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Frühstart

Intels Haswell-CPU im Vorabtest

Test & Kaufberatung | Kurztest

Mit der vierten Core-i-Generation legt Intel bei Grafik-, Integer- und Vektorperformance eine Schippe drauf, führt eine neue Fassung ein und pocht auf Geheimhaltung. Wir konnten trotzdem schon einen Core i7-4770 ergattern und testen.

Wenn Intel seinem Namensschema auch für die vierte Auflage der Core-i-Prozessoren alias Haswell treu bleibt, dann handelt es sich bei unserem Testkandidaten mit vier Kernen, Hyper-Threading, 8 MByte L3-Cache und einer Nominalfrequenz von 3,4 GHz mit Turbostufen bis 3,9 GHz um das neue Flaggschiff – von der für Übertakter gedachten „K“-Version mit frei einstellbarem Multiplikator einmal abgesehen. Obwohl Intel kürzlich für eine neue Grafikeinheit namens Iris Pro 5200 (alias GT3) mit einem separaten Speicher (eDRAM) auf dem Package getrommelt hat, steckt im Core i7-4770 nur HD 4600 (alias GT2). Wie bisher zu hören war, bleibt Iris den Mobilprozessoren sowie Spezialchips zum Einlöten in All-in-One-PCs (Core i7-4770R, i5-4670R und i5-4570R) vorbehalten.

Doch schon die HD-4600-GPU liefert im 3DMark11 72 Prozent mehr Punkte als die HD-4000-Grafik des Ivy-Bridge-Vorgängers Core i7-3770. Im anspruchsvolleren 3DMark schrumpft der Vorsprung auf 34 Prozent. Damit schließt Intel bei der 3D-Performance zu den APUs von AMD auf, kann jedoch am sehr viel billigeren, aber auch stromhungrigeren A10-5800K nicht vorbeiziehen. Die Spiele-Benchmarks in der Tabelle belegen außerdem, dass es – trotz des Performance-Zuwachses – noch immer nicht für anspruchsvolle 3D-Spiele und hohe Auflösungen reicht.

Spezialsoftware gesucht

Intel attestiert Haswell eine komplett neue Mikroarchitektur, gefertigt wird weiterhin im 22-nm-Prozess, also wie Ivy Bridge mit 3D-Transistoren und HKMG-Technik. Die Änderungen betreffen im Wesentlichen die Vektoreinheiten. So erledigen diese dank zweier paralleler FMA-Pipelines (Fused Multiply-Accumulate) nun bis zu 16 Fließkommaoperationen pro Taktzyklus. Füttert man die AVX2-Einheit mit speziell angepasstem Code – etwa dem von Intel optimierten Linpack – lässt Haswell den Vorgänger mit 177 zu 104 GFlops förmlich stehen. Sein theoretisches Maximum von 217,6 GFlops schöpft der i7-4770 damit noch nicht aus.

Standard-Software wie dem 3D-Rendering-Test Cinebench helfen diese Befehlssatzerweiterungen (bislang) rein gar nichts. Die vier bis acht Prozent Performance-Zuwachs rühren von der verbesserten Sprungvorhersage und anderen Detailverbesserungen. Integer-lastige Benchmarks wie Kcbench, der einen Linux-Kernel übersetzt, legen rund 15 Prozent zu, vermutlich weil Haswell eine vierte ALU und acht statt sechs Ports besitzt.

Spielwiese für Entwickler

Unserem Test-Prozessor hat Intel die beiden Erweiterungen für Transactional Memory (TSX) freigeschaltet. Allerdings erfordern sowohl Hardware Lock Elision (HLE) als auch Restricted Transactional Memory (RTM) speziell dafür kompilierten Code. Zudem steht noch nicht fest, wie stark Systeme mit nur einer CPU-Fassung also vergleichsweise wenigen Kernen davon profitieren können. Gedacht ist TSX insbesondere für (Datenbank-)Server mit zwei oder vier CPU-Fassungen und zahlreichen Kernen. Weil die allerdings noch eine ganze Weile auf Xeons mit Haswell-EP und Haswell-EX warten müssen, können die Programmierer so schon einmal üben.

Ob Haswell-Prozessoren – wie seit geraumer Zeit spekuliert wird – tatsächlich sparsamer arbeiten als ihre Vorgänger, lässt sich bislang schwer beurteilen. Unser Core i7-4770 nahm im Kurztest in vielen Szenarien in etwa dieselbe Leistung auf wie der i7-3770. Allerdings haben wir Letzteren auf einem besonders sparsamen LGA1155-Mainboard vermessen. Bei LGA1150 liegen uns bislang nicht genug Vergleichswerte vor, um die Effizienz des Boards ähnlich genau beurteilen zu können. Zudem hat Intel mit Haswell den Spannungswandler und damit auch Wandlungsverluste vom Mainboard in die CPU verlagert.

Mit Software, die tatsächlich alle Kerne, deren AVX2-Einheiten sowie die Grafik voll auslastet, liegt die Leistungsaufnahme unter Volllast allerdings höher als bisher. Während wir mit einem älteren, nur für AVX optimierten Linpack-Kompilat 82 Watt über die 12-Volt-Schiene zur CPU gemessen haben, sind es mit AVX2-Software 95 Watt. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass Intel die TDP von 77 auf 84 Watt angehoben hat. Weil die Performance aber stärker wächst als die elektrische Leistung, steigt die Effizienz.

Evolution statt Revolution

Wie schon länger spekuliert, bringt Haswell keinen Performance-Sprung, der einen sofortigen Umstieg von Ivy-Bridge (oder anderen LGA1155-Systemen) lohnen würde. Auf der anderen Seite sollte man bei einer ohnehin geplanten Neuanschaffung die neuen Befehle und die flottere Grafik mitnehmen. Vielleicht lassen sich mit Haswell und dessen integrierten Spannungswandlern auch ein paar Watt sparen – doch das wird erst ein Test von Serien-Mainboards zeigen. Was Intel am Chipsatz verbessert und welche weiteren CPU-Modelle anstehen, lesen Sie in der kommenden c’t – nach der offiziellen Produktvorstellung. (bbe)

Geheimniskrämerei

Würde es nach Intel gehen, wäre diese Seite ganz leer oder würde bestenfalls all die Informationshäppchen noch einmal zusammenfassen, mit denen der Prozessorhersteller seit über einem Jahr das Interesse schürt. Schließlich erscheint diese Ausgabe der c’t auf dem Tablet und für Abonenten kurz vor dem vorläufigen Höhepunkt des exakt durchchoreografierten PR-Balletts, das bereits 2009 mit einer Roadmap begann. Auf den folgenden IDFs sprach man über technische Details und auf der diesjährigen CeBIT tauchten teilweise abgeklebte Mainboards auf. Es folgte eine Presseveranstaltung zur Iris-Grafik und dann durften Hersteller von PCs, Workstations und Mainboards über ihre Haswell-Produkte plaudern – sofern sie keine konkreten Details zu Chipsätzen und Prozessoren nannten. Final fallen soll der Haswell-Schleier nun im Rahmen der Computex.

Damit Core i7-4770 und seine Geschwister jedoch pünktlich zum Beginn der Computex am 4. 6. in den Läden stehen, rollen seit Wochen die Lkws zu den Distributoren und Händlern. Durch eine glückliche Fügung konnten wir vor Redaktionsschluss ein Exemplar des Core i7-4770 in einem Online-Shop für 326 Euro kaufen.


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