Bittere Schokolade

@ctmagazin | Editorial

Endlich liegt es vor mir auf dem Tisch. Langsam führe ich den Finger an seiner schlichten, aber eleganten Form entlang. Glücklich sollte ich über mein neues Nexus 5 sein. Bin ich aber nicht. Ganze 22,45 MByte trennen mich vom Glück. So viel Speicher belegt die App "Google-Suche" - ein Stachel, der mich fortwährend pikst.

Google-Suche? Tun wir das nicht alle? Ja, aber die meiste Zeit tun wir es nicht. Die Möglichkeit, nicht zu suchen, nimmt uns Google aber in Android 4.4 (Kitkat) weg und damit auch dem neuen Nexus. Konnte man die Google-Suche früher einfach deaktivieren, ist sie nun mit der Oberfläche des Betriebssystems verschmolzen und damit unverzichtbar. Und sie sendet fröhlich Daten an die Suchmaschine: Dinge, die ich sage, wo ich bin oder mit wem ich telefoniere. Das sei alles nötig, um mir das Leben zu erleichtern - ob ich will oder nicht. Vielen Dank auch.

Ich habe also 400 Euro bezahlt, damit Google seine Sonde noch tiefer in mein Privatleben einführt, um dort Daten zu sammeln. Und für die Übermittlung an Google komme ich auch noch auf. Das scheint mir kein besonderes Schnäppchen zu sein. Vielleicht wäre es sogar günstiger, ein iPhone zu kaufen - in der naiven Hoffnung, dass Apple mit seinen hohen Preisen genug verdient, um die Finger von meinen Daten zu lassen. Doch ich mag deren kleine Displays nicht. Und weitere Alternativen sehe ich nicht. Denn bei den anderen Systemen fehlt die App-Vielfalt, die aus einem Smartphone ein universelles Werkzeug macht.

Ob ich das Nexus 5 behalte oder nicht: Früher oder später führt kein Weg am neuen Android vorbei. Fürs Erste habe ich Google Now abgeschaltet, Launcher, Dialer, Maps und so weiter gegen Apps anderer Hersteller getauscht und die Google-Suche von der Oberfläche verbannt. Sie bleibt aktiv, doch ihr Speicher scheint sich nun langsamer zu füllen. So hoffe ich, meine Daten auf viele Firmen zu verteilen, damit erst die NSA sie zu einem Gesamtbild zusammenfügen kann.

Eine bessere Lösung habe ich bisher nicht gefunden. Ich könnte das Nexus 5 rooten und Android radikal ausmisten, doch das hat erfahrungsgemäß nutzwertmindernde Nebenwirkungen. Ich hoffe daher auf eine Custom Firmware, die Kitkat genießbarer macht. Bis dahin gilt für Android und Google, was Frank Sinatra über die Liebe und die Ehe sang: "You can’t have one without the other."

Axel Kossel Axel Kossel

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