Heiß gemacht

Erste deutsche Maker Faire in Hannover

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An einem schwül-warmen Samstag Anfang August traf sich die Bastlerszene in Hannover zur ersten Maker Faire in Deutschland. An die 5000 Technik-Begeisterte jeden Alters zog es ins Kongresszentrum der Landeshauptstadt, wo es die ausgefallensten Maker-Projekte in Aktion zu erleben gab.

Viele leuchtende Maker-Augen gab es am 3. August in Hannover zu sehen: „Den Datenhandschuh haben wir zu Hause gebastelt“, erklärt Julian stolz, „und wurden damit später Landessieger bei ‚Jugend forscht’“, ergänzt Matthias. Die beiden Schüler des Merziger Peter-Wust-Gymnasiums sind zwei von 85 Ausstellern auf der ersten Maker Faire in Deutschland.

Die Messe für kreative Köpfe fand bei strahlendem Sonnenschein im Congress Centrum Hannover statt. Insgesamt kamen 4300 zahlende Besucher. Nicht gezählt wurden Besucher unter 150 Zentimeter Größe, sodass die Gesamtbesucherzahl bei an die 5000 liegen dürfte. „Wir sind besonders angetan, dass die Maker Faire von so vielen Familien mit kleineren Kindern besucht wurde“, freut sich Daniel Bachfeld, stellvertretender Chefredakteur bei c’t Hardware Hacks, deren Redaktion die Veranstaltung organisiert hat.

Viele der Besucher bestaunten nicht nur die Objekte der Macher, sondern wurden selbst kreativ. So wie Tim Bothe, der sich am Stand eine Makrolinse für sein Smartphone gebastelt hat und diese sogleich stolz vorführt.

Der Gitarre spielende Schrott-Roboter hat es Tim besonders angetan. „Für den hätten wir im Garten sicher ein Plätzchen frei“, bekräftigt auch Tims Vater Harald. Der drei Meter große und 250 Kilogramm schwere Roboter-Bassist „Afreakin Bassplayer“ des Berliner Künstlers Kolja Kugler besteht zu 95 Prozent aus Metallschrott, spielt Songs der Hardcore-Band „Helmet“ und wird begleitet von acht Blockflöte spielenden Schrott-Vögel. Der Star im hannoverschen Stadtpark begeisterte alle Besucher.

Zum Mitmachen

Gerade für die jüngeren Zuschauer gab es auf der Messe jede Menge Aktionen zum Bestaunen und Mitmachen – und umgekehrt viele Aktionen von Kindern und Jugendlichen.

Etwa der Luftkissensessel, der innerhalb von nur einer Woche im Rahmen einer Ferienaktion des Berufsschulkollegs Rheine von Jugendlichen der 7. bis 9. Klasse realisiert wurde. Der „chair force one“ aus einem benzingetriebenen Laubbläser, einem alten Ikeasessel, Multiplexplatten und dicken Planen schwebte unüberhörbar durch den Stadtpark.

Deutlich leiser, aber nicht weniger eindrucksvoll gingen die Multikopter zu Werke; auch das laue Lüftchen im Freigelände konnte der Stabilität der fliegenden Drohnen nichts anhaben. Aktive Piloten der Autoquad-Organisation demonstrierten deren Fähigkeiten auf dem Rasen am CCH und erläuterten den Besuchern geduldig die leistungsstarken Fluggeräte. Gleich nebenan am Seerosenteich stritten sich ein ferngesteuerter elektrischer Hai und eine echte Entenfamilie um die Gunst der Besucher. Norbert Brüggen und Johannes Walter wollten mit ihrem Hai-Projekt die Natur so perfekt wie möglich nachempfinden. Die Elektronik ist in einem wasserdichten Druckbehälter unter der Silikonhülle versteckt. Die im nassen, hinteren Teil befindlichen Antriebseinheiten für die Gelenke werden von dort einzeln angesteuert. Das Modell ist etwas verkleinert und sollte den beiden Makern als Test für ihr geplantes Eins-zu-eins-Projekt mit 1,70 Metern Länge dienen.

Nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer stellten sich auf der Messe als Maker vor. Der Verein „Kreativität trifft Technik“ aus Oldenburg berichtete über sein dreitägiges Seminar, bei dem 12 Lehrer aus Niedersachsen in den Schulferien je einen 3D-Drucker gebaut und verstehen gelernt haben. Den Drucker wollen sie anschließend in ihrem eigenen Unterricht einsetzen können. Bei dem Seminar seien die Dozenten nicht viel älter gewesen als die Schüler, die er sonst unterrichtet, berichtete ein Teilnehmer.

Drinnen in der Glashalle drängten sich die Besucher derweil vor den mit blinkenden Objekten und jeder Menge Infomaterial beladenen Tischen, diskutierten mit den Ausstellern die Vor- und Nachteile unterschiedlicher 3D-Drucker oder legten wieder selbst Hand an. Mehrere Projekte befassten sich mit dem leiblichen Wohl. So etwa das Zaubertrank-Projekt von Hans-Georg Schaaf. Die in seinen Obstverarbeitungsmaschinen hergestellten Getränke fanden an dem warmen Sommertag reißenden Absatz.

Zum Mitessen

Alexis Wiasmitinow vom EveryCook-Projekt ließ es in seinen von einem Raspberry Pi gesteuerten Kochtöpfen brodeln. Der Topf, der neben kochen auch schneiden, rühren, frittieren und vor allem wiegen kann, holt sich die Rezepte aus dem Internet und führt den Benutzer per Smartphone Schritt für Schritt bis zur fertigen Mahlzeit. Das zur Demonstration hergestellte Karamell erfreute vor allem die jüngeren Besucher.

Ausdrücklich erwünscht war das Mitmachen auch beim Farbenspiel-Projekt, ebenfalls vom Verein „Kreativität trifft Technik“ aus Oldenburg: Das mit einer transparenten Kuppel geschützte Objekt besteht aus viel Kabelage, drei Drehpotis und einem Zufallsgenerator, der die einzustellende Vergleichsfarbe im rechten von zwei Tischtennisbällen vorgibt. Die Besucher sollten durch Drehen der drei Potis herausfinden, wie sich diese Farbe aus den drei Grundfarben zusammensetzen lässt – erzielte der linke Ball so die identische Farbe, blinkten beide Bälle aufgeregt los.

Beim Mitmach-Projekt „Monkey Business“ von Ralph Kistler und Jan Sieber mussten die Besucher etwas vormachen. Ein knuddeliger Affe der interaktiven Installation äffte die per Kinect erfassten Bewegungen des Nutzers nach.

Die offene Werkstatt für Kreative nutzt die Maker Faire, um ihre selbst entwickelten Objekte und Ideen zu zeigen und natürlich auch, um neue Mitglieder zu werben. So wie die Werkstatt „Die Werke“ aus Hannover, die sich und ihre Ideen unter einer eindrucksvollen Raumstation aus gebogenen Latten präsentierte. Dafür hatten die Macher alte Latten aus Lattenrosten gesammelt und diese mit einfachen Schraubverbindungen zu einem frei tragenden Gerüst zusammengesetzt.

So begeistert die meisten Besucher waren, gab es auch Kritik. Die betraf vor allem die stickige Luft in der Ausstellungshalle. Die meisten nahmen das mit Humor. Die Hitze sei gewollt, damit der Kunststoff sich beim 3D-Druck nicht zu schnell abkühlt und verzieht, meinte ein Besucher. Der Besucher Tobias Rhode erklärte die „schnittfeste Luft in der Halle“ flugs zum „Gemeinschaftsprojekt der Maker und der Besucher“. In seinem Blog zieht er das Fazit: „Ich fand die Veranstaltung ziemlich gelungen und würde mich freuen, wenn es im nächsten Jahr auch wieder eine geben würde.“ Nach dem Erfolg, den das erste Ereignis dieser Art aus dem Stand hatte, ist eine Wiederholung auch für den verantwortlichen Redakteur Daniel Bachfeld durchaus denkbar. (tig)

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