Das letzte Update

@ctmagazin | Editorial

Adobe hat mal wieder seine Kreativprodukte aktualisiert, doch diesmal scheint die größte Neuigkeit zu sein, dass etwas fehlt. Die letzten Updates der Kaufversionen von Photoshop, InDesign, Illustrator und Co. tragen immer noch den Versionszusatz CS6 und sollen das auch für ewig und alle Zeiten tun wie ein verlassener Abrisskalender in einer postapokalyptischen Welt, denn eine Creative Suite 7 soll es niemals geben.

Ab jetzt gibt es nur noch Photoshop CC, Illustrator CC, InDesign CC. Der Zusatz steht für Creative Cloud; das Produkt wird nur noch für Abo-Kunden weiterentwickelt. Das Kaufmodell und mithin die Creative Suite trägt Adobe zu Grabe. Bisher hatten Kunden die Wahl, zu mieten oder zu kaufen. Jetzt wird gemietet. Basta!

Das Modell Creative Cloud hat Vorteile: Die Synchronisation benutzerdefinierter Daten im Netz ist praktisch. Statt einmal einen vierstelligen Betrag geben Kunden monatlich einen zweistelligen aus und über den Updater bekommen sie neue Funktionen sofort statt alle zwei Jahre im nächsten Zyklus.

Für Adobe ist dieser Lizenzweg der bessere, denn das Geld der Kunden fließt regelmäßig, statt nach Erscheinen einer neuen Version reichlich zu strömen und mit deren fortschreitendem Alter irgendwann nur noch zu tröpfeln. Das könnte auch den Druck nehmen, nach zwei Jahren wieder mit einem Paukenschlag aufzuwarten, weil die Kunden sonst einfach bei der alten Version bleiben. Mit der Cloud fließt das Geld auch so. Schon zur Einführung gibt es kaum bahnbrechende neue Funktionen.

Für die Kunden bringt das Abo Tücken mit sich. Die Preistabellen sind umfangreich, für viele dürfte die Cloud aber eher teurer werden. Gelegenheitsnutzer können nicht mehr sparen, indem sie Versionen überspringen. Nach Kündigung des Abos stellen nicht nur die Anwendungen ihren Dienst ein, auch einige mit den Tools erstellte Produkte haben nun ein Ablaufdatum. Über den Dienst Typekit in eine Webseite eingebundene Schriften stehen nach Abo-Ablauf nicht mehr zur Verfügung. Vor Zeiten erstellte Webseiten sehen dann nicht mehr gut aus.

Adobe traut sich derart rabiates Vorgehen nur im klassischen Profi-Segment, wo keine Gefahr droht, dass die Kunden zur Konkurrenz überlaufen. Den Erzrivalen Macromedia hat Adobe vor Jahren aufgekauft und verwertbare Gebiete eingemeindet; Quark und CorelDraw fristen ein Nischendasein. In einigen Geschäftsfeldern sieht die Lage noch anders aus, etwa bei Raw-Entwicklern oder Bildbearbeitung für zu Hause. Aperture, ACDSee und Capture One bieten Lightroom Paroli; statt Photoshop Elements zu kaufen, können Kunden auf Gimp oder PaintShop Pro ausweichen. Daher gibt es beide Programme bei Adobe auch noch als dauerhaft nutzbare Lizenz zu kaufen.

Photoshop ist die einzige ernst zu nehmende Bildbearbeitung für Profis. Aber auch hier hat der Anwender eine Wahl: Noch kann er die Creative Suite 6 erwerben – und dann zwei Jahre abwarten, ob Adobe irgendwann nicht auch den Nachfolger wieder als Kauflizenz vertreibt.

André Kramer André Kramer

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