IBM Connect 2013

IBM setzt weiter auf Social Business

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Vom 27. bis zum 31. Januar fand in Orlando, Florida die IBM Connect 2013 statt. Nur noch ein Teil der Veranstaltung trug den alten Namen Lotusphere – ein Veteranentreffen im Rahmen einer Business-Konferenz.

Die Konferenz war gut besucht; IBM spricht von 6000 Teilnehmern, 250 davon aus Deutschland. Insgesamt 400 Sprecher gab es, das Programm reichte von sehr technischen Themen bis zu leichter verständlichen Überblicksvorträgen. Wie üblich wurde die Veranstaltung von einem prominenten Sprecher eröffnet. Der Schauspieler Joseph Gordon-Levitt sprach über sein Unternehmen Hitrecord.org, das sich als „Open Collaborative Production Company“ bezeichnet. Während bei vielen geladenen Rednern der Bezug zum Event bemüht wirkte, konnte Gordon-Levitt neue Formen der Zusammenarbeit glaubhaft vortragen. Auch IBM gelang es dieses Jahr, das Thema „Social Business“ mit mehr Inhalt zu füllen.

Neuer Name

Notes Version 9 wird das erste Major Release in fünf Jahren. Dennoch investierte IBM in die Ankündigung nur zwei Minuten und drei Präsentationsbilder innerhalb einer zweieinhalbstündigen Keynote.

Aktuell in Beta, soll Notes/Domino 9 im März verfügbar werden. Es trägt den Beinamen „Social Edition“; die Marke Lotus wird aus dem Namen gestrichen. Notes ist zwar immer noch ein gutes Geschäft für IBM, aber der Fokus verschiebt sich schon seit Längerem in einen Themenbereich, den IBM „Social Business“ nennt.

Hinter der glatten Präsentationsfassade mit vielen Buzzwords verbirgt sich durchaus Substanz. Vor drei Jahren entstand unter dem ehemaligen Lotus-Chef Mike Rhodin eine Solutions Group, die 23 Unternehmen aufkaufte und deren Produkte integrierte. Der letzte Einkauf war Kenexa, ein Unternehmen, das 6900 Kunden dabei hilft, offene Stellen bestmöglich zu besetzen. Microsoft Deutschland wird als Referenzkunde genannt und auch die Deutsche Bank steuert ihren Recruiting-Prozess mit dieser Plattform. Solange die Zahlen stimmen, bleibt Kenexa selbstständig, erhielt inzwischen jedoch eine neue Mission: „Building a smarter workforce“.

Rhodin baut mit seinem Anwendungs-Portfolio an einer Plattform, die alle Aspekte der Zusammenarbeit sowohl zwischen Mitarbeitern als auch mit Kunden abbildet. Hinter wolkigen Namen wie „IBM Employee Experience Suite“ oder „IBM Customer Experience Suite“ verbergen sich zahlreiche Pakete, die der Hersteller bislang einzeln vermarktet hat. Jede dieser Suiten lässt sich auf unterschiedliche Szenarien zuschneiden. Es gehe stets darum, ein konkretes Problem zu lösen, sagte Mike Rhodin.

IBM spricht häufig von „Enterprise“ und meint damit große Unternehmen mit zigtausend Mitarbeitern. Für ein kleines Unternehmen mit einer Handvoll IT-Mitarbeitern sind die IBM-Lösungen häufig zu kompliziert oder schwierig zu warten und auch kleine Beratungsfirmen tun sich schwer, die dazu notwendigen Kenntnisse aufzubauen. IBM strebt an, dass kleinere – man könnte auch sagen: normal große – Kunden stattdessen die IBM Smartcloud nutzen.

Zentrale Plattform

Jenseits der technischen Betrachtung drehte sich bei der diesjährigen IBM Connect vieles um den notwendigen organisatorischen Wandel. Die Anforderungen an betriebliche Informationssysteme ändern sich durch soziale Netze und neuere Kollaborationsformen – mit E-Mail und einfachen Intranets lässt sich das nicht mehr abbilden. Mit dem Produkt Connections bietet IBM eine Plattform, die auch neue, flachere Beziehungen zwischen Mitarbeitern quer zu hierarchischen Organisationsformen abdecken soll.

Die Aufgabenverwaltung „Activities“ hat sich als der wertvollste Bestandteil von Connections entpuppt. Hier lassen sich kleine und große Projekte aufsetzen, Aufgaben delegieren und nachverfolgen. Andere Komponenten wie „Profiles“ und „Files“ gibt IBM als Dreingaben zu Notes und Domino, um neue Kunden für Connections zu finden. Im März soll die neue Version 4.5 von Connections erscheinen, welche die Content-Management-Lösungen von FileNet nutzt. Damit bekommt Connections Verzeichnisse sowie Check-In und Check-Out. Erst damit wird es in der Lage sein, Fileserver abzulösen.

Nach Connections steht auch eine neue Version von Sametime für Präsenz, Instant Messaging, Online-Meetings, Audio- und Videocalls ins Haus. Das neue Sametime wird auf Websphere 8.0 laufen, Connections bleibt auf der alten Applikationsserver-Version. Die von Connections genutzten Komponenten findet man mittlerweile auch in anderen Softwareprodukten von IBM, etwa im Websphere Portal und damit in den oben genannten Suites.

Collaboration ist nicht mehr eine isolierte Funktion, sondern wird Bestandteil anderer Geschäftsprozesse. Vor Jahren hat man versucht, Transaktions-Workflows in Notes abzubilden. Anders herum wird heute ein Schuh daraus. Mit der Notes Social Edition macht IBM diese Prozesse wieder in der Inbox des Benutzers sichtbar. Statt einer Mail mit einem Link auf eine externe Anwendung findet der Anwender ein „lebendes Objekt“, wie es Notes-Produktmanager Scott Souder nennt. Ohne die Nachricht zu verlassen, kann er einen Genehmigungsschritt abarbeiten, ein Dokument aus dem CMS bearbeiten oder Beiträge in Connections kommentieren.

Mit OpenSocial 2.0 möchte IBM einen Standard für die Anbindung sozialer Netzwerke setzen. Das wird nur funktionieren, falls auch andere Software-Anbieter mitziehen. Noch hatte das Konzept keinen durchschlagenden Erfolg.

Die vielen kleinen Business-Partner sehen ihre Felle wegschwimmen. Zwei Welten driften auseinander: hier die eher kleinen Notes-Entwickler, dort der große Dampfer IBM mit seinem Social Business. Die bunte Lotus-Bloggerszene rückt zusammen. „Ich bin gekommen, um ein letztes Mal alle meine Freunde zu sehen“ sagte etwa Thomas Duff. Beruflich befasst er sich längst mit Sharepoint. So richtig in Feierlaune war selbst IBM nicht. Die Lotusphere Anniversary Reception wurde in eine Kaffeepause gelegt. Gereicht wurden Cupcakes und ein großes Schweigen. An anderer Stelle erinnerte ein Display mit alten Fotos an glorreiche Zeiten. (hps)

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