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Samsung-Smartphones bekommen Region Lock

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Samsung führt eine neuartige SIM-Sperre ein, die den Einsatz von ausländischen SIMs im Urlaub oder auf Dienstreisen erschwert. Ärgerlicherweise geht Samsung dabei nicht besonders transparent vor und lässt Kunden im Regen stehen.

Die Android-Smartphones Galaxy S3, S4, S4 mini, Note 2 und Note 3 werden ab Juli 2013 mit Region Lock ausgeliefert, zu erkennen sind sie an einem Aufkleber auf der Verpackung. Weil Samsung sogar mehrere Wochen nach Einführung des Region Lock nur wenige Details offenlegt und unsere Anfragen nicht beantwortet, haben wir die Leser von heise online um Mithilfe gebeten. Aus den vielen hilfreichen Antworten zeichnet sich folgendes Bild ab:

??? Wie wirkt sich der Region Lock aus?

!!! Geräte mit Region Lock haben eine Liste mit gesperrten Ländern. SIMs aus diesen Ländern (wie China oder Indien) funktionieren nur entweder nach erfolgreicher Aktivierung des Telefons in einem europäischen Land oder nach Eingabe eines Entsperrcodes. SIMs aus europäischen oder nicht aufgeführten Ländern wie den USA funktionieren ohne Einschränkung. In den gesperrten Ländern lassen sich europäische SIMs betreiben, wobei natürlich Roaming-Gebühren anfallen. Eine Liste der Länder finden Sie unter dem c’t-Link am Artikelende.

Wie genau diese Aktivierung erfolgt, ist unklar. Nach aktuellem Kenntnisstand muss man das Smartphone mindestens 10 Tage mit einer europäischen SIM in Europa benutzen. Leser berichten, dass in einem nur eine knappe Woche hierzulande betriebenen Galaxy die Auslands-SIMs nicht funktionieren. Es ist keine Möglichkeit bekannt, die Aktivierung zu beeinflussen oder zu beschleunigen.

Wo bei nicht aktivierten Geräten der Entsperrcode herkommen soll, ist unklar. Samsung sagt, er sei bei Service-Centern im gesperrten Land zu bekommen, doch bisher hat kein einziger Leser davon berichtet, dass das geklappt hätte. Die Betroffenen wurden von hilflosen Samsung-Mitarbeitern erfolglos von einem Service-Kontakt zum nächsten geschickt. Ob so ein Entsperrcode permanent wirkt, ist derzeit unklar. Es gibt Hinweise, wonach er nur 14 Tage gültig ist.

??? Wie erkenne ich, ob mein Telefon betroffen ist?

!!! Trägt die Verpackung den fraglichen Aufkleber, dürfte der Region Lock aktiv sein.

Ein weiterer Hinweis ist die Datei customer.xml, die im Verzeichnis /system/csc zu finden ist – zum Auffinden muss man einen Dateimanager installieren. Sie enthält in den Zeilen mit <NetworkLock> die Liste der gesperrten Länder. Fehlt die Datei oder sind diese Zeilen nicht vorhanden, hat das Gerät keinen Region Lock. Sind die fraglichen Zeilen vorhanden, ist das allerdings kein sicheres Zeichen, dass der Region Lock aktiv ist: Es könnte sowohl sein, dass der Lock nicht scharf geschaltet ist als auch, dass das Gerät korrekt aktiviert wurde.

Wir kennen keine Möglichkeit, in Deutschland herauszufinden, ob der Region Lock in Kraft und ob das Gerät dann aktiviert ist oder nicht. Die einzig bekannte Möglichkeit ist, tatsächlich eine SIM aus einem gesperrten Land einzulegen – laut einem Leser fordern die nicht aktivierten Geräte dann auch in Deutschland einen Entsperrcode an.

??? Kann ein älteres Modell den Region Lock per Update bekommen?

!!! Einige vor Juli ausgelieferte Modelle bekommen per Update Teile des Region Lock wie die customer.xml mitgeliefert.

Es hat sich aber kein Leser gemeldet, bei dem der Einsatz einer Auslands-SIM nicht möglich war – sämtliche Meldungen über gesperrte Geräte betrafen ab Juli gekaufte. Mehrere Leser mit älteren Modellen, die per Update die Sperrliste bekommen haben, konnten SIMs aus den gesperrten Ländern ohne Einschränkungen verwenden.

??? Kann ich in den gesperrten Ländern (wie Indien oder China) lokale SIMs nutzen?

!!! Nach derzeitigem Kenntnisstand funktionieren die hierzulande mindestens 10 Tage betriebenen Smartphones danach ohne Einschränkungen mit allen Auslands-SIMs, ebenso alle älteren Geräte, auch wenn sie die customer.xml per Update bekommen haben.

Viele der Fälle mit gesperrten SIMs lassen sich darauf zurückführen, dass die Geräte nicht in Deutschland aktiviert wurden, sondern erstmals in einem gesperrten Land in Betrieb genommen wurden. Das funktioniert laut Samsung nicht, sondern die SIM muss dann per Code entsperrt werden. Bei einigen Fällen ist aber unklar, ob keine Aktivierung stattgefunden hat oder ob bei der Aktivierung etwas schiefgelaufen ist. Die Sperre ist nicht permanent: Ein Leser berichtet, dass er ein gesperrtes Gerät danach 10 Tage in Deutschland genutzt hat, woraufhin es auch mit der vormals gesperrten SIM im Ausland funktionierte.

Es ist uns kein einziger Fall bekannt, bei dem Samsung den versprochenen Entsperrcode liefern konnte.

??? Wie entferne ich den Region Lock?

!!! Anders als die bekannte Provider-Sperre bei subventionierten Geräten, die der Provider nach der Vertragslaufzeit entsperrt, hat Samsung keinen Weg vorgesehen, den Region Lock zu entfernen.

Inzwischen gibt es eine App (siehe c’t-Link), die auf gerooteten Note 3 den Lock entfernt. Eine russische Webseite (siehe c’t-Link) verkauft Entsperrcodes unter Angabe der IMEI-Nummer. Die sollen in vielen, aber nicht allen Fällen funktioniert haben.

Ein Leser hat auf einem gesperrten Gerät einen Root durchgeführt und die Sperrliste aus customer.xml entfernt. Das hat seine SIM-Sperre nicht entfernt. Möglicherweise verhindert das Löschen der Sperrliste nur, dass zukünftig eingesetzte SIMs gesperrt werden. Erfahrungen dazu stehen noch aus. Auch wissen wir noch nicht, was das Aufspielen eines CustomROM bringt.

??? Was bewirkt Samsung mit der Sperre?

!!! Anders als anfangs vermutet – und anders als bei den bisherigen Provider-Sperren – geht es Samsung wohl nicht darum, den Mobilfunk-Providern Einnahmen durch Roaming-Gebühren zu verschaffen, sondern der Region Lock soll Grauimporte verhindern. Warum allerdings wie Leser berichten die in Hongkong, Australien und den Philippinen erhältlichen Geräte ohne Lock verkauft werden, ist unklar.

Fazit

Ärgerlich bleibt vor allem, dass Samsung die Käufer im Unklaren lässt, ob ihr Gerät mit Region Lock nun korrekt aktiviert wurde oder nicht, und dass der versprochene Workflow für die Entsperrcodes auch Wochen nach Einführung der Sperre nicht funktioniert. So gibt es derzeit zahlreiche Samsung-Kunden, die ihr Smartphone im Ausland nicht nutzen können. Ein Leser hatte sich ein S3 sogar auf Anraten des Samsung-Supports aus Deutschland schicken lassen, statt eines in China zu kaufen – und nun wird er von Samsung im Regen stehen gelassen. Ein Leser berichtet, dass seine nigerianischen Kollegen sich nun kriminalisiert fühlen, wenn sie während Dienstreisen auf den Umsteigeflughäfen wie Amsterdam, Frankfurt, Paris oder London sich neue Smartphones kaufen, die in ihrer Heimat nicht funktionieren.

Immerhin scheint die Gefahr nicht zu bestehen, dass schon verkaufte Geräte per Update kastriert werden. (jow)

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