Cyborg-Couture

Die Datenbrillen kommen

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Googles Datenbrille Glass ist zwar noch nicht im Handel, dafür aber in aller Munde. Nun sorgt der Hype dafür, dass immer mehr Glass-Konkurrenten angekündigt werden, die – womöglich – noch vor Glass erhältlich sind.

Zumindest in homöopathischen Mengen gibt es Datenbrillen seit Jahrzehnten. Ausgelöst von Googles Hype-Gadget Glass kommt nun aber eine ganze Lawine von Bildschirmbrillen ins Rollen. Optimistische Marktforscher prognostizieren, dass der Verkauf von Datenbrillen im Jahr 2018 die 130-Millionen-Marke knackt – und Umsätze von acht Milliarden US-Dollar generiert. Wie viele der Ankündigungen sich tatsächlich als Produkte materialisieren, ist allerdings noch vollkommen unklar – wir haben uns dennoch durch die vollmundigen Versprechen gearbeitet.

Zu den Ausnahmeerscheinungen gehören Modelle wie die auf Epsons Moverio-Brille basierende Meta von Spaceglasses, die das Bild stereoskopisch anzeigt und über einen großen Teil des Sichtfelds legt. Die meisten Modelle blenden wie Googles Glass ein kleines Display ins rechte periphere Sichtfeld – die Bildwirkung erinnert an einen aus mehreren Metern betrachteten Kleinstfernseher. Das ist zwar hübsch unaufdringlich, eignet sich aber nicht gut für Augmented-Reality-Anwendungen.

Die wohl reduzierteste Datenbrille heißt Ion Glasses und besitzt außer einer seitlich ins Auge blitzenden Status-LED kein Display. Blinkmuster und Farbe kann man einstellen –, sodass ein Anruf beispielsweise mit pinken, Stroboskopblitzern signalisiert wird, eine Mail dagegen mit grünem Dauerlicht. Außerdem fungiert die Ion-Brille mit Bluetooth 4.0 als Fernbedienung für Kamera oder Musikplayer im Smartphone. Die Macher wollen über die Crowdfinancing-Plattform Indiegogo 150 000 US-Dollar zusammenbekommen, die Finanzierung läuft noch bis zum 16. November.

Im Vergleich zur Google Glass wirkt die GlassUp-Brille auf Android-Basis ebenfalls sehr reduziert: Sie zeigt ein monochromes Bild mit 320 × 240 Bildpunkten, das Kameramodul ist optional erhältlich. GlassUp wurde ebenfalls über Indiegogo finanziert, statt der angepeilten 150 000 US-Dollar haben die Macher aus Italien allerdings nur knapp 128 000 Dollar eingespielt. Das Geld bekommen sie wegen des „flexiblen“ Finanzierungsmodells – anders als bei den meisten Crowdfinancing-Aktionen – dennoch ausgezahlt.

Deutlich futuristischer sieht die ORA-S von Optinvent aus. Die 70 Gramm schwere Brille beruht auf Optinvents Reflective-Waveguide-Engine. Die Brille zeigt das Bild mit 640 × 480 Pixeln vor dem rechten Auge an und soll einen noch größeren Blickwinkel erreichen als die zuvor genannte Meta-Brille: Das wahrgenommene Bild soll einem aus vier Metern Abstand betrachteten 70-Zoll-Display entsprechen. Eine VGA-Kamera ist eingebaut, das Entwicklermodell soll im Januar ausgeliefert werden.

Das Datenbrillen-Referenzdesign von OmniVision bietet mit einem monokularen 0,26-Zoll-Prismendisplay mit LCoS-Technik (Liquid Crystal on Silicon) eine Auflösung von 1280 × 720 Pixeln. Der Hersteller gibt im Datenblatt sogar die Leistungsaufnahme an: Das Display genehmigt sich 200 mW im Betrieb und 1,5 mW im Standby. Der Treiber mit 8051-Mikrocontroller benötigt bei 1,2 V 210 mW und bei 3,3 V 120 mW. Die Serienproduktion soll im zweiten Quartal 2014 beginnen.

Die Jet-Brille von Recon Instruments nutzt ebenfalls ein Mikrodisplay vor dem rechten Auge. Es erreicht eine Auflösung von vermutlich 400 × 240 Pixeln (WQVGA in 16:9) und soll wirken wie ein 30-Zoll-Display aus 2,13 Metern Entfernung. Die laut Hersteller bereits erhältliche Brille richtet sich vor allem an Radsportler und Triathleten: Neben Beschleunigungssensor, Gyroskop und Magnetometer ist auch ein Druck- und ein Temperatursensor eingebaut. Der Touchscreen soll bei allen Wetterbedingungen funktionieren – auch mit Handschuhen. Die Brille wird von einem Dual-Core ARM Cortex-A9 mit 1 GHz, 1 GByte RAM und 8 GByte Flashspeicher angetrieben und nutzt als Betriebssystem Android. Ein SDK für eigene Jet-Apps ist geplant. Die Jet kommuniziert per Bluetooth 4.0 und ANT+ mit Smartphones, Herzfreqenzmessern oder Trittfrequenzsensoren. Eine Kamera ist eingebaut.

Zu den Videobrillen-Veteranen gehört Vuzix – seit 1997 arbeitet das US-Unternehmen an Head-up-Displays. Mit der bereits im Januar angekündigten M100 will Vuzix Google Paroli bieten – anders als die Brille des Suchmaschinenherstellers, die mit 640 × 360 Pixeln auflöst, schafft die monokulare M100 aber voraussichtlich nur 400 × 240 (WQVGA in 16:9). Ein OMAP4430-Prozessor mit 1 GHz und 1 GByte RAM treibt das Android-Betriebssystem an, statt mit einer Touchfläche (wie bei Glass) steuert man es mit vier Druckknöpfen. Mit an Bord sind neben den Standard-Smartphone-Sensoren für Lage, Beschleunigung und Kompass auch Mikrofon, Ohrhörer und Kamera. Ein SDK ist bereits erhältlich. (jkj)

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