Abschied vom Wechselakku

Hersteller und Umweltschützer streiten um die Bauweise von Tablets und Smartphones

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Bild: iFixit

Die EU-Kommission hat entschieden: Der Weg für fest eingebaute Akkus bleibt frei. Was das für Umwelt und Verbraucher bedeutet, ist umstritten.

Am Ende waren alle Appelle vergebens. Zuerst hatte die Bundesregierung die EU-Kommission im Februar 2012 aufgefordert, die Umweltauswirkungen von Geräten mit fest eingebauten Akkus zu untersuchen. Im Juni drängelte sie per Mail, das Thema endlich anzugehen. Im November legte der Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, nach: „Dass das verschleißträchtigste Bauteil nicht einfach ersetzt werden kann, ist grotesk. Das muss man verbieten“, sagte er mit Blick nach Brüssel.

Flasbarths Äußerung sorgte für saftige Schlagzeilen wie „Umweltbehörde will iPad-Verbot“, blieb aber letztlich folgenlos. Die EU-Kommission entscheidet im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie eigenständig, welche Produktgruppen sie von Umweltwissenschaftlern untersuchen lässt. Nur für diese kann sie anschließend strengere Anforderungen erlassen. ...

Argumente für und gegen fest eingebaute Akkus

Die Hersteller sind dafür

HP

(Kirstie McIntyre, Environmental Responsibility)

„Bei einigen unserer Notebooks ist der Akku in das Gehäuse integriert. Dadurch wird das Produkt dünner und leichter – und der Aufwand für den Transport sinkt signifikant. Für den Akkutausch benötigt man lediglich einen Schraubendreher.“

Dell

(Markus Stutz, Environmental Affairs)

„Geräte mit fest eingebautem Akku können dünner und leichter gebaut werden. Zudem kann der fest eingebaute Akku zu stabileren Geräten führen.“

Lenovo

(Magnus Piotrowski, Environmental Affairs)

„Neue Bauformen werden möglich, da zum Beispiel der Akku über das Gerät verteilt werden kann.“

Umweltschützer und Recycler sind dagegen

Umweltbundesamt

(Jochen Flasbarth, Präsident)

„Dass das verschleißträchtigste Bauteil nicht einfach ersetzt werden kann, ist grotesk. Das muss man verbieten.“

Greenpeace

(Casey Harrell, Aktivist)

„Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Leute sich Spezialwerkzeug kaufen und herumbasteln. Die Alternative ist, das Produkt für teures Geld einzuschicken – und auf die Rücksendung zu warten. Die meisten werden einfach ein neues Gerät kaufen.“

ELPRO Elektronik-Produkt Recycling

(Dirk Schöps, Geschäftsführer)

„Ich sehe Handlungsbedarf, fest eingebaute Akkus zu verbieten. Nickel und Kobalt aus den Akkus lassen sich nur gewinnen, wenn sie nicht mit Ballast aus Geräten verdünnt werden. Für Kupfer und Edelmetalle gilt das gleichermaßen.“

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c't 05/2013, Seite 70 (ca. 2 redaktionelle Seiten)
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