Raus aus dem Elfenbeinturm

Neue Wege in der Ausbildung von Spiele-Entwicklern

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Deutschland ist auf dem Weg zu einem bedeutenden Standort der Spiele-Entwicklung. Die Verantwortlichen in der Branche gefährden jedoch die jüngsten Errungenschaften durch eine ignorante Ausbildungspolitik, wie Professor Jörg Müller-Lietzkow auf der diesjährigen Game Developer Conference (GDC) in Köln darlegte. Der streitbare Professor rief zum Umdenken auf.

Mit seinem Vortrag „Warum Ausbildung wirklich wichtig ist für die Zukunft der Branche“ redete Jörg Müller-Lietzkow den verantwortlichen Vertretern der Spielebranche ins Gewissen. Als kulturwissenschaftlicher Professor an der Universität Paderborn verantwortet Müller-Lietzkow das GamesLab, eine praxisnahe Einrichtung, die 2011 ihren Betrieb aufnahm. Sie erlaubt es den pro Semester jeweils zirka 70 Studierenden, fachübergreifend mit Spieletechniken zu experimentieren und eigenständig spieleaffine Projekte zu gestalten. Einrichtungen wie das Paderborner GamesLab sind selten in der deutschen Hochschul-Landschaft, neben dem Cologne Gamelab der Fachhochschule Köln, der Games Academy in Berlin und wenigen ähnlichen Instituten fristet es ein Schattendasein in der für die Entwicklung von Computer- und Videospielen relevanten Studienlandschaft.

In seinem Vortrag prangerte Müller-Lietzkow insbesondere den fehlenden Praxisbezug der Hochschulen an, der typisch sei für die hiesige Ausbildung. „Gute Schulen haben stets gute Beziehungen zur Industrie, denn nur durch ständiges Ausprobieren lernt der Mensch Neues.“ Ein Hindernis auf dem Weg zu versierten Games-Entwicklern sei das deutsche Bildungssystem, das vor allem auf Probleme und die Analyse der Vergangenheit ausgerichtet sei. Die Ausbildung in den angelsächsischen Ländern sei hingegen minder verschult. Allein in den US-Staaten Texas und Kalifornien gebe es jeweils mehr als 15 Hochschulen mit spielerelevanten Studiengängen. Dabei, so Müller-Lietzkow, brauche die deutsche Games-Branche dringend Fachkräfte: „Der deutsche Spielmarkt hat sich von 1997 bis 2012 aus einem unbedeutenden zum weltweit viertgrößten Entwickler-Markt transformiert“, mit landesweit rund 15 000 fest angestellten Mitarbeitern und international renommierten Studios wie Crytek, Blue Byte und Yager sowie großen Vertriebsfirmen wie Bigpoint. ...

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