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Von Alleinstehend und Alleinstellung

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Wenn keine anderen mehr da sind, ist eine Alleinstellung natürlich besonders einfach und dazu passt bei Intel, dass der nächste Xeon-Phi-Prozessor stand-alone fahren kann.

Wer fürs nächste Jahr einen größeren Hochleistungsrechner plant, der hat die Auswahl zwischen Haswell, Haswell oder Haswell, okay vielleicht in Blau, Grün oder Lila. So oder so ähnlich klagten viele Vertreter von Rechenzentren auf der internationalen Supercomputer-Konferenz in Leipzig. Die Dominanz von Intel im HPC-Sektor ist inzwischen erdrückend: 98 Prozent der neuen Systeme in der Top500 sind mit Intel-Prozessoren bestückt. Solche Zahlen kennt man ansonsten nur noch von Wahlergebnissen autoritärer Regime – oder von der Wahl von Angela Merkel zur CDU-Parteivorsitzenden.

Niemand außer Intel hält solche Dominanz für eine gesunde Marktentwicklung. „Wir können ja nichts dafür, dass die anderen nicht mithalten“, lautet allerdings deren durchaus nachvollziehbare Entschuldigung. AMD jedenfalls scheint am oberen Serverende aufgegeben zu haben und konzentriert sich hinfort mehr auf Mikroserver und Spielkonsolen.

Anlässlich der ISC brachte AMD zwar eine neue Server-Roadmap heraus, ließ sich aber auf der Konferenz nicht weiter blicken. Was wollte man für dieses High-End-Segment auch bieten. Von Opterons mit Steamroller-Architektur oder von PCI Express 3.0 ist im Oberhaus weiterhin nichts zu sehen. Ein neuer Piledriver mit Codenamen Warsaw soll 2014 etwas höhere Energieeffizienz und bessere TCO-Werte bieten, das wars. Weit spannender ist da schon die Roadmap eine Etage darunter bei den Ein-Sockel-Prozessoren – etwa für Webserver. Hier will AMD 2014 mit gleich drei grundverschiedenen Prozessorarchitekturen mit und ohne Grafik (GCN) aufwarten. In dieser Beziehung kann Intel jedenfalls nicht mithalten.

Zunächst kommen die kürzlich angekündigten Opterons X1150 und X1250 (Kyoto) mit vier Jaguar-Kernen, Letzterer als APU mit Grafik, gefertigt in 28 nm. Ihnen sollen dann in der zweiten Jahreshälfte 2014 der Seattle mit 8 und 16 ARM-Cortex-A57-Kernen folgen. Besonders interessant ist dessen Interconnect. Neben dem klassischen 10GbE integriert AMD im Seattle das mit Seamicro eingekaufte Freedom Fabric. Bei über 2 GHz Takt soll dann Seattle eine zwei- bis vierfache Performancesteigerung gegenüber der x86-Serie bringen, bei deutlich besserer Energieeffizienz.

Und dann gibt es ihn bei den kleineren Servern doch noch, den vermissten Steamroller samt PCI Express 3.0. Unter dem Codenamen Berlin soll er mit vier Kernen – oder aus HPC-Sicht mit zwei FPUs – seine Aufwartung machen. Auch hier ist eine APU mit GCN geplant, die ihn dann zusätzlich für kleine, preiswerte Workstations interessant macht.

Wenn schon AMD Intels Xeon-E5-Linie nichts entgegenzusetzen hat, dann muss Intel das eben selber machen. Und so überraschte Intels Manager fürs Technical Computing, Rajeeb Hazra, bei der weniger überraschenden Vorstellung neuer Xeon-Phi-Versionen mit der Aussage, dass der Nachfolger im 14-nm-Prozess mit Codenamen Knights Landing auch für den Stand-alone-Betrieb konzipiert ist. Er kann beziehungsweise genauer gesagt darf also selbst booten. Über dieses Feature gab es, so hörte man hinter den Kulissen, bei Intel intern heftige Debatten, schließlich wollte die Xeon-Abteilung nicht unbedingt eine hauseigene Konkurrenz, aber wenns keine andere gibt … Eurotech hatte zudem auch schon gezeigt, dass man auch den aktuellen Xeon-Phi mit ein bisschen FPGA-Hilfe stand-alone betreiben kann.

Now I stand alone …*

Dass Knights Landing zweckmäßigerweise austauschbar in einen Xeon-Sockel passen wird, wollte Hazra noch nicht bestätigen – aber das taten für ihn dann einige OEM-Partner auf der ISC. Auch zum neuen x86-Kern wollte Hazra nichts verraten. Hier hört man schon seit längerer Zeit, dass Intel vom doch recht antiquierten Pentium hin zu aktuellem Atom wechseln wird, vermutlich mit einer dem Silvermont ähnlichen Out-of-Order-Architektur.

Zudem wird er mit Stacked-Memory im Package ausgestattet. Die Größe ist noch unbekannt, es dürfte sich wohl um ein oder mehrere GByte handeln. Die Bandbreite von In-Package-DRAM, so erfuhr man in anderen ISC-Sessions von Intel-Entwicklern, soll acht- bis zehnfach höher als bei externem Memory sein – das lässt einiges erhoffen. Man erwartet diesen Rechenkünstler mit deutlich mehr als den aktuell maximal 62 Kernen Ende nächsten Jahres.

Through the memories  …

Doch nun sollen erst einmal die Xeon Phi mit Codenamen Knights Corner wirklich auf den Markt, bislang waren sie nur mit ziemlicher Mühe zu ergattern. Wahrscheinlich war einfach die Ausbeute zu schlecht, um 60 funktionierende Kerne bei nur 225 Watt TDP herauszudestillieren. Doch nun sind die Xeon Phi 3120A/P auf dem Markt mit nur 57 aktivierten Kernen und mit 6 GByte Speicher und einem Verbrauchsfreiraum bis hinauf zu 300 Watt TDP. Dafür kosten sie 1000 Dollar weniger als die 60-Kerner 5110 mit 8 GByte. Für Betuchte gibt es nun auch eine Edelversion 7120 mit 61 Kernen, 1,238 GHz und 16 GByte Speicher, die im Turbo-Modus 1,333 GHz erreicht. Dafür sind aber stolze 4129 US-Dollar zu berappen, was in Preis/Leistung um Faktor zwei hinter der 3120-Karte zurückliegt. (as)

* Ja, ja, Bob Marley, der in dem Jahr gestorben ist, als IBM den PC erfand …

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