Prozessorgeflüster

Von Ochsen und Hühnern

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Ob mit Datacenter-Ochsen oder Atom-Hühnern, Intel macht Druck auf allen zu pflügenden Feldern. Die neue Atom-Generation wirft ihre langen Schatten voraus, in wenigen Wochen soll sie erstrahlen.

Klar, dass auch Intel bei dem weltweit schwächelnden PC-Markt Federn lassen musste. So wundert nicht, dass der Quartalsumsatz um 7,5 Prozent auf 12,8 Milliarden US-Dollar zurückgegangen ist. Aber, dass ausgerechnet der Mobilbereich, der bei Intel besonders im Fokus steht, weit stärker, nämlich um 15 Prozent einbrach, war dann doch einigermaßen überraschend. Offenbar kamen die Haswells zu spät, um hier noch korrigierend einzugreifen – und die mit reichlich Vorschusslorbeeren überschütteten neuen Atoms sind ja noch nicht da. Aber mit zwei Milliarden Dollar Nettoprofit kann sich Intels Bilanz auch so noch sehr gut sehen lassen. Da drücken AMD ganz andere Sorgen: Hier ging der Umsatz um 18 Prozent auf 1,16 Milliarden zurück und von Gewinn ist weiterhin nichts zu sehen, lediglich rote Zahlen in Höhe von 74 Millionen Dollar. Doch AMD-Chef Rory Read ist optimistisch und versprach angesichts der Verträge mit Sony und Microsoft ein besseres kommendes Quartal. Derweil steigt und steigt AMDs Aktienkurs, noch immer halten sich diverse Übernahmegerüchte.

Intels Serverabteilung konnte ihr Niveau gut halten. Damit das in Zukunft noch besser wird, veranstaltete Server-Chefin Diane Bryant mit ihrer Crew in San Francisco einen internationalen Datacenter Day, an dem die Intelianer die Absicht verkündeten, die Rechenzentren komplett umzukrempeln. In „Re-imagining the Datacenter“, so der Titel ihrer Keynote, ging sie auf neue Architekturen für Netzwerk, Storage und Racks ein. Software Defined, so heißt das neue Schlüsselwort, etwa Software Defined Network (SDN) oder Software Defined Storage (SDS).

Insbesondere sollen auch die Racks und das Zusammenspiel der einzelnen Knoten völlig neu organisiert werden. Im Rahmen von Intels Rack Scale Architecture (RSA) können diese ihre Ressourcen dynamisch in Pools zusammenlegen: Compute Pool, Memory Pool und I/O-Pool. Bisher waren die Applikationen weitgehend auf die lokalen Ressourcen beschränkt oder sie mussten mit spezieller Software und Interfaces auf entfernte Ressourcen zugreifen. Mit RSA können sie nun mühelos aus einem virtuell weit größeren Hardwareangebot inklusive Cloud schöpfen.

Low-power- und Mikroserver genießen durch den bevorstehenden Angriff von ARMs Klonkriegern auf dieses Marktsegment große Aufmerksamkeit. Hier will das Intel-Imperium nun massiv zurückschlagen. Haswell E3 ist bislang bis hinab zu 25 Watt (E3-1230Lv3, 1,8/2,3 GHz) schon auf dem Markt, nun soll bald der E3-1220Lv3 mit 1,1/1,3 GHz und nur 13 Watt TDP folgen. Für „2014+“ ist der Nachfolger Broadwell in 14-nm-Technik geplant, wahrscheinlich mit Unterstützung von DDR4-Speicher. Neu ist, dass Intel nun auch bei den Xeons ein SoC einführt, etwa um Firmen wie Calxeda Paroli zu bieten. Nach den Worten von Intels General Manager for Cloud Infrastructure, Jason Waxman, gebe es zahlreiche Kundenwünsche nach einem Xeon mit den Extra-Features eines SoC (Grafik, GbE etc.).

Die eigentlichen ARM-Abwehrer sollen aber die 8-Kern-Atom-Prozessoren Avoton und Rangeley (Storage) mit Silvermont-Architektur sein, die für die zweite Jahreshälfte vorgesehen sind. Intel proklamiert für sie eine vierfach bessere Energieeffizienz und siebenfach höhere Performance verglichen mit der bisherigen Atom-Generation für Server (Centerton). Im nächsten Jahr soll dann in 14-nm-Technik der Denverton folgen mit „more Cores and more Everything“.

Bei den Atoms der C2000-Familie Avoton und Rangeley teilen sich je zwei Kerne einen gemeinsamen L2-Cache von 1 MByte. PCIe beschränkt sich auf Version 2.1 mit insgesamt 16 Lanes über 4 Controller. Auch USB (4 Schnittstellen) läuft nur auf 2.0-Level, was für Server aber völlig ausreichen dürfte. 2 × SATA 3.0 und 4 × SATA 2.0 sowie 4 GbE-Schnittstellen ermöglichen kleine Server ohne viel Zusatzhardware. Bisher unbekannt war, dass auch ein Krypto-Beschleuniger zur integrierten Hardware gehört.

In oder Out?

Nicht erwähnt hat Intel auf dem Datacenter Day indes, dass die Out-of-Order-Fähigkeit der Silvermont-Architektur möglicherweise mehr eingeschränkt ist, als es das Blockschaltbild nahelegt. Es gibt jedenfalls Hinweise darauf, dass nur der Integer Execution Cluster wirklich Out-of-Order arbeitet, die FPU samt SIMD-Einheit jedoch nicht. Doch da dieser Zweig überwiegend an Streaming-Aufgaben erledigen dürfte, ergäbe sich kein großer Performance-Verlust.

Erste AnTuTu-Benchmark-Ergebnisse eines Bay-Trail-SoC mit Silvermont-Architektur sind derweil auch schon aufgetaucht. Mit 43 416 hängt der Atom mit zwei Kernen einen Qualcomm Snapdragon 800 mit vier Kernen lässig ab, der auf maximal 30 000 AnTuTus kommt.

Für Ende August oder spätestens zum IDF Anfang September erwartet man die ersten Tablets mit Bay Trail. Vielleicht findet man bald schon bei BOINC erste Resultate – in den BOINC-Statistiken entdeckte man in der Vergangenheit oft schon frühe, zum Teil getarnte Prototypen. Und inzwischen kann auch die Android-Gemeinde am verteilten Rechnen mit Pads und Smartphones teilnehmen.

Seymour Cray hat ja mal provokativ gefragt, was besser zum Pflügen eines Feldes geeignet sei, zwei starke Ochsen oder 1024 Hühner. Mit der richtigen Organisation und Anbindung scheinen Hunderttausende von PC-Hühnern bei BOINC durchaus etliche Felder kräftig durchpflügen zu können – und jetzt kommen möglicherweise Millionen von Android-Küken hinzu. (as)

Auch das noch

Falls Ihnen gerade der Baustein für die serielle Schnittstelle (USART), Intel 8251A/B aus dem Jahre 1975 kaputtgegangen ist – kein Problem: Rochester Electronics hat die Lizenz zum Nachbau bekommen. Da freut sich dann der dazu passende 8080-Prozessor … von Rochester.

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