Ist das Kunst?

Videospiele zwischen finanziellem Erfolgsdruck und kultureller Akzeptanz

Wissen | Hintergrund

Fünf Jahre nach dem offiziellen Ritterschlag zum Kulturgut werden Videospiele hierzulande noch immer künstlerisch nicht für voll genommen. Spiele-Entwickler sind oft auf sich allein gestellt und müssen Experimentelles auf dem Altar kommerzieller Interessen opfern. Damit Deutschland nicht zur kreativen Steppe verkommt, fordern die Köpfe der Branche zum Umdenken auf.

Einer, der in Sachen Stil und Finanzierung bisher alleine durchkam, ist Jonas Kyratzes. Sein jüngstes Adventure „Ithaka of the Clouds“ erzählt die Geschichte von zwei Trollen und enthält viele Referenzen auf den griechischen Dichter Konstantinos Kavafis. „Ein Spiel muss für mich Inhalt haben. Wir haben viele Bezüge mit einfließen lassen: Literarische, philosophische, erzählerische“, erklärt der Entwickler. Seine Frau Verena zeichnet die märchenhaften Szenen und Details im Bilderbuch-Stil, obwohl es keine Spiele für Kinder sind.

Bilderbuch-Erfolg

Über die Jahre haben sich die Kyratzes eine Fan-Gemeinde aufgebaut, die ihnen schließlich die Finanzierung ihres Spiels „Ithaka of the Clouds“ über die Crowdfunding-Plattform indiegogo ermöglichte. 12 000 US-Dollar waren ihr Ziel, geworden sind es 14 410 US-Dollar – innerhalb von einem Monat. Bis vor Kurzem wurden Kyratzes Spiele wegen der kindlich wirkenden Illustrationen belächelt. Das ändere sich gerade. „Es waren die Fans, die unser Werk finanziert haben“, sagt Kyratzes, der erst mit dem Vorgänger „The Sea Will Claim Everything“ vor einem Jahr den Schritt von Freeware-Downloads zu kostenpflichtigen Veröffentlichungen gewagt hatte. Ende 2012 hat ihn die britische Tageszeitung Daily Telegraph in den Finalistenkreis für das beste Spiel-Drehbuch des Jahres gewählt. Dann kam der Crowdfunding-Erfolg. Dennoch rechnet Kyratzes den Stundenlohn lieber nicht aus. „Das Geld hat uns sehr geholfen. Aber wir überleben wie viele Künstler von Tag zu Tag.“ Eine direkte Förderung würde für ihn vieles erleichtern: „Leider ist es noch nicht so weit, dass Computerspiele als Kunst anerkannt sind.“ Steuervereinfachungen und -Erleichterungen für Entwickler würden ebenfalls helfen. Derzeit sucht Kyratzes beispielsweise einen Steuerberater, der ihm beantworten kann, ob die Einnahme aus dem Crowdfunding nun mit oder ohne Mehrwertsteuer anzugeben ist. ...

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