Change a running system

@ctmagazin | Editorial

Seit ein paar Wochen ist die c’t-Redaktion eine Handy-Bastelstube. Christian Wölbert wechselt iPhone-Akkus, Hannes Czerulla macht Kollegen mit neuen Display-Scheiben glücklich. Oliver Diedrich hat einem Uralt-Optimus einen neuen Sinn als Multimedia-Player gegeben und Kristina Beer ihr lahmes Galaxy-Handy mit alternativer Firmware fit gemacht.

Und ich stand vor einem Problem. Gerne hätte ich mitgebastelt, aber meinem zwei Jahre alten Xperia Ray fehlte nichts. Die Hardware will einfach nicht kaputtgehen - trotz dutzender Ausflüge auf den Fußboden und einem ins Waschbecken (okay, ich geb’s zu, es war das Klo). Die Software ist seit dem letzten Update einigermaßen aktuell und lässt nichts vermissen: Alle Apps laufen schnell, dank Alternativ-Launcher ruckelt nichts.

Trotzdem flashen? Der kurze Blick auf das Angebot alternativer Firmwares enttäuschte mich: Ich hatte die Wahl zwischen einer stabilen Version mit veraltetem Android und dem Nightly Build alias "Bloß nicht im produktiven Einsatz verwenden, wahrscheinlich fliegt gleich alles in die Luft". Irgendwann habe ich es dann trotzdem nicht mehr ausgehalten und den wahnsinnigen Schritt gewagt, ein funktionierendes Android gegen Frickelkram einzutauschen. Einfach nur, um mitreden zu können.

Entwickler-Umgebung installiert, Kommandozeile aufgemacht, Recovery geflasht, Backup gezogen, zurückgesetzt, Stable Firmware geladen, Luft angehalten. Bootscreen angestarrt, die Entwickler verflucht, Foren durchblättert, Fehler beseitigt, Nightly Build geladen, Fingernägel abgenagt. Apps installiert und optimiert, Einstellungen angepasst, Konten aktiviert und deaktiviert, tief durchgeatmet.

So geht es nun seit zwei Wochen jeden Tag. In kleinen Schritten habe ich mich vorgetastet, habe angepasst und optimiert. Bis Android schnell lief. Bis ich alle meine Apps wiederhatte. Bis alles so aussah, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Was hat es mir gebracht? Auf den ersten Blick wenig: einen Bootscreen, mit dem ich bei meinen Freunden angeben kann. Und ein paar coole Systemeinstellungen, die mir das Original-Android vorenthält. Aber da ist noch etwas. Oliver und Kristina haben Handys neues Leben eingehaucht, die sonst in der Schublade verschwunden wären - sehr nützlich. Ich dagegen habe etwas zurückgewonnen: die Lust am Frickeln. Und mein Handy ist wieder so spannend wie damals, als ich es zum ersten Mal ausgepackt habe.

Achim Barczok Achim Barczok

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