Geek-Lichter

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Philips’ sparsamer Glühbirnenersatz mit Farbwechsler und Funkmodul lässt sich via App und Schalter steuern.

Im Starter-Kit der Beleuchtungsserie „Hue“ stecken drei hübsch drapierte LED-Leuchtmittel für die „dicke“ E27-Fassung und ein rundes Kistchen. Bei Letzterem handelt es sich um die „Hue-Bridge“. Sie wird per Ethernet mit dem heimischen Router verbunden und kann ihrerseits über ein Funkprotokoll im 2,4-GHz-Band (ZigBee) die LED-Lampen ansteuern. Als Fernbedienung dient ein iOS- oder Android-Gerät – die passende App gibt es von Philips gratis dazu. Das Hue-System lässt sich auf bis zu 50 Leuchtmittel erweitern.

Die „Installation“ des Systems ist schnell erledigt: Leuchtmittel austauschen und die App auf das Mobilgerät laden. Sobald man eine Hue-Lampe an den Strom hängt, verhält sie sich wie eine Glühbirne und leuchtet auch so: Mit 600 Lumen bietet sie die Lichtausbeute einer 50-Watt-Glühbirne und ist von dieser bezüglich ihrer Lichtfarbe nicht zu unterscheiden. Das konservative Einschaltverhalten hat den Vorteil, dass beim Betätigen des guten alten Lichtschalters einfach nur das Licht angeht. Wer die Lampen ständig unter Strom hält, um sie über die Hue-Bridge zu steuern, findet nach einem Stromausfall allerdings ein voll erleuchtetes Haus vor. Die Hue-App muss man einmalig mit der Bridge verbinden, hierzu drückt man lediglich den Sync-Knopf auf der Bridge.

Die iOS-App kommt mit 16 vorgefertigten Lichtszenen – mit einem Druck werden alle drei LED-Leuchten sanft auf die festgelegte Farbe eingestellt. Eigene Lichtszenen lassen sich generieren, indem man eines der eingebundenen oder auch ein eigenes Foto nutzt. Man ruft sie als Farbvorlage innerhalb der App auf und setzt für jede Leuchte einen Slider auf die gewünschte Position des Fotos. Die Hue-Lampen leuchten nun in der Farbe des angewählten Pixels. Die so erstellten Lichtszenen lassen sich einfach abspeichern. Alternativ kann man die Farbe über eine eingeblendete Farbpalette wählen oder sich nur in einer auf Warm- und Kaltweiß reduzierten Palette bewegen.

Eine Weckerfunktion ermöglicht das automatische Anfahren von Lichtszenen. Der fast identischen Android-App fehlt diese Funktion, genau so wie die Möglichkeit der Remote-Bedienung des gesamten Systems. Nach der Registrierung auf www.meethue.com kann man Hue per iOS auch von unterwegs steuern – falls man vom Urlaubsort aus mal das Licht zu Hause anmachen möchte. Mit MagicHue und Hue Disco gibt es Apps von Drittanbietern, die das Hue-System zur Lichtorgel mit Mikrofonsteuerung aufbohren.

Philips nutzt ZigBee schon länger für seine Leuchten der Living-Colors-Serie. Ambient-Lichter und Fernbedienungen der zweiten Generation sind daher zu Hue kompatibel und lassen sich damit zu einem System verschmelzen. Living Colors und Hue sind dann sowohl via App als auch über die Funkfernbedienung zu steuern – im direkten Vergleich kommt einem die App dabei eher umständlich vor. Zwar kann man beliebig viele Szenen hinterlegen und direkt abrufen, das Auswählen einer bestimmten Farbe geht über das Farbrad der klassischen Fernbedienung jedoch deutlich schneller vonstatten.

Die Hue-Bridge nimmt Steuerbefehle auch über ihr integriertes Webinterface entgegen. Im Web finden sich zahlreiche Projekte rund um die vernetzten LED-Leuchten; die Seite www.everyhue.com gibt einen guten Überblick. Mit Hue kann man das System über die Windows-Kommandozeile oder Batchdateien steuern, außerdem gibt es eine Software zum Einbinden einer Hue-Steuerung in die Taskleiste von Mac OS X, ein Apple-Script zum optischen Signalisieren von eingehenden Mails oder PHP-Skripte zum Aufbau einer Web-Fernbedienung.

Der gemessene Verbrauch der Hue blieb deutlich unter den angegebenen 8,5 Watt. Die im Innern steckenden elf SMD-LEDs (fünf Limettengrün, vier Orangerot und zwei Königsblau) und die gesamte Steuerelektronik nebst Funkmodul brachten es maximal auf 6,3 Watt. Schaltet man die Hue im Glühbirnenmodus über einen einfachen Netzschalter ein, sind es sogar nur 5,2 Watt. Selbst wenn man den Standby-Verbrauch von 0,4 Watt noch hinzurechnen muss, verbraucht die Hue bei etwa drei Betriebsstunden am Tag nur etwa ein Neuntel des Stromes einer Glühbirne. Hinzu kommt noch die Hue-Bridge, die 1,6 Watt verbraucht.

Derzeit wird Hue nur über Apple vertrieben. Das Einsteigerset kostet 200 Euro, eine weitere LED-Leuchte 60 Euro – beides war zum Redaktionsschluss ausverkauft. Laut Philips werde Apple jedoch wöchentlich mit weiteren Einheiten beliefert.

Für sein Geld bekommt man ein ausgereiftes Beleuchtungssystem, mit dem man sein Haus stimmungsvoll in Szene setzen kann – wenn man noch Lampen mit E27-Fassung besitzt. Die Apps sind verbesserungswürdig, eigentlich sollte jedem Set auch eine Fernbedienung wie bei den Living Colors beiliegen. In jedem Fall eröffnet einem die Hue-Bridge eine bunte Spielwiese, auf der man sich in Sachen Programmierung austoben kann. (sha)

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