Reif für Hollywood

Effektvolle Grafiken mit Ebenenstilen in Photoshop

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Eine edle Texttafel gibt einem Video, einem Plattencover oder einer Webseite die persönliche Note. Dabei kann man es sich leicht oder schwer machen. Mit Photoshops Ebenenstilen ist die Simulation von Metall und Stein ein Kindergeburtstag – und hier steht, wie es geht.

Vektorformen und Text wie Stein oder Metall aussehen zu lassen, kostet mit den Ebenenstilen von Photoshop nur wenige Handgriffe. Eine Grafik mit Elementen aus diesen drei Materialien soll im Folgenden exemplarisch mit den nichtdestruktiven Ebenenstilen von Photoshop entstehen. Das Praktische an ihnen ist, dass man sie nicht nur verändern sowie an- und abschalten, sondern auch auf andere Objekte übertragen und anpassen kann. Photoshop besitzt Ebenenstile seit Version 6. Photoshop Elements eignet sich für diese Vorgehensweise nur bedingt, da es sehr wenige Ebenenstile geerbt hat. Gimp verlangt nach anderen Methoden [1].

Video: Effektvolle Grafiken mit Ebenenstilen in Photoshop

Am Anfang steht die Textur für den Hintergrund. Die lässt sich auch nachträglich hinter den Text setzen, aber es soll sich schließlich alles aufeinander beziehen, also fängt man am besten mit dem Untergrund an. Hintergrundtexturen sind nahezu allgegenwärtig. Wer mit wachen Augen durch die Welt geht und hier und da Betonpfeiler, Holzgegenstände, Asphalt, Gras, Rinde oder die Wasseroberfläche knipst, hat in kurzer Zeit eine eigene kleine Texturbibliothek beisammen. Dafür reicht ein mit dem Smartphone aufgenommenes Foto, falls es ausreichend scharf ist und der Sensor ausreichend auflöst – schließlich geht es nicht um Licht-Schatten-Spiele oder gezielte Unschärfe.

Besser werden die Fotos aber, wenn man sie mit einer Spiegelreflexkamera macht. Auch mit dem Flachbettscanner kann man Texturen sammeln. Natürlich gibt es auch Ressourcen im Web in Hülle und Fülle. Wichtig ist dabei, die Rechtslage im Auge zu behalten. Ein guter Startpunkt ist die Seite texturelib.com. Der Anbieter erlaubt für einen gewissen Zeitraum den Download einer Textur pro Tag in hoher Auflösung inklusive privater und kommerzieller Nutzungsrechte. Fürs Erste reicht das Foto einer Papierseite, die man in Photoshop öffnet.

Das Papier braucht für plakative Einsatzzwecke mehr Struktur. Mit einer Einstellungsebene Helligkeit/Kontrast verstärkt man den Kontrast ein wenig. Die Einstellungsebenen finden sich unten mittig in der Ebenenpalette hinter dem Symbol mit dem geteilten Kreis.

Nun soll eine Vignette die Blickrichtung lenken. Über das Symbol mit dem leeren Blatt in der Ebenenpalette (oder Umschalt+Strg+N) legt man eine leere Ebene über das Bild, wählt sie anschließend komplett aus (Strg+A) und füllt sie mit schwarzer Farbe (Bearbeiten/Fläche füllen). Dann erstellt man mit dem Auswahlellipse-Werkzeug eine Ellipse und verpasst ihr über „Auswahl/Verändern/Weiche Kante“ eine Unschärfe mit 500 Pixeln Radius. Für das 8-Megapixel-Bild aus dem Beispiel ist das ein passender Wert. Bei anderer Auflösung sollte er nach Augenmaß niedriger oder höher ausfallen. Ein Druck auf die Entfernen-Taste löscht alle Pixel innerhalb der Auswahl und lässt einen schwarzen Rand zurück.

Schwarz ist aber nicht gleichbedeutend mit düster. Der Ebenenmodus Ineinanderkopieren dunkelt die Ränder subtil ab und hebt die Struktur hervor. Niedrigere Deckkraft der Ebene, hier ein wenig mehr als 80 Prozent, nimmt den Effekt etwas zurück. Das Dropdown-Menü für die Ebenenmodi und der Deckkraftregler befinden sich in der gleichen Zeile oben in der Ebenenpalette.

Tipp: Ein Fadenkreuz in der Bildmitte erleichtert die gleichmäßige Auswahl der Ellipse. Dazu wählt man alles aus (Strg+A), wählt den Befehl Transformieren (Strg+T) und zieht vom Lineal Hilfslinien auf den angezeigten Mittelpunkt. Die Taste Esc beendet den Transformieren-Modus, das Kürzel Strg+D hebt die Auswahl auf. Nach Wechsel zur Elliptischen Auswahl setzt man am Mittelpunkt an und hält die Alt-Taste gedrückt. Die Auswahl entsteht nun mit dem Cursor im Kreismittelpunkt statt mit dem Cursor am Rand. Strg+Komma-Taste blendet die Hilfslinien anschließend wieder aus, falls sie stören.

Wegbereiter

Hinter dem steinernen Text sollen orientalische Stahlklingen liegen, die sich mit dem Werkzeug Formen (U) auf die Arbeitsfläche holen lassen. Es liegt in der Werkzeugpalette recht weit unten und sieht aus wie ein überfahrener Seestern. Die Symbolleiste Werkzeugoptionen zeigt hinter dem Schriftzug „Form" ein Auswahlfeld mit einem Pfeil. Es gibt abgesehen davon etliche Formen vor und erlaubt im Dropdown-Menü, unter dem Zahnrad eigene Formen zu laden. Solche stehen als CSH-Dateien (Custom Shape) im Web in Hülle und Fülle zum Download zur Verfügung, etwa auf www.shapes4free.com. Auch dieser Anbieter gibt seine Ressourcen für kommerzielle und private Nutzung frei.

Nach dem Laden einer CSH-Datei listet das Auswahlfeld die neuen Formen unten auf. Nach Wahl einer Kontur kann man sie auf der Arbeitsfläche mit der Maus aufziehen, wobei eine neue Form-Ebene entsteht. Ein Doppelklick auf das Miniaturbild in der Ebenenpalette öffnet den Farbwähler. Nun kann man mit der automatisch vorgewählten Pipette in der Arbeitsfläche auf dem Hintergrund herumklicken, bis eine Farbe gefällt. Verglichen mit manueller Farbwahl gewährleistet die Pipette, dass die gewählte Farbe zum Hintergrund passt.

Die Form soll symmetrisch sein, also muss sie gespiegelt werden. Ein Kontextmenübefehl in der Ebenenpalette oder der Befehl Strg+J dupliziert die Form-Ebene. Der Befehl „Bearbeiten/Pfad transformieren/Horizontal spiegeln“ spiegelt die zweite Ebene, sodass die Klingen symmetrisch in beide Richtungen fallen. Nun verteilt man beide Formen so auf der Arbeitsfläche, dass es hübsch aussieht. Mit gedrückter Shift-Taste gemeinsam ausgewählt, lassen sich die Form-Ebenen über „Bearbeiten/Pfad transformieren“ in einem Abwasch auf die gewünschte Größe skalieren.

Tipp: Hält man beim Verschieben-Werkzeug (V) die Tasten Alt und Shift gedrückt, erstellt Photoshop eine Kopie der verschobenen Ebene. Das spart den Arbeitsschritt zum Kopieren der Ebene.

Metallischer Glanz

Die Formen wirken noch flach und leblos. Ebenenstile machen daraus gefährliche Klingen. Sie finden sich unten in der Ebenenpalette hinter dem mit „fx“ bezeichneten Symbol. Ein einziger Dialog präsentiert alle Effekte, die sich per Checkboxen an- und abschalten lassen. Sie wirken nichtdestruktiv, man kann also jederzeit zur ursprünglichen, effektfreien Form zurückkehren.

Ein Klick auf „Abgeflachte Kante und Relief“ öffnet den Ebenenstil-Dialog. Der Effekt soll für ein klingenähnliches Erscheinungsbild sorgen. Ein weiterer Klick auf den Begriff Kontur in der Auswahlliste links zeigt ein Auswahlquadrat mit der Oberflächenform. Ein Doppelklick darauf öffnet den Formeneditor, der unterschiedliche Vorgaben enthält. Standardmäßig ist die Vorgabe linear, einer Klinge entspricht die Parabelform unter der Vorgabe Kegel besser. Ein Klick auf Ok führt zurück in den Hauptdialog.

Nun sieht die Kontur sehr schmal aus. Nach einem Wechsel zurück über die Auswahlliste links in den Dialog „Abgeflachte Kante und Relief“ kann man die Tiefe und die Größe erhöhen – hier auf 300 Prozent und 30 Pixel – sowie mit Farben und Überblendmodi der hellen und dunklen Schattierung experimentieren. Deren Grundeinstellung kann aber so bleiben.

Der Rest ist Kleinkram. Ein Klick auf Glanz verleiht der Klinge zusätzliche Struktur. Im Bild kann man den Effekt mit der Maus bewegen. Ein Schlagschatten lässt die Elemente über dem Papier schweben. Mit 75 Prozent Deckkraft wirkt er etwas stark; 50 Prozent reichen auch. Ein Abstand von 20 Pixeln hebt ihn etwas vom Untergrund ab. Ein Klick auf Ok legt alle drei Effekte erst mal fest.

Die Einstellungen für abgeflachte Kante, Glanz und Schatten finden sich in der Ebenenpalette als Effektliste unter der betreffenden Ebene. Für die zweite Form lassen sich die vorhandenen Effekte recyceln. Entweder man zieht sie mit gedrückter Alt-Taste von einer auf die andere Form-Ebene und fertigt so eine Kopie an oder – das ist der elegantere Weg – man erstellt über das Ordnersymbol unten eine Ebenengruppe, zieht beide Formen hinein und wendet die Ebenenstile auf die Gruppe statt auf eine einzelne Ebene an. So lassen sich bei Bedarf die Effekte für beide Formen gemeinsam ändern. Nach Arrangieren der Gruppe zieht man die Effekte einfach von der Ebene auf die Gruppe und verschiebt sie damit.

Mehr Waffen

Klingen sind martialisch, Schusswaffen sind martialischer. Ein Hollywood-Held braucht beides. Im Internet findet sich schnell das Foto einer Handfeuerwaffe im Profil ohne Hand auf weißem Hintergrund – damit handelt man sich unter Umständen aber Schwierigkeiten ein, wenn die Rechtslage nicht geklärt ist. Wer alle Bestandteile für eine Montage selbst fotografiert, geht rechtlich auf Nummer sicher und behält außerdem die Kontrolle über Beleuchtung und Perspektive.

Man sollte dunkle Gegenstände auf weißem Grund fotografieren, um sie mit dem Schnellauswahlwerkzeug (W) möglichst leicht vom Hintergrund trennen zu können. Eine Alternative ist, den weißen Hintergrund per Schnellauswahl zu markieren und die Auswahl anschließend über Strg+Alt+I zu invertieren. Der Befehl Ebenen/Basis/Rand reinigt das freigestellte Mordinstrument von weißen Resten.

Im Beispiel braucht das Gerät einen längeren Lauf, um zu den Klingen zu passen, also schneidet man ihn entweder aus, fügt ihn wieder ein und zieht ihn über „Bearbeiten/Frei transformieren“ (Strg+T) lang oder man skaliert einfach das ganze Teil über „Bearbeiten/kontextbasiert skalieren“. Dabei bleiben der Griff und die Kimme weitgehend, wie sie sind. Jetzt heißt es wieder wie oben Ebene kopieren (Strg+J) und die Kopie horizontal spiegeln (im Menü unter Bearbeiten/Transformieren), damit das Gesamtbild symmetrisch bleibt.

Eine neue Ebenengruppe soll alle Elemente der Pistolengruppe aufnehmen und gemeinsam mit Effekten belegen. Bei gedrückter Alt-Taste zieht man aus den Ebenenstilen der Klingengruppe nur den Schlagschatten auf die Pistolengruppe und kopiert ihn so dorthin. Ein Doppelklick auf Schlagschatten öffnet den Ebenenstil-Dialog. Der Abstand soll hier nicht 20, sondern 40 Pixel betragen, da die Pistolen über den Klingen schweben sollen und der Schatten daher nicht im gleichen Abstand auf das Papier fallen darf.

Es werde Text

Jetzt endlich geht es um Texteffekte. Bei gewähltem Textwerkzeug (T) klickt man irgendwo Mitte links auf die Arbeitsfläche, stellt oben in den Werkzeugoptionen einen plakativen Font ein, hier Impact, und schreibt den gewünschten Text. Mit dem Verschieben-Werkzeug (V) platziert man den Schriftzug mittig auf der Arbeitsfläche. Bei gewähltem Textwerkzeug funktioniert das Aufrufen anderer Werkzeuge über die Buchstabenkürzel nicht, da die Buchstaben hier logischerweise als Text auf der Arbeitsfläche landen. In diesem Einzelfall verlangt Photoshop also zur Auswahl des Verschieben-Werkzeugs einen Mausklick auf das Pfeilsymbol in der Werkzeugpalette.

Beim Platzieren des Schriftzugs helfen die oben erstellten Hilfslinien. Strg+Komma blendet sie wieder ein. Strg+T transformiert den Text; der Transformationskasten enthält ein Mittelkreuz, das man am Fadenkreuz der Hilfslinien ausrichten kann. Mit Escape kommt man aus dem Transformieren-Dialog wieder heraus.

Der Text soll nun aussehen wie aus Stein gemeißelt, und das lässt sich auch wieder ausschließlich mit Ebenenstilen erreichen, die das Symbol „fx“ unten in der Ebenenpalette aufruft. Los gehts wieder mit einer Kontur aus dem Bereich „Abgeflachte Kante und Relief“. Diesmal reicht eine der zur Auswahl stehenden, vorgegebenen Konturen, denn anders als bei der Klinge soll die Kontur hier sehr schmal ausfallen. Da fällt ihr Relief weniger ins Gewicht. Unter „Abgeflachte Kante und Relief“ kann man die Basiseinstellungen unverändert lassen (Tiefe: 100 Prozent, Größe: 2 Pixel). Der Bereich Kontur dient nur zur Wahl der Form. Hier wählt man etwas aus, das aussieht, als könnte man so die Form eines Steins behauen.

Anschließend ergänzt man eine Musterüberlagerung und wählt dort eine zum Thema passende Textur aus, wie hier „Grauer Granit“. Hinter dem Zahnrädchen verbergen sich mehrere Mustersammlungen für Papier, Gestein und andere Strukturen.

Als Nächstes folgt noch eine Verlaufsüberlagerung mit einem Schwarzweißverlauf von unten nach oben. Schwarz und Weiß sind voreingestellt; mit der Maus lässt sich der Verlauf exakt platzieren. Den Modus des Effekts setzt man auf linear nachbelichten, damit er mit dem Granit verblendet.

Der Text ist nicht so richtig gut lesbar, da im Hintergrund eine Menge vor sich geht. Das sollte sich ändern lassen. Ein Weg ist der bereits zweimal verwendete Schlagschatten, die Schrift soll aber leuchten. Der Effekt „Schein nach außen“ im Modus Weiches Licht gibt dem Schriftzug ein leichtes Glühen. Als Farbe bietet sich ein heller Ton an, der passend zum Hintergrund eine leichte farbliche Note haben darf. Die Deckkraft sollte man etwas verringern. Zwei Drittel oder die Hälfte reichen aus. Der Effekt sorgt dafür, dass der Belichtungseffekt deutlicher zu Tage tritt und die Schrift sich gut lesbar vom Hintergrund abhebt.

Feinheiten

Ein paar sparsam eingesetzte Lichtreflexe, die man nach Auswahl einer sternförmigen Pinselspitze hier und da auf die Kanten setzt, geben dem Schriftzug etwas Extra-Glamour. Dabei gilt es, die Balance zu finden, es durchaus ironisch zu übertreiben, aber sich bei der Übertreibung am Riemen zu reißen. Zwei Reflexe sind zu wenig, zehn definitiv zu viel. Wer Spaß an Übertreibung hat, kann einen ausgewachsenen Linsenreflex über das Bild legen, das mag aber nicht jeder.

Das Schöne an Ebenenstilen ist, dass sie nichtdestruktiv angewendet werden. Das Original bleibt unangetastet, die Effekte lassen sich jederzeit ändern. Das hat auch den Vorteil, dass die Effekte anders als die BahnCard grenzenlos übertragbar sind. Den Text kann man also von Dangerman auf Dr. Danger oder Prinzessin Tingeltangel ändern. Die Effekte bleiben dieselben und lassen sich für weitere Projekte recyceln. Metall und Stein werden schließlich immer gebraucht. (akr)

Literatur
  1. [1] André Kramer, Effektschmiede, Text effektvoll in Szene setzen, c’t 17/09, S. 122

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