser Exemplar der Datenbrille Google Glass bekommen, dem wir direkt einen langen Artikel ab Seite 62 gewidmet haben. Android-Chef Sundar Pichai nannte einige Erfolgszahlen, so habe sich die Zahl der aktivierten Geräte seit der vorigen Google I/O von 400 auf 900 Millionen Geräte erhöht, hauptsächlich Smartphones, aber auch Tablets und Kameras. Es seien mittlerweile 48 Milliarden Apps heruntergeladen worden, derzeit 2,5 Milliarden pro Monat.

Doch neue Nexus-Geräte zeigte er nicht und auch die erwartete Vorstellung der nächsten Android-Version blieb aus. Stattdessen verbesserte Google Android auf andere Weise: Die Dienste und Apps bekommen Updates, sodass jedes Gerät sofort ohne komplettes Betriebssystem-Update profitiert. Und so hatte Google dann doch viel zu bieten – nicht nur für Android (siehe Kasten).

Games, Music, Updates

Den auch am Desktop-PC nutzbaren Musikdienst Play Music, der bislang im Wesentlichen aus einem streamingfähigen Cloud-Speicher und einem Shop besteht, erweitert Google um „All Access“. Für 10 US-Dollar gibt es uneingeschränkten Zugriff auf das gesamte Musik-Angebot samt Radiosendern. Außerdem kann man sich Songs auswählen lassen, die zum eigenen Musikgeschmack passen könnten. Die Erweiterung ist anfangs nur in den USA verfügbar, andere Länder sollen folgen.

Google konkurriert damit mit bisherigen Streaming-Anbietern wie Spotify, Rdio, Xbox Music oder Pandora; allein in Deutschland gibt es inzwischen mehr als ein Dutzend Musik-Flatrates. Mit der Download-Plattform iTunes ist Apple der weltgrößte Musik-Verkäufer, hat aber bislang keinen Radio- beziehungsweise Streaming-Dienst zu bieten. Diese Dienste, bei denen Songs nicht als Musikdateien in den Besitz des Hörers übergehen, sondern für die Dauer des Abos der komplette Katalog der Labels zum Hören zur Verfügung steht, gewinnen stark an Popularität, gerade unter mobilen Nutzern; sie haben laut Bundesverband der Musikindustrie die höchsten Zuwachsraten am Musikmarkt.

Google Play Games eröffnet Spielern einige Möglichkeiten: Spielstände lassen sich zwischen verschiedenen Android-Geräten synchronisieren, Spieler können sich in Online-Ranglisten messen, es gibt Punkte und Auszeichnungen für das Erreichen von Zielen – ähnlich wie das beim iOS Game Center oder Microsofts Xbox Live schon möglich ist.

Zur Update-Problematik bei Android-Geräten sagte Chefentwickler Dave Burke, dass Android ein Schichtenmodell bekommen werde, bei dem nur die untersten Schichten ein komplettes, von Hersteller und Provider zertifiziertes Update benötigen, die oberen aber ohne deren Mitwirken aktualisierbar wären. So sei es zudem möglich, dass Entwickler API-Erweiterungen auch auf älteren Geräten nutzen können.

Einige Erweiterungen benötigen dann aber doch ein komplettes Update. So kündigte die Bluetooth SIG im Umfeld der Google I/O an, dass die „nächste Android-Version“ Bluetooth 4.0 Bluetooth Low Energy unterstützen werde. Das ist vor allem wichtig für das Zusammenspiel mit kleinen Gadgets wie Fitnesstrackern und Smartwatches. Der Standard benötigt weniger Energie als das klassische Bluetooth und ermöglicht dadurch den Gadgets lange Akkulaufzeiten. Etliche Android-Smartphones sind zwar schon lange mit passenden Funkchips ausgestattet, doch mangels direkter Unterstützung ist bislang jeder Hersteller gezwungen, die Software selbst anzupassen. Im Ergebnis können nur einzelne Android-Geräte Bluetooth 4.0, zum Beispiel das Motorola Razr mit Android 2.3.

Entwickler

App-Programmierer bekommen eine neue Entwicklungsumgebung: Eclipse wird abgelöst durch Android Studio, eine Weiterentwicklung der IDE IntelliJ Idea von JetBeans, die vor allem die Codegenerierung vereinfachen und das Entwerfen der Layouts verbessern soll. Ein Video von Google (siehe c’t-Link) zeigt die Hauptvorteile. Der Editor erkennt Parameter besser und zeigt beispielsweise bei String-Ressourcen statt der ID direkt den String an; als Parameter werden nur die für die Methode vorgesehenen angezeigt. Der Layout-Manager kann nun das Layout für mehrere Zielplattformen gleichzeitig darstellen, beispielsweise für alle vorgesehenen Sprachen oder Displaygrößen.

Zudem gibt es ein verbessertes Location-API, das Apps schneller und stromsparender mitteilen soll, wo sich das Smartphone gerade befindet und ob der Nutzer gerade läuft, radelt oder mit dem Auto fährt. Weiterhin können sich Nutzer zukünftig per Google+ bei einer App anmelden. Die Developer Console erfährt Ergänzungen: Der App Translation Service ist eine Art Marktplatz, auf dem sich der Entwickler einen Übersetzer aussuchen kann, um einfacher seine App in weiteren Ländern anzubieten. Google Analytics zeigt, wie viele Benutzer aus welchen Kanälen sich eine App ansehen, installieren und benutzen. Revenue Graphs geben einen detaillierteren Überblick über die Einnahmen als bisher. Last, not least ermöglicht Google dem Entwickler, seine Apps – oder neue Versionen – nur bestimmten Nutzerkreisen freizugeben, etwa für Betatests. (jow)

Neuigkeiten der Google I/O

 Maps: mehr Funktionen

 Music All Access: Spotify-Konkurrent

 Glass: Datenbrille für c’t

 Google+: neues Design, Login für andere Dienste

 Now: mit Spracheingabe

 Android: neue Versionen von Gmail, Drive, Chrome

 Android: Play Games

 Android: Schichtenmodell

 Android: neue IDE

 Android: Bluetooth 4.0

 Android: bessere Orts-API

 Android: Rückkanal für Push-Dienst

 Android: Developer Console verbessert

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