Weg mit den Zeitfressern!

@ctmagazin | Editorial

Den viel zu früh verstorbenen Steve Jobs bewundere ich vor allem, weil er Adobe Flash von iOS-Geräten verbannte. Ich hoffe von Herzen, dass sich die Adobe-Chefs jeden Tag wieder darüber ärgern, dass sich iPhones und iPads auch ohne Flash prima verkaufen. Diese Schadenfreude ist ein kleiner Trost für meine Wut über Adobe Flash.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Eine von Betriebssystemen und Hardware-Plattformen unabhängige Laufzeitumgebung - bei Flash eben für Multimedia-Inhalte - halte ich für eine gute Idee. Um nützlich zu sein, müsste eine solche Software-Zwischenschicht schlank, stabil und sicher arbeiten. Doch Adobe Flash frisst CPU-Leistung, Akkustrom und RAM, stürzt häufig ab und birgt trotz häufiger Updates immer neue Risiken. Was habe ich schon an Zeit mit Flash-Updates vertrödelt. Doch mein Ärger kratzt Adobe wohl nicht die Bohne.

Adobe quält mich sogar noch mit einem weiteren Monster: dem Reader für PDF-Dateien. Immer wieder habe ich Alternativen ausprobiert, doch nur der jeweils aktuelle Adobe Reader kommt mit jenen Klickibunti-Orgien klar, die sich Werbeabteilungen täglich frisch ausdenken. Die muss ich akribisch durchforsten - ich suche ja gerade jene Details, welche die Autoren (noch) nicht verraten wollten. Dabei habe ich nicht bloß den Ressourcenhunger des Readers schon oft zum Teufel gewünscht, sondern auch seine bizarren Bedienkonzepte, die manche neue Version bis zur Unbenutzbarkeit verschlimmbesserte.

Oft wünsche ich mir Steve Jobs als persönlichen Racheengel zurück, der Adobe auch für den Reader straft. Gerne würde ich ihn gleich noch auf Oracle-Chef Larry Ellison hetzen, doch angeblich waren die beiden gut befreundet. Ich schließe daraus, dass Jobs nie ein Java-Update ausführen musste - oder dass Ellison bloß Windows-Nutzer quält. Mein Blutdruck schießt jedenfalls auf 190, wenn das Update-Tool für Java jedes einzelne Mal wieder versucht, die nutzlose Ask-Toolbar auf mein System zu schummeln. Wie kann eine Firma bloß so unverschämt sein, Anwender ihres fehlerhaften Produkts bei jedem Reparaturversuch aus Neue abzuzocken? Zur Weißglut bringt mich aber vor allem, dass ich auch noch eine virtuelle Maschine mit einer veralteten Java-Version pflegen muss, die ich aus Sicherheitsgründen nicht ans Internet lassen kann. Ich brauche sie jedoch, weil der Java-Client einer älteren Fernwartungskarte mit der aktuellen Java-Version nicht kooperiert. Das ist das Gegenteil dessen, was ich mir unter Plattform-Unabhängigkeit vorstelle.

Adobe Flash, Reader und Oracle Java sind als clevere Ideen gestartet. Im Laufe der Jahre mutierten sie aber zu Zeitfressern, deren Nutzen in keinem Verhältnis mehr zu Pflegeaufwand, Risiko und Ärger steht. Jedes einzelne der zahllosen Updates weckt bei mir bloß noch den Wunsch, dass dieser Murks endlich verschwindet!

Christof Windeck Christof Windeck

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