Androids auf Speed

Android 4.4 für Smartphones und Tablets

Trends & News | News

Die neue Android-Version bringt mehr Geschwindigkeit, einen Fullscreen-Modus und unzählige Verbesserungen unter der Haube. Updates bleiben jedoch problematisch – Google verweigert sie selbst dem erst zwei Jahre alten Galaxy Nexus.

Erstmals wählte Google bei der Bezeichnung der Android-Versionen nach Süßigkeiten (mit aufsteigenden Anfangsbuchstaben) statt einer generischen Bezeichnung wie Donut oder Jelly Bean einen Markennamen: KitKat. Wie Googles Credo „Don’t be evil“ zur Zusammenarbeit mit einer Firma wie Nestlé passt, der Kinderarbeit, unfairer Grundwasserhandel und unnötige Tierversuche vorgeworfen werden, bleibt unklar. Geld ist bei dem Deal laut einem Interview mit dem BBC jedenfalls nicht geflossen: So müssen weder Nestlé-Boykottierer von Android-Smartphones die Finger lassen, noch iPhone-Fans fürchten, mit ihrem Süßigkeitenkauf Android zu finanzieren.

Android 4.4 nimmt besonders viel Rücksicht auf schwachbrüstige Systeme, es kommt laut Google mit 512 MByte Hauptspeicher zurecht. Auf kräftigeren Geräten soll man ein verbessertes Multitasking spüren und schnellere Reaktionen auf Berührungen.

Im neuen Fullscreen-Modus füllt eine App das gesamte Display; Menü- und Statuszeile verschwinden dann, der Nutzer kann sie mit einer einheitlichen Geste wieder hervorholen. Apps müssen für diesen „Immersive Mode“ allerdings vorbereitet sein, zusätzlich können sie eine transparente Statuszeile einblenden.

Auch den Zugriff auf beliebige Cloud-Dienste lernen die Apps nur per Update. Wenn sie ihre Dateizugriffe über das neue Framework abwickeln, können sie sämtliche installierten Cloud-Dienste nutzen, ohne dass der Nutzer die Zugangsdaten jeder App einzeln mitteilen muss. Bisher haben wir Googles Quickoffice als App gefunden und als Client Google Drive und Box; Dropbox und Skydrive gehen noch nicht. Unterstützt eine App den neuartigen Zugriff, kann sie direkt auf alle installierten Cloud-Dienste zugreifen – wir haben keine Möglichkeit gefunden, einzelnen Apps den Zugriff zu einzelnen Diensten zu verwehren.

Die Google-Tastatur schaltet nun – ähnlich wie von WhatsApp bekannt – zwischen Buchstaben und Smilies um. So kann man letztere in jeder App eingeben, doch dürften viele Apps statt der bunten Icons nur deren Text-Repräsentationen anzeigen.

Für misstrauische Nutzer bedenklich ist, dass das Smartphone nun ständig mitlauscht, wenn die App Google Now läuft. Hört sie „Ok Google“, interpretiert sie die darauf folgenden Wörter als Sprachbefehl. Beim neuen Referenz-Telefon Nexus 5 (siehe Seite 54) geht das sogar vom Startbildschirm aus. Auch andere Features sollen dem Nexus 5 vorbehalten sein. Dazu gehört die automatische Suche unbekannter Anrufer-Nummern beispielsweise bei Google+. Wer nicht will, dass Nexus-Nutzer automatisch das eigene Profilbild zu sehen bekommen, wenn man sie anruft, muss das in seinem Google+-Account abschalten (siehe Link).

Was Android 4.4 weiterhin fehlt: Findige Nutzer hatten schon in Version 4.3 Anzeichen für ein Rechtemanagement gefunden, mit dem der Nutzer einer ihm windig erscheinenden App bestimmte Rechte wieder entziehen kann [1]. Davon ist in Android 4.4 nichts zu sehen; es gilt also wie bisher: Eine App bekommt entweder alle gewünschten Rechte oder lässt sich nicht installieren.

Updates angekündigt

Das Nexus 5 wird direkt mit Android 4.4 ausgeliefert. Für den Vorgänger Nexus 4 sowie zumindest die WLAN-Versionen der Google-Tablets Nexus 7 und 10 dürfte das Update schon bei Erscheinen des Hefts erhältlich sein. Auch die hierzulande nicht erhältlichen Google-Editionen des HTC One und des Samsung Galaxy S4 sollen es bekommen.

Hingegen gehen die Google-Telefone Galaxy Nexus und Nexus S leer aus. Die offizielle Begründung lautet, sie hätten ihre 18-monatige Update-Phase überschritten. Inoffiziell heißt es allerdings, es gäbe für einen der Chips keinen Treiberprogrammierer mehr. Beschämend für Google: Die CustomROM-Szene hat schon Alpha-Versionen mit Android 4.4 für das Nexus S und Galaxy Nexus fertiggestellt (siehe Link am Artikelende).

HTC will das One Anfang nächsten Jahres mit Android 4.4 ausstatten; auch das One mini und One Max sollen folgen. Sony will die Smartphones Xperia Z, ZL, Z1 und Z Ultra sowie das Tablet Z upgraden, zu noch unbekannten Terminen. Samsung hat bisher weder Modelle noch Termine genannt, testet aber angeblich das Galaxy S4 und Note 3.

Das sieht also genauso verhalten aus wie bei den bisherigen Updates – obwohl den Herstellern durch den geringeren Ressourcenhunger die Ausrede flöten geht, ein altes Gerät könne aufgrund schlechter Ausstattung kein Update bekommen. Die Flaschenhälse bleiben aber der späte Zugriff der Gerätehersteller auf den Source-Code und die langwierige Validierung der Updates durch die Netzbetreiber. Auch das lässt Android 4.4 also unverändert: Schnelle Updates gibt es nur bei den Nexus-Modellen. (jow)

Literatur
  1. [1] Jörg Wirtgen, Trimm dich, Google bringt Android 4.3 mit eingeschränkten Profilen, c’t 18/13, S. 22
Neuerungen in Android 4.4

 geringere Hardware-Anforderungen

 Emoji-Icons in Standard-Tastatur

 Bluetooth MAP (Message Access Profile)

 Video-Untertitel zentral konfigurierbar

 leichtere Einbindung weiterer Launcher

 Bezahlsystem Host Card Emulation

 Stromsparmodi für Sensoren/Audio

 Testversion des nächsten Android-Compilers ART zum Ersatz von Dalvik

 

Neuerungen für angepasste Apps

 Fullscreen-Modus

 verbesserte Druckerunterstützung

 Zugriff auf alle Cloud-Dienste

 Apps mit Web-Zugriff nutzen Chrome

 GPU-Unterstützung für RenderScript

 besserer Zugriff auf SD-Karten

 

Neuerungen in Google-Apps

 automatische Kontakt-Favoriten

 höher aufgelöste Cover in Music/Video

 Now-Spracheingaben ohne Knopfdruck

 Tool zum Erzeugen von Screencasts

 Neuerungen in GMail und Quickoffice

 

weitere Neuerungen nur beim Nexus 5

 Nummernsuche im Internet bei unbekannten Anrufern

 Hangout, SMS und MMS in einer App

 Spracheingabe am Startbildschirm ohne Knopfdruck

Artikel kostenlos herunterladen

weiterführende Links

Kommentare

Anzeige
Artikel zum Thema
Anzeige