Klassik modern

Ein Blick hinter die Kulissen der Digital Concert Hall

Wissen | Reportage

Die Berliner Philharmoniker sind eines der weltweit bekanntesten Symphonieorchester. Statt nach Berlin zu fahren oder auf einen der seltenen Gastauftritte zu warten, kann man das Ensemble auch über das Streaming-Angebot der Digital Concert Hall live erleben.

Das schmucklose Foyer des Ost-Eingangs der Berliner Philharmonie war bei Fertigstellung des von Hans Scharoun entworfenen Gebäudes im Jahre 1963 der Hintereingang mit Blick auf den Todesstreifen. Inzwischen liegt es vis-à-vis zu einem der touristischen Hotspots in Berlin, dem Potsdamer Platz. Das in sich verschachtelte Gebäude versteckt sich ein wenig hinter den in der Nachwendezeit hochgeklotzten Wolkenkratzern – im Zentrum liegt der fünfeckige Konzertsaal.

Der Eingang wird als Künstlereingang genutzt. Im Minutentakt platzen Mitglieder des Orchesters energiegeladen in die Lobby, huschen mit skurril geformten Instrumentenkoffern bepackt durch den Raum. Heute ist öffentliche Generalprobe für die am selben Abend stattfindende Konzertpremiere. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Beethoven und Sibelius. Vor der Tür sammeln sich bereits ganze Schulklassen, um dem Ereignis beizuwohnen. Zum einen probt das Orchester im großen Konzertsaal, zum anderen probt ein halbes Dutzend Techniker die Live-Ausstrahlung des Konzertes über die weltweit zugängliche Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Deshalb bin ich hier. ...

Wege in die Digital Concert Hall

Das digitale Dauer-Ticket für die Berliner Philharmoniker gibt es im monatlich kündbaren Abo für 15 Euro. Alternativ kann man zeitlich begrenzte Tickets erwerben, deren Zeitraum 1 Woche (10 Euro), 1 Monat (25 Euro) oder 1 Jahr (150 Euro) umfasst. Ein gültiges Ticket sichert den Zugriff auf die etwa 40 Live-Übertragungen im Jahr und auf das derzeit etwa 220 Konzerte umfassende Gesamtarchiv der vergangenen 5 Jahre.

Im Archiv finden sich auch Hintergrundgespräche zu einzelnen Konzerten, Künstler-Interviews und eine Handvoll Dokumentarfilme. Abrufbar ist die Digital Concert Hall über den Browser am PC oder über die kostenlose App für iOS-Geräte. Neuerdings gibt es auch eine Metro-App für Windows 8. Auch mit aktuellen Smart-TVs von Samsung, Sony, LG und Panasonic kann man Live-Konzerte und Archivmaterial anschauen. Ältere Sony-Geräte erlauben zumindest den Archivzugriff. Die Hersteller verpacken aktuelle Smart-TV-Technik oft auch in vernetzte Blu-ray-Player oder Medienspieler, die dann ebenfalls auf die DCH zugreifen können.

Live-Konzerte und Mitschnitte werden ausschließlich mit Stereoton übertragen. Sony hat Heimkino-Receiver im Angebot, die die akustischen Eigenschaften der Berliner Philharmonie mithilfe einer virtuellen Raumsimulation per DSP nachbilden (siehe Kasten „Wohnzimmerkonzert“). Generell lassen sich die Inhalte aus der Digital Concert Hall nur im Streaming-Verfahren empfangen. Lediglich die Apps für iPad und iPhone verfügen über einen Offline-Modus, mit dem sich ganze Konzerte in DRM-geschützter Form auf dem Gerät ablegen lassen.

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Weitere Bilder

  • Im Studio 6 verfolgen Regisseur, Kameramann und Regieassistenz das Geschehen im Konzertsaal auf dem Monitor.
  • Der Regisseur muss Partitur und Kameraeinstellungen im Blick haben und die Kameras zur richtigen Zeit aufschalten.
  • Blick von der Bühne in den Zuschauerraum: Von hier aus sind die im Saal platzierten Kameras kaum zu erkennen.
  • Sonys Heimkino-Receiver STR-DN1040 berechnete beim Hörtest das Hallfeld der Berliner Philharmonie.

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