Coins für alle Fälle

Wie sich die Kryptowährung Bitcoin langsam etabliert

Wissen | Hintergrund

Währungsspekulationen und Drogenhandel in den dunklen Ecken des Internet – das dürfte den meisten Leuten einfallen, fragt man sie nach Geschäften mit Bitcoins. Doch längst dockt die virtuelle Währung an immer mehr Schnittstellen der normalen Wirtschaft an. So gibt es etwa in Berlin die höchste Dichte Bitcoin-akzeptierender Läden.

Saftiges Lammhack, Kartoffelspalten mit Rosmarin, Humus, Aioli und dazu knuspriges Pitabrot: Das Essen in der Berliner Kneipe Devil’s Kitchen & Bar ist überaus lecker und bissfest real – die Rechnung hingegen lässt sich ganz virtuell mit der Kryptowährung Bitcoin begleichen. Diese für viele immer noch exotische Bezahlmethode ist in der Gegend um die Graefestraße im Berliner Stadtteil Kreuzberg gar nicht mehr so selten. Denn in diesem bunten Viertel, wo Plakate an Altbaufassaden für das neue Album der „Toten Crackhuren im Kofferraum“ werben, hat sich der Bitcoinkiez formiert. Das gleichnamige Blog führt inzwischen 17 Geschäfte, Kleinbetriebe und Vereine auf, die die virtuelle Währung annehmen – darunter mehrere Kneipen und Cafes, zwei Plattenläden, ein Hostel, ein Rohkost-Caterer und sogar eine kleine Brauerei. Keimzelle des Ganzen ist die Burger-Bar Room 77, betrieben von Jörg Platzer, der sich selbst als Bitcoin-Evangelist bezeichnet.

2011 befand Platzer, dass die Zeit reif sei, im Room 77 Bitcoins zu akzeptieren. Das war kurz bevor die virtuelle Währung im Juni des Jahres ihren ersten steilen Kursanstieg an der größten Bitcoinhandelsbörse Mt. Gox hinlegte. Bis fast auf 32 US-Dollar stieg der Wechselkurs. Wenig später folgte der harte Absturz, weil Hacker in die zentrale Kundendatenbank von Mt. Gox eindrangen und digitale Guthaben plünderten. Platzer ließ sich von solchen Ereignissen aber nicht beirren. Ob Room 77 das erste stationäre Geschäft der Welt ist, das Bitcoins akzeptiert hat, ist nicht ganz geklärt. Eine Kneipe in New York war wohl zur gleichen Zeit am Start, ging schließlich aber pleite. „Damit sind wir die Sieger im Geschichtsbuch“, lacht Platzer. Als Mann mit einer Mission gelang es ihm, nach und nach andere Geschäftsleute im Kiez von der virtuellen Währung zu überzeugen. Und die Zahl der Überzeugten wächst stetig: Bis zum Herbst könnten es insgesamt dreißig bis vierzig Betriebe im ganzen Berliner Stadtgebiet sein, darunter auch ein Frisör und ein Zahnarzt, wie Platzer erzählt. ...

Was sind eigentlich Bitcoins?

Die virtuelle Währung Bitcoin gibt es seit 2009, sie geht zurück auf ein 2008 veröffentlichtes Paper von einem gewissen Satoshi Nakamoto, ein Pseudonym für einen oder mehrere unbekannte Entwickler. Bitcoin wird gänzlich ohne Banken über ein dezentrales Netzwerk verwaltet. Jeder, der die Software auf seinem Rechner installiert, kann Teil des Netzwerks sein. In dem derart verteilten, öffentlich einsehbaren Zahlungsverzeichnis namens Blockchain sind alle bisherigen Transaktionen in einer Kette kryptografisch gesicherter Blöcke gespeichert.

Neue Zahlungen werden dort im Prozess des sogenannten „Minings“ gesichert. Dafür können mit dem Netzwerk verbundene Rechner sich an der Lösung einer komplexen mathematischen Aufgabe versuchen – ist einer der „Miner“ erfolgreich, erzeugt er damit einen Transaktions-Block und darf sich als Belohnung derzeit 25 Bitcoin gutschreiben. Auf diese Weise werden dann auch die neuen Bitcoins geschöpft. Die Schwierigkeit der Berechnungen passt sich der zum Mining versammelten Rechenkraft an, sodass etwa alle 10 Minuten ein neuer Block erzeugt wird.

Für Transfers benötigt man lediglich eine öffentliche Bitcoin-Adresse seines Gegenübers. Der Adresse ist ein geheim zu haltender privater Schlüssel zugeordnet, der den Besitz des Guthabens nachweist und mit dem Transaktionen autorisiert werden. Die Client-Software kann solche Adressen in beliebiger Zahl erzeugen.

Bitcoins sind auf acht Nachkommastellen teilbar, die Geldmenge ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Ist die Menge erreicht, werden vermutlich Transaktionskosten eingeführt, um die Miner auch weiterhin zu entlohnen. Bitcoins werden an Bitcoinbörsen wie Mt. Gox, Bitstamp oder Vircurex gehandelt. Außerdem gibt es Online-Marktplätze in eBay-Art wie Bitcoin.de oder Bitcoinslocal.com.

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Weitere Bilder

  • Der Abgeordnete Frank Schäffler (FDP) fragte im Bundestag nach der Bitcoin-Besteuerung.

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