Prozessorgeflüster

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Kollabiert der PC-Markt – oder stimmt das gar nicht und der ARM-Hype geht zurück? Die PC-Hersteller müssen sich jedenfalls neu orientieren. Dell etwa ging vor 25 Jahren an die Börse und will jetzt wieder raus … es ist viel Bewegung in der Szene.

Nach IBM konnte nun auch Apple wieder ein Rekordquartal verbuchen, mit 54,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Nettoprofit von 13,1 Milliarden Dollar. Okay, vor einem Jahr holte Apple den gleichen Profit aus nur 46,3 Milliarden Dollar heraus – die Reibachquote ist also ein bisschen zurückgegangen. Auch der deutlich überhitzte Aktienkurs ist so langsam wieder in normale Regionen zurückgekehrt; aktuell liegt er mit etwa 430 Dollar schon ein gutes Stückchen weg vom 705-Dollar-Spitzenwert von vor fünf Monaten.

Den größten Umsatzanteil tragen natürlich die verkauften 47,8 Millionen iPhones und 22,9 Millionen iPads bei. Die Macs hingegen sind auf dem absteigenden Ast, ihr Verkauf ging von 5,2 Millionen im Vorjahresquartal auf 4,1 Millionen Stück zurück – und das, obwohl sie nach Apples eigenem Bekunden die besten Personalcomputer in der Welt seien. Zumindest bei den Mac Pros muss man das arg bezweifeln. In Europa wird der Verkauf der veralteten Generation jedenfalls wegen Sicherheitsmängeln erst mal eingestellt (siehe S. 26).

Der gesamte PC-Markt hat laut IDC im letzten Jahr deutlich weniger, nämlich um 3,2 Prozent verloren – doch schon macht der Terminus Post-PC-Ära allüberall von sich reden. Klassische PC-Firmen wie Dell und Hewlett-Packard müssen sich umstellen. HP ist auf diesem Markt weiterhin Marktführer und konnte im Weihnachtsquartal 2012 den Abstand zu Lenovo wieder etwas ausbauen. In Deutschland markiert aber inzwischen Lenovo die Spitzenposition im PC-Geschäft.

Auch bei den Servern siehts für HP wieder ein bisschen besser aus. Hier hat die Company den Streit gegen Oracle offenbar endgültig gewonnen: Die Berufung von Oracle gegen das Urteil über die für unrechtmäßig befundene Einstellung der Itanium-Unterstützung wurde jetzt von einem kalifornischen Berufungsgericht abgewiesen. Im April will HP den Schadenersatzprozess anstrengen, da stehen wohl ein paar Milliarden im Raum.

Verluste kann HP in der Tat vorweisen, große Verluste – im Sommer letzten Jahres waren es über 8,8 Milliarden, im Herbst nochmals 6,9 Milliarden. Die miesen Zahlen waren allerdings weniger den schlechteren Itanium- und PC-Verkaufszahlen als vielmehr den Abschreibungen von offenbar völlig überteuerten Einkäufen von EDS und Autonomy in Gesamthöhe von astronomischen 24 Milliarden Dollar geschuldet.

Neue Wege

Der für den Autonomy-Fehlgriff verantwortliche ehemalige HP-Chef Léo Apotheker wollte ja aus dem problematischen PC-Geschäft aussteigen, so wie auch schon ein paar Jahre zuvor Carly Fiorina. Dazwischen regierte Mark Hurd, der den Ausstieg kategorisch ablehnte, genauso wie die jetzige Chefin Meg Whitman, die übrigens auch den Abverkauf von EDS und Autonomy ablehnt.

In dieser zyklischen Tradition wird dann wohl der nächste CEO oder die nächste CEOin den PC-Abschied einläuten. Derweil entlässt HP massiv, weltweit will man sich von fast 10 Prozent der Belegschaft trennen, das sind immerhin 29 000 Mitarbeiter. In Deutschland muss HPs Enterprise Services in Rüsselsheim mit 850 Arbeitsplätzen dran glauben – eine ehemalige Niederlassung des großen Verlustbringers EDS.

Dell geht einen anderen Weg: Statt zu entlassen, wird hier kräftig investiert. Das erfolgversprechende Business-Modell in der Szene scheint zu sein, Komplettlösungen aus einer Hand sowohl lokal als auch in der Cloud anzubieten – so wie es Cisco zusammen mit EMC2 und VMware mit viel Gepolter vor drei Jahren unter dem Begriff Unified Computing losgetreten hat.

Hewlett-Packard und IBM haben mit Converged Infrastructure hier und PureSystems da inzwischen massiv die Gegenoffensive angetreten. Und verstärkt will nun auch Dell mit Active System daran teilhaben und weg vom Image des Aldis unter den Serverfirmen. Der Weg als Solution Company begann schon vor mehreren Jahren mit dem Einkauf der iSCSI-Storage-Firma Equallogic. Vor zwei Jahren erlitt man aber eine Niederlage gegen HP im Bieterwettbewerb um den begehrten Storage-Spezialisten 3Par. Doch dann legte Dells Einkaufsabteilung los. In den letzten beiden Jahren akquirierte sie für über 12 Milliarden Dollar vornehmlich Softwarefirmen. Allein im letzten Jahr kaufte man sieben Firmen im Sicherheits-, Monitoring- und Management-Bereich auf, etwa im November mit Gale Technologies einen führenden Spezialisten für IT-Management oder im Dezember die Datenschutzfirma Credent.

Doch noch viel mehr Aufmerksamkeit als Dells Investitionspolitik erntete der Schritt von Dell-Gründer und Großaktionär Michael Dell mit der Ankündigung, sich nach dem bewährten Vorbild von Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zu ziehen. Okay, ein bisschen Hilfe von Microsoft und weiteren Investoren will er schon für sein ehrgeiziges Projekt in Anspruch nehmen: die Firma aus der Börse herauszukaufen und dann, ohne Rücksicht auf Anleger oder Börsenaufsicht nehmen zu müssen, wieder in Schwung zu bringen. 24,4 Milliarden Dollar will Dell mit seinen Sponsoren dafür in die Hand nehmen, Microsoft soll 2 Milliarden dazu beisteuern. Vielleicht sieht man ja bald auch Dell-Smartphones – ob mit Intel- oder ARM-Prozessoren, wer weiß?

ARM geht es jedenfalls gut. Das britische Designhaus konnte dank sprudelnder Lizenzeinnahmen Umsatz und Gewinn um 18 respektive 28 Prozent steigern – auch wenn der Quartalsgewinn von jetzt 42,5 Millionen Pfund angesichts der Zahlen obiger Firmen dort unterhalb der Peanuts-Grenze liegt. Aber trotz ARMs Zuwachs strauchelt der Markt der Mikroprozessoren und darüber hinaus der gesamten Halbleiterszene. Nach den Werten der World Semiconductor Trade Statistics sank 2012 der weltweite Chipumsatz im Vergleich zu 2011 um 2,7 Prozent auf 291,6 Milliarden US-Dollar. Das größte Segment dieses Marktes belegen die Logik-ICs, die sich mit knapp 82 Milliarden Dollar in etwa gehalten haben, den Verlust spielten vor allem Mikroprozessoren (60 Milliarden Dollar Umsatz) und Speicher (57 Milliarden) ein. Bei NAND-Flash sind sich die Marktforscher nicht einig, WSTS sieht hier ein Wachstum, IHS iSupply jedoch einen kräftigen Rückgang.

PC-Mikroprozessoren sollen laut IDC etwa zwei Drittel des Mikroprozessormarktes ausmachen. Hier sehen die Analysten kleine Silberstreifen am Horizont mit einem Umsatzwachstum in diesem Jahr von 1,6 Prozent und längerfristig von 3,4 Prozent. Ob ARM in Notebooks und Servern in der Zukunft eine Rolle spielen wird? IDC ist da skeptisch und sagt für 2016 lediglich mickrige Marktanteile von knapp über 3 Prozent voraus. (as)

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