Zum perfekten Bild

Fotokorrektur mit Ebenen, Masken und Reglern

Praxis & Tipps | Praxis

Nur selten kommen Fotos perfekt aus der Kamera: Schiefer Horizont, rote Augen oder matte Farben können den gesamten Bildeindruck vermiesen. Kleine Eingriffe verbessern so manches Foto auf entscheidende Weise, damit im Bild nicht nur erscheint, was die Kameraelektronik aufgenommen hat, sondern auch das Gefühl, das es transportieren soll.

Bevor man die Fotos Freunden, Familienmitgliedern und Mitreisenden präsentiert, sollte man offensichtliche Mängel beseitigen und langweiligen Fotos von spannenden Erlebnissen das gewisse Etwas verpassen. Die Heft-DVD versammelt eine Fülle kostenloser Anwendungen und einige Vollversionen, mit denen sich die Aufzeichnung des Kamerasensors in ein aufregendes Bild verwandeln lässt.

Bedenken, dass man die Realität verfälscht, sind bei den meisten Eingriffen nicht angebracht. Jedes Foto gibt einen subjektiven Eindruck wieder, ist also Interpretation statt abgebildete Realität – und diesen Eindruck gilt es in Szene zu setzen.

Video: Fotokorrektur mit Gimp

Zum Einsatz kommen im Folgenden Standardtechniken wie Ebenen, Masken, Überblendmodi, Gradationskurven und Tonwertkorrektur – im Wesentlichen am Beispiel der freien Bildbearbeitung Gimp. Eine Ausnahme macht der Abschnitt zur Perspektivkorrektur, die sich mit der freien Bildbearbeitung nicht ohne Erfahrung und Augenmaß erledigen lässt. Wenn es in einem anderen Programm von der Heft-DVD eine komfortable Funktion gibt, um dieselbe Aufgabe zu erledigen, nennen wir diese ebenfalls, als Alternative gekennzeichnet. Ansonsten lassen sich die mit Gimp beschriebenen Basistechniken auch mit jeder anderen Bildbearbeitung wie PhotoLine, Photoshop Elements oder PaintShop Pro umsetzen.

Rote Augen korrigieren

Der Standardfall schlechthin zur Bearbeitung von Portraits ist die Korrektur roter Augen. Viele Programme retuschieren sie mit spezialisierten Werkzeugen. Die erzielen aber nicht immer gute Ergebnisse beziehungsweise vergessen auch mal ein Auge. Mit Gimp ist die Korrektur schnell erledigt.

Bei der Bildbearbeitung geht der erste Blick immer in die Ebenenpalette. Ein geöffnetes Foto erscheint dort als Hintergrundebene. Der Kontextmenübefehl „Ebene duplizieren“ legt eine Kopie der Hintergrundebene an – danach wird nur noch diese bearbeitet. So ist sichergestellt, dass die Originalpixel weiterhin zur Verfügung stehen.

Die eigentliche Korrektur besteht aus zwei Arbeitsschritten: dem Entsättigen und dem Anpassen von Helligkeit und Kontrast. Wählen Sie aus der Werkzeugpalette die Elliptische Auswahl (Tastenkürzel E), stellen Sie unterhalb der Werkzeugpalette in den Werkzeugeinstellungen den Modus auf „Zur aktuellen Auswahl hinzufügen“ und markieren Sie alle roten Augen mit der kreisförmigen Auswahl. Der Befehl Farben/Entsättigen beraubt die Auswahl anschließend der Farbe; der Modus Leuchtkraft sorgt für das beste Ergebnis. Die Pupille erscheint im Ergebnis allerdings unnatürlich hellgrau. Um das zu korrigieren, setzen Sie im Dialog Helligkeit/Kontrast aus dem Farben-Menü die Helligkeit herab und den Kontrast etwas herauf, sodass die Pupille schwarz erscheint.

Bei Nahaufnahmen kann es vorkommen, dass die Auswahl zu hart wirkt. In dem Fall wählen Sie nach elliptischer Auswahl den Befehl „Ebene/Maske/Ebenenmaske hinzufügen“ und initialisieren im Folgedialog die Maske aus der Auswahl. Wenn Sie in der Ebenenpalette bei gedrückter Alt-Taste auf das Maskensymbol klicken, zeigt Gimp nur die schwarzweiße Maske an. Mit dem Gaußschen Weichzeichner aus dem Menü Filter/Weichzeichnen können Sie nun die Kante mit einem Radius von etwa einem Pixel bearbeiten. Das sorgt für natürlichere Übergänge nach dem Entsättigen. Mit einem weiteren Klick bei gedrückter Alt-Taste auf das Maskensymbol wechseln Sie wieder ins Bild und führen den Rest der Korrektur aus wie oben beschrieben.

Alternative: Die Bilddatenbank Picasa korrigiert rote Augen mit sehr gutem Ergebnis automatisch, Sie vergisst allerdings manchmal das eine oder andere Auge. Um die Bildbearbeitung von Picasa nutzen zu können, müssen Sie die betreffenden Bilder zunächst über Tools/Ordner-Manager in die Datenbank laden. Nach einem Doppelklick auf eine Miniaturansicht bietet Picasa links Werkzeuge an, darunter auch eines mit der Beschreibung „Rote Augen“. Das Programm findet und korrigiert etliche rote Augen automatisch. Den Rest markieren Sie bei Bedarf per Rechteckauswahl.

Perspektive korrigieren

In Architekturaufnahmen laufen vertikale Linien, die eigentlich parallel verlaufen sollten, aufgrund der Perspektive fast immer aufeinander zu: Das Gebäude scheint nach hinten zu kippen. Sofern man es frontal aufgenommen hat, ist die Korrektur solcher stürzender Linien mit den richtigen Werkzeugen aber ein Kinderspiel.

Gimp selbst bietet zwar Werkzeuge zur Perspektivkorrektur an, damit ist man allerdings auf Augenmaß angewiesen, muss das Foto also an den Ecken so zurechtziehen, dass es in ein Raster passt. Das funktioniert nicht immer gut. Das Photoshop-kompatible Plug-in Perspective Transformations korrigiert stürzende Linien halbautomatisch.

In Gimp lässt es sich nicht ohne Weiteres einbinden, wohl aber in den Bildbetrachter IrfanView, sofern auch die IrfanView PlugIns installiert sind. Das Photoshop-Plug-in Perspective Transformations finden Sie als 8BF-Datei auf der Heft-DVD. IrfanView erwartet diesen Dateityp im Programmverzeichnis „IrfanView\Plugins\Adobe 8BF“. In IrfanView lässt es sich über „Bild/Effekte/Adobe 8BF Filter“ (Strg+K) starten. Der Menübefehl ruft ein Fenster auf, aus dem Sie unter den installierten Plug-ins den Eintrag Perspective Transformations wählen und auf „Start selected Filter“ klicken.

Der Rest ist schnell erklärt. Fenstergröße und Zoomfaktor des Plug-ins passen Sie so an, dass das Bild vollständig sichtbar ist. Klicken Sie unter „Control Points“ auf Set und markieren Sie mit Mausklicks (nicht gedrückt halten) jeweils eine stürzende Linie links und rechts im Bild. Alternativ kann man ein Parallelogramm zeichnen. Die Schaltfläche Apply weiter rechts wendet die Korrektur an. Überzeugt das Ergebnis nicht, versetzt der Button „Reset All“ ganz unten rechts das Bild wieder in den Urzustand. Unter Crop lässt sich festlegen, ob das Bild automatisch, per Rahmen oder gar nicht beschnitten werden soll.

Nach Quittieren mit Ok kann man das Bild in IrfanView via „Datei/Speichern unter“ als JPEG-, PNG-, TIFF- oder BMP-Datei ausgeben und gegebenenfalls in einer anderen Anwendung weiterbearbeiten.

Alternative: Die Lösung mit IrfanView hat den Vorteil, dass Sie Bilder aller erdenklichen Formate korrigieren können. Wer ohnehin nur JPEG-Dateien bearbeiten möchte, kann auch ShiftN benutzen. Das Programm analysiert und korrigiert stürzende Linien vollautomatisch.

Horizont begradigen

Ein weiteres Ärgernis ist ein schiefer Horizont, dem man in Gimp aber einfach beikommt: Zunächst ziehen Sie eine horizontale Hilfslinie aus dem oberen Lineal etwa auf Höhe des Horizonts. Wenn Lineale oder Hilfslinien nicht zur Anzeige ausgewählt sind, lässt sich das im Menü Ansicht ändern.

Den Rest erledigen Sie mit dem Werkzeug Drehen (Umschalt+R) in der Werkzeugpalette. Nach Anfassen des Bildes erscheint ein Dialog mit Eingabefeldern für den Winkel und die Koordinaten des Drehpunktes sowie Buttons zum Quittieren oder Zurücksetzen. In den Werkzeugeinstellungen lässt sich die Interpolationsmethode ändern oder das Bild automatisch beschneiden. In der Einstellung Anpassen verbleiben nach dem Drehen leere Ecken. Die Einstellung „Auf Seitenverhältnis beschneiden“ schnippelt das Bild passend zu. Nachdem Sie das Bild an der Hilfslinie ausgerichtet haben, klicken Sie auf Rotieren.

Alternative: Einfacher gehts mit dem Raw-Konverter Raw Therapee. Wie Gimp ist das Programm Open Source und kostenlos; es ist für Windows, Mac OS X und Linux zu haben. Neben Raw-Fotos verarbeitet es auch JPEG- und TIFF-Dateien. In der linken Symbolleiste oben findet sich rechts der Button „Ausrichten/Fein-Rotation“. Auch die Taste S wählt dieses Werkzeug aus. Danach ziehen Sie eine Leitlinie entlang des Horizonts. Raw Therapee richtet das Bild im Anschluss gerade und beschneidet es.

Beschnitt

Wenn das Bild ohnehin beschnitten werden soll, kann man sich bei der Gelegenheit Gedanken über die Bildkomposition machen und das Bild in Drittel oder im Goldenen Schnitt arrangieren.

Das Symbol für das Werkzeug Zuschneiden (Umschalt+C) sieht in Gimp aus wie ein Teppichmesser. In den Werkzeugoptionen sind insbesondere die Angaben hinter dem Begriff „Fest" von Interesse. Hier lässt sich die Größe in Pixel für Breite, Höhe oder beides angeben. Am häufigsten wird wohl ein festes Seitenverhältnis benötigt, etwa 4:3 oder 3:2 in Übereinstimmung mit dem Kamerasensor oder 16:9 für das Zielmedium Fernseher beziehungsweise Beamer.

Unten in den Werkzeugoptionen lassen sich Hilfslinien einblenden, darunter Einteilungen in Drittel, nach dem Goldenen Schnitt, in Fünftel, in Diagonalen oder mit einem mittig angeordneten Fadenkreuz. An Ecken und Seiten kann man die Größe eines aufgezogenen Rahmens ändern oder ihn verschieben. Ein Druck auf die Enter-Taste führt den Beschnitt aus.

Bei einfachen Motiven können Sie leere Ecken auch anflicken, wenn das die Bildkomposition erfordert. Solche Korrekturen sollte man immer auf eine neue Ebene auftragen, um bei Fehlern nicht von vorne anfangen zu müssen. Dazu erstellen Sie zunächst eine neue Ebene und wählen anschließend das Klonen-Werkzeug (C). Wenn in den Werkzeug-Optionen unter Quelle das Feld „Vereinigung prüfen“ gewählt ist, nimmt Gimp den Inhalt der darunterliegenden Ebenen auf und überträgt ihn auf die leere Ebene. Bei gedrückter Strg-Taste wählen Sie die Bildquelle aus und tragen die dortigen Pixel an anderer Stelle auf.

Alternative: Beschneiden kann nahezu jedes Programm. Das Tool JPEGCrops ist auf diese Aufgabe spezialisiert und verwendet verlustfreie Methoden; das Bild wird also durch den Beschnitt nicht neu komprimiert. Es bietet mehrere Seitenverhältnisse an, 16:9 jedoch nicht.

Die Vollversion Silkypix Elements kann wie Raw Therapee den Horizont anhand einer Leitlinie korrigieren und bietet für den darauffolgenden Beschnitt eine Menge Voreinstellungen zum Seitenverhältnis an.

Schrift integrieren

Grußkarten, Motivational-Poster, Titelbilder für die Diashow oder Hintergrundbilder für den Desktop brauchen Schrift. Mit dem überarbeiteten Text-Werkzeug erledigt Gimp 2.8 diese Aufgabe einfach und komfortabel. Die Taste T oder das mit dem großen A gekennzeichnete Symbol ruft es auf.

Nach einem Klick ins Bild reicht es, den Text einzugeben. Eine schwebende Palette blendet Einstellungen zu Schriftart und -größe ein. Es ist aber ratsam, vorab ein paar Dinge in den Werkzeugeinstellungen anzupassen. So setzt man die Schriftgröße am besten gleich von 18 auf 100, um später überhaupt etwas zu sehen. Als Nächstes steht die Wahl der Schriftart an. Das Netz stellt haufenweise kostenlose Font-Dateien zum Download bereit, etwa auf 1001freefonts.com, searchfreefonts.com oder myfont.de.

Wichtig ist außerdem die Farbe. Ein Klick auf das Farbfeld in den Werkzeugoptionen öffnet den Dialog Textfarbe. Eine kleine Schaltfläche rechts neben dem Eingabefeld für HTML-Notation öffnet eine Pipette. Wenn man eine im Foto bereits vorhandene Farbe wählt, fügt sich die Schrift besser ins Gesamtbild.

Das Hinzufügen von Schrift erzeugt automatisch eine neue Textebene, die sich – abgesehen von dieser Spezialeigenschaft – verhält wie jede andere Ebene auch. Mischmodus und Deckkraft heißen die Werkzeuge, um Schrift beziehungsweise Pixel mit der darunter liegenden Ebene zu verblenden. Beides stellen Sie für eine ausgewählte Ebene in der Kopfzeile der Ebenenpalette ein.

Im Modus Normal zeigt Gimp nur die oben liegenden Pixel an. Bei 50-prozentiger Deckkraft erscheinen die Pixel halbtransparent. Ein anderer Ebenenmodus als Normal integriert die Schrift ins Foto. Welcher sich da anbietet, hängt von den Farb- und Helligkeitswerten im Foto und in der Schrift ab. Die endliche Anzahl Ebenenmodi kann man einfach durchprobieren und sich für den besten entscheiden – im Bildbeispiel oben rechts ist es „Faser mischen“.

Mehr Kontrast

Der übliche Weg zu knackigerem Bildeindruck geht über den Dialog Helligkeit/Kontrast im Menü Farben. Er leistet in Gimp leider keine gute Arbeit. Das Anheben der Helligkeit erzeugt einen milchigen Bildeindruck. Der folgende Weg sorgt für ein besseres Kontrastverhältnis, ist einfach anzuwenden und außerdem nicht destruktiv.

Zunächst duplizieren Sie wie immer die Bildebene über das Kontextmenü in der Ebenenpalette, den Menübefehl „Ebene/Ebene duplizieren“ oder das Tastenkürzel Strg+Umschalt+D. Das bewirkt zunächst einmal gar nichts, denn im Ebenenmodus Normal zeigt Gimp die deckenden Pixel an, und die haben sich nicht geändert. Andere Ebenenmodi verändern Helligkeit und Kontrast zweier Identischer Ebenen auf spezifische Weise.

Der Modus Multiplikation bildet das Produkt aus den Farbwerten der gewählten sowie der darunter liegenden Ebenen und teilt es durch 255. Das Bild wird dadurch dunkler. Im Modus Division wird mit dem Kehrwert multipliziert – die Pixel hellen sich stark auf. Auch durch Addition wird das Bild heller, jedoch längst nicht so stark. Praxistauglich sind diese einfachen Operationen nur bei verringerter Deckkraft der oberen Ebene.

Für stärkeren Kontrast sorgen die miteinander verwandten Modi Überlagern, „Weiche Kanten“ und „Harte Kanten“, wobei die ersten beiden zum identischen Resultat führen. Überlagern stellt eine Kombination aus Multiplikation und Division dar, mit dem Resultat, dass helle Pixel weiter aufgehellt und dunkle Pixel weiter abgedunkelt werden. Der Modus „Harte Kanten“ verstärkt die Kontrastanhebung und betont die Kanten, fällt aber verglichen mit dem „harten Licht“ von Photoshop und Photoshop Elements etwas krass aus.

Mit zwei Handgriffen kommt man so zu mehr Kontrast. Der Effekt ist jederzeit änderbar: Fällt die Anwendung zu stark aus, reduziert man die Deckkraft der Ebene. Ist sie zu schwach, wiederholt man die Prozedur mit einer weiteren Ebenenkopie.

Farbstimmung

Wie oben beschrieben, lässt sich ein Bild mit Ebenenmodi auch aufhellen. Dazu setzen Sie den Modus der oben liegenden Ebenenkopie auf Addition. Im Bildbeispiel oben links hat das nicht ausgereicht, also befinden sich zwei addierende Kopien über der Hintergrundebene. Die linke Bildseite ist so maskiert, dass sie zum Vergleich das deutlich dunklere Original zeigt.

Natürlich kann man ein Foto nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit andersartigen Ebenen überlagern – beispielsweise mit Farbe. Zwei verschiedene Farben sollen der Höhle im Bild oben etwas mehr Charakter geben. Zunächst stellen Sie die gewünschten Töne als Hintergrund- und Vordergrundfarbe ein – hier Rot und Blau. Die Symbole dazu befinden sich unterhalb der Werkzeugpalette als schwarzes und weißes Rechteck. Ein Klick darauf öffnet den Farbwähler.

Der Befehl „Ebene/Neue Ebene“ öffnet einen Dialog, mit dem sich eine deckende Ebene erstellen lässt. Vorder- oder Hintergrundfarbe lassen sich hier als Zielfarbe einfach auswählen. Stellen Sie nun den Ebenenmodus auf Farbton. Er vermischt die Luminanz der unteren Ebene mit der Sättigung der oberen Ebene und sorgt in diesem Fall für einen kräftigen Rotton.

Der soll aber nicht auf jedes Pixel wirken, also bekommt die Farbebene eine Maske verpasst, die man aus dem Originalfoto gewinnen kann. Wählen Sie zunächst die Farbebene und erstellen Sie über „Ebene/Maske/Ebenenmaske hinzufügen“ eine neue weiße Maske. Blenden Sie alles bis auf das Foto der untersten Ebene aus. Markieren Sie nun das gesamte Bild (Strg+A) und kopieren Sie es in die Zwischenablage (Strg+Umschalt+C), ohne es sofort wieder einzufügen.

Anschließend blenden Sie die Farbebene mit der Maske wieder ein und wählen aus dem Kontextmenü über dem Maskensymbol den Befehl „Ebenenmaske anzeigen“. Ein Mausklick bei gedrückter Alt-Taste erledigt dasselbe. Das Dokumentenfenster sollte nun nichts als die weiße Maske zeigen. Fügen Sie jetzt das Bild aus der Zwischenablage mit Strg+V ein. Es erscheint als schwebende Auswahl, die Sie mit „Ebene/Ebene verankern“ (Strg+H) in die gerade aktive Maske versenken. Alt+Klick oder oben genannte Kontextmenübefehl blendet die Maske wieder aus.

Nun folgt die zweite Ebene mit blauer Farbe. Die anhand der roten Ebene beschriebene Prozedur wiederholen Sie mit dieser, nur dass Sie die Maske am Ende mit dem Befehl Farben/Invertieren umkehren. Damit färbt sich genau die andere Hälfte der Pixel ein. So gelangen Sie zu einem zweifarbig getönten Bild. Besonders in Kunstlichtsituationen mit vielen Schattierungen wie im Fall der Höhle kann das für hübsche Effekte sorgen.

Alternative: Die Shareware PhotoLine unterstützt wie Gimp Ebenen und Masken. Dazu rechnet sie in 16 Bit Farbtiefe pro Kanal, unterstützt als 64-Bit-Anwendung 3 beziehungsweise 4 GByte Arbeitsspeicher und bietet etliche nichtdestruktive Einstellungsebenen.

Werte und Kurven

Regler und ähnliche Instrumente kamen bisher kaum zur Sprache, ganz kommt man aber nicht um sie herum. Bearbeitungen mit dem Helligkeitswerkzeug lassen das Bild häufig milchig erscheinen. Zwei Werkzeuge, mit denen man sich vertraut machen sollte, sind die Histogramm- oder Tonwertkorrektur und die Gradationskurven.

Bei Gimp heißt das Histogrammwerkzeug Werte und steckt im Farben-Menü. Es eignet sich besser als jedes andere Werkzeug zur Korrektur schlechter Belichtung. Das sogenannte Histogramm zeigt die Tonwertverteilung von Schwarz nach Weiß. Unter dem Diagramm befinden sich drei Pfeilspitzen. Die einfachste Art der Histogrammkorrektur besteht darin, die Pfeilspitzen links und rechts jeweils an den Anfang des Tonwertgebirges zu ziehen. Alle im Bild vorhandenen Tonwerte werden dadurch gespreizt; Farben und Helligkeit erscheinen differenzierter und brillanter.

Das Vorschaufenster im Bild auf Seite 112 unten zeigt auf der linken Seite das sehr dunkel geratene Originalbild; das Resultat nach der Bearbeitung ist nur auf der rechten Seite zu sehen. Zieht man den rechten Pfeil unter dem Histogramm deutlich nach links, gibt man der Bildbearbeitung vor, dass der dunkle Bereich auf das gesamte Tonwertspektrum neu verteilt werden soll. Insgesamt wird das Bild dadurch heller. Auch wenn ein paar Tonwerte in Mitleidenschaft gezogen werden, verbessert sich der Bildeindruck deutlich.

Das Universalwerkzeug Gradationskurven heißt bei Gimp schlicht Kurven. Die Standardkurve direkt nach Aufruf des Dialogs behandelt alle Kanäle, also Rot, Grün und Blau, gemeinsam. Zieht man sie nach oben, wird das Bild heller, zieht man sie nach unten, wird es dunkler. Besonders elegant lässt sie sich zur Kontraststeigerung einsetzen. Das Bild unten links wirkt im Original (linke Bildhälfte) matt und stumpf. Eine S-Kurve dunkelt die Tiefen ab und hellt die Lichter auf. Der Kontrast verstärkt sich dramatisch. Außerdem tritt ein Farbenspiel hervor, das im Original nicht zu erahnen war.

Alternative: Die Vollversion des Zoner Photo Studio 15 Home bietet einen integrierten Raw-Konverter, der auch JPEG- und TIFF-Dateien bearbeitet. Nach dem Programmstart wählen Sie im Manager eine Datei aus und wechseln in der Kopfzeile in den Editor. Auf der rechten Seite finden sich unter dem Histogramm Regler für Belichtung, Lichterkorrektur, zum Aufhellen von Schatten, für Schwarzpunkt, Kontrast, Klarheit, Farbsättigung und Dynamik sowie auch ein Gradationskurvendialog.

Cross-Entwicklung

Das Bild unten rechts sieht hübsch, aber langweilig aus. In Instagram und Co. würde man nun einen Filter anwenden. In Gimp kann man solche Effekte wunderbar manuell steuern.

Ein spektakulärer und einfach anzuwendender Effekt ist die Simulation von Cross-Entwicklung. Bei dieser Technik aus der Film-Fotografie wird ein Diapositiv wie ein Negativfilm entwickelt oder umgekehrt. Das Resultat sind knallige, vom Original deutlich abweichende Farben und extremer Kontrast.

In Gimp ist Cross-Entwicklung in einem Arbeitsschritt simuliert. Wie immer duplizieren Sie zunächst die Hintergrundebene. Anschließend rufen Sie den Kurven-Dialog im Menü Farben auf. Diesmal bleibt die Kurve für alle RGB-Werte allerdings unberührt. Stattdessen wenden wir uns den einzelnen Farbkurven zu, die man ansonsten eher selten anfasst.

Den Dialog kann man in Gimp vergrößern. Die Kurven sprechen sehr gut an und zeigen einen sanften Bogen, der Farbabrissen vorbeugt, sofern man den Kurventyp auf „weich“ belässt. Im Dropdown-Menü oben unter Kanal kann man zwischen den Farbkanälen umschalten. Unabhängig von der Einstellung zeigt Gimp alle Kurven im Dialog an, nur zur ausgewählten Kurve blendet es auch die Anfasser mit ein.

Cross-Entwicklung mit Kurven funktioniert so: Den Rot- und den Grün-Kanal gestaltet man jeweils als S-Kurve, indem man die Schatten absenkt und die Lichter verstärkt. Im Blau-Kanal geht man genau umgekehrt vor: Die Blautöne in den Schatten werden angehoben und die in den Lichtern abgesenkt. Das Schöne an Kurven ist, dass sich die Einstellungen in den Farbkanälen im Unterschied zu Ein-Klick-Effekten an jedes Bild individuell anpassen lassen.

Texturen überlagern

Ein ganz einfacher Trick zum Verfremden von Fotos ist das Überlagern mit Texturen. Man legt dazu eine Bildebene mit irgendeiner Struktur über das Foto und setzt den Ebenenmodus wie oben bei der Kontrastbearbeitung auf Überlagern oder „Harte Kanten“. Wenn man sich für Letzteres entscheidet, sollte man aber die Deckkraft verringern.

Die Webseite texturelib.com bietet fotografierte Texturen wie Papier, Holz, Rost und Stein in Hülle und Fülle. Eine Textur pro Tag darf man kostenlos in hoher Auflösung herunterladen. Ansonsten finden sich im Alltag überall Texturen vom Teppich über die Betonwand bis hin zum Ghettokrakel an der Hauswand – man muss sie nur fotografieren.

Nach Öffnen des Fotos in Gimp soll die Textur als Ebene darüber erscheinen. Gimp bietet dafür den Befehl „Datei/Als Ebene öffnen“ Das ausgewählte Bild findet sich damit direkt als neue Ebene ein, statt wie sonst als schwebende Auswahl in der Ebenenpalette herumzugeistern. Nicht immer stimmen die Dimensionen der Textur mit denen des darunterliegenden Fotos überein. Zu groß darf sie ruhig sein; zu kleine Texturen muss man allerdings anpassen. Das Werkzeug Skalieren (Umschalt+T) bringt es in Form. Das Hintergrundfoto sollte man in seinen Dimensionen belassen, um Schärfe und Detailreichtum zu erhalten. Bei der Textur ist das nicht ganz so wichtig.

Anschließend setzt man den Ebenenmodus auf Überlagern. Dabei sollte die Textur nicht zu dominant wirken. Im Zweifel reicht etwas weniger Deckkraft. Die Farben des Texturfotos verändern die Farbgebung des Bilds. Das gereicht ihm nicht immer zum Negativen – warme Töne wie bei altertümlichem Papier oder rostigem Eisen können eine angenehme Farbstimmung erzeugen. Wenn die Farbe nicht schmeckt, neutralisieren Sie die Texturebene mit dem Befehl Farben/Entsättigen. Sie enthält dann nur noch Graustufen.

Wasserzeichen einfügen

Ähnlich wie eine Textur kann man auch ein Wasserzeichen ins Foto einfügen, falls man seine Bilder vor unbefugter Verwendung schützen möchte. Der einfachste Weg besteht darin, ähnlich wie oben beschrieben einen Schriftzug im Bild zu platzieren, den Ebenenmodus auf Überlagern zu setzen und die Deckkraft zu reduzieren.

Eleganter ist ein persönliches Wasserzeichen, das man separat konstruiert. Im Dialog Datei/Neu sollte man in den erweiterten Einstellungen Transparenz als Füllung angeben, das Wasserzeichen in Graustufen erstellen und es anschließend über Datei/Exportieren als PNG-Datei abspeichern. Diese kann man dann in Gimp über einem Foto als Ebene öffnen oder einfach per Drag & Drop einfügen.

Alternative: Mit Watermark V2 lässt sich so ein PNG-Wasserzeichen in einem Rutsch auf eine ganze Reihe JPEG-Fotos übertragen. Position und Deckkraft kann man dabei festlegen. Das Tool erspart Handarbeit, wenn man mehr als ein Foto mit einem Wasserzeichen versehen möchte.

Speichern und Export

Seit Version 2.8 differenziert Gimp zwischen Speichern und Exportieren. Der Befehl „Datei/Speichern unter“ ist für die Ablage im Gimp-eigenen Format XCF bestimmt. Es erhält alle Ebenen, die Transparenz, Textelemente und Pfade. Projekte, in die man viel Arbeit investiert hat, sollte man als XCF-Datei aufbewahren, um später etwas ändern oder Teile in anderen Bildern weiterverwenden zu können.

Für die Ausgabe als JPEG-, TIFF- oder PNG-Datei ist der Befehl Datei/Exportieren vorgesehen. Je nach Dateityp bietet Gimp nach dem ersten Klick auf Exportieren spezifische Zusatzoptionen an, etwa bei PNG den Umgang mit Transparenz, bei TIF mehrere Kompressionsmethoden und bei JPEG den Grad der Kompression. In den erweiterten JPEG-Optionen kann man für den Web-Export das Speichern von Metadaten unterbinden. (akr)

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