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Handy als Türöffner

In Hotels mit moderner Ausstattung sind Zimmerschlüssel längst verschwunden. Genutzt werden dort inzwischen vor allem Magnetkarten- oder Transponderschließsysteme auf RFID-Basis. Geht es nach Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt, könnten aber auch diese Systeme bald der Vergangenheit angehören: Mit der vom SIT entwickelten App „ShareKey“ lassen sich Smartphones, die mit NFC-Technik (Near Field Communication) ausgestattet sind, auch als Türöffner verwenden. Dem Gast wird dazu ein individuell programmierbarer digitaler Schlüssel in Form eines Zugangstokens per E-Mail, MMS oder QR-Code auf das Mobiltelefon transferiert. Führt man das Gerät dann in wenigen Zentimetern Abstand an dem ebenfalls mit NFC-Schnittstelle ausgestatteten Schloss vorbei, soll sich die Tür für berechtigte Nutzer innerhalb von weniger als einer halben Sekunde öffnen lassen.

Fraunhofer-Angaben zufolge ist das ShareKey-Konzept, das bislang nur als Andoid-Lösung vorliegt, auch auf Büroumgebungen, Fuhrparks oder Schließfach-Infrastrukturen (z. B. Paketstationen) anwendbar – und selbst Heimanwender könnten von der Technik profitieren, etwa um Vertrauenspersonen in Notfällen den Zugang zur eigenen Wohnung zu ermöglichen, wenn man gerade im Urlaub ist. Für Sicherheit soll unter anderem die „BizzTrust for Android“-Technik des SIT sorgen. Diese reserviert einen eigenen Anwendungsbereich für „ShareKey“ auf dem Smartphone und schützt sensible Informationen vor nicht autorisierten Zugriffen. Da für das Öffnen einer Tür zudem eine Kombination von Daten benötigt werde, die im zugesandten verschlüsselten Token und in der App auf dem Smartphone des Nutzers liegen, könnten Unbefugte mit einem abgefischten digitalen Schlüssel nichts anfangen, versichern die Fraunhofer-Forscher. Auf der anstehenden CeBIT in Hannover (5. bis 9. März) wollen sie verschiedene ShareKey-Anwendungsszenarien präsentieren. (pmz)

Microsoft Research zieht Jahresbilanz

Rund 9,8 Milliarden US-Dollar hat Microsoft im Jahr 2012 für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ausgegeben. Was dabei an neuen Ideen, Lösungen und Produkten herausgekommen ist, lässt sich zumindest teilweise in aktuellen Berichten von elf über den Globus verteilten Forschungseinrichtungen des Konzerns nachlesen („Microsoft Research: 2012 in Review“, siehe dazu auch nachfolgenden c’t-Link). So freut sich beispielsweise Jennifer Chayes, Leiterin des neuen Microsoft-Forschungslabors in New York City, insbesondere über den Erfolg von David Rothschild. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler hatte schon zu seiner Zeit bei Yahoo einen Algorithmus entwickelt, der die Stimmung bei USA-typischen „The winner takes it all“-Entscheidungen auf Präsidentschafts-, Gouverneurs- und Senatoren-Ebene offenbar sehr gut abbilden kann. Bei der US-Präsidentschaftswahl Anfang November gelang es Rothschild gemeinsam mit zwei weiteren Microsoft-Research-Kollegen nun, bis auf Florida die Abstimmungsergebnisse in allen Bundesstaaten richtig vorherzusagen. In seine „Fundamental Models for Forecasting Elections“ (siehe c’t-Link) fließen unter anderem Parameter wie Konjunkturindikatoren, biografische Informationen und öffentliche Akzeptanzwerte der Kandidaten ein.

Microsoft-Forschungschef Rick Rashid präsentierte unterdessen auf der „Computing in the 21st Century Conference“ in der chinesischen Metropole Tianjin persönlich eine automatisierte Dolmetscherlösung, die es ermöglicht, gesprochenes Englisch simultan in Mandarin zu übersetzen und bei der akustischen Ausgabe gleichzeitig die charakteristischen Merkmale der Sprecherstimme zu erhalten. Das System versucht dabei nicht, einzelne Phoneme zu erkennen, sondern arbeitet mit Phonem-Gruppen (sogenannten Senonen), die eine akustisch homogene Einheit repräsentieren und von einem Hidden-Markov-Modell verarbeitet werden, um eindeutigere Wortzuordnungen zu erzielen. Als weitere bedeutende Entwicklungen des Jahres 2012 nennen die Microsoft-Forschergruppen unter anderem die Programmierung eines neuen Software-Modells, das Social-Media-Kanäle als Quelle für Produkt-Feedbacks nutzt und auf diese Weise helfen soll, Entwicklungszyklen zu verkürzen, sowie eine neue Technik zur Vorwärtsfehlerkorrektur (Locally Reconstructable Code). Microsofts „Station Q“ stellte zudem neue Ansätze für Quantencomputerarchitekturen vor – und Arbeiten der Research-Teams flossen in die Krypto-Mechanismen von Windows 8 ein. (pmz)

Kleinster stabiler Magnet

Wissenschaftlern der Universität Hamburg, der Universität Bremen und des Forschungszentrums Jülich ist es gelungen, einen stabilen Magneten zu konstruieren, der aus lediglich fünf Eisenatomen besteht. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift Science unter dem Titel „Current-driven spin dynamics of artificially constructed quantum magnets“ (siehe c’t-Link) berichten, setzten sie die Eisenatome mit einem speziellen Rastertunnelmikroskop bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt auf einer Kupferoberfläche zu Clustern zusammen. Die Atome wurden dabei auf Grundlage von theoretischen Vorberechnungen so ausgerichtet, dass der Magnetismus der einzelnen Atome zusammenwirkt und die Cluster nach außen hin als eine Einheit – als ein Spin – auftreten.

Die Forscher konnten somit nachweisen, dass sich bereits mit wenigen Eisenatomen stabile magnetische Pole ausbilden lassen, die zudem durch Spin-polarisierte Ströme umgeschaltet werden können. Für die theoretische Behandlung stellten nanomagnetische Systeme eine enorme Herausforderung dar, unterstreichen die Wissenschaftler. Quanteneffekte würden dafür sorgen, dass sich die Elektronen in diesen Systemen nicht unabhängig voneinander verhalten, sondern stark korrelieren. Die Forschungsergebnisse seien daher wichtig für das Verständnis vom Magnetismusverhalten kleinster nanoskaliger Partikel und Cluster und könnten die Entwicklung neuer magnetischer Datenträger mit hohen Speicherdichten vorantreiben. (pmz)

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