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Milliardenförderung für Hirnsimulation und Graphen-Forschung Die Europäische Kommission wird in den kommenden zehn Jahren jeweils eine Milliarde Euro in zwei Wissenschaftsbereiche investieren, die sie für besonders vielversprechend hält:...

Megawatt-Batterie für Windkraftanlage

Mehr als eintausend neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 2,5 Gigawatt sind allein im Jahr 2012 als Folge des beschlossenen Ausstiegs Deutschlands aus der Kernenergie installiert worden – die meisten davon in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Problematisch gestaltet sich aber weiterhin die Verwertung des erzeugten Stroms: Sind die Energienetze in windstarken Zeiten überlastet, müssen viele Anlagen vom Netz genommen werden. Umgekehrt muss die Versorgung mit Strom aus stark fluktuierenden Energiequellen aber auch dann gewährleistet sein, wenn die Wetterbedingungen suboptimal sind – etwa an windschwachen Tagen.

Zu den wichtigsten Elementen der Energiewende gehören deshalb Speicher, die in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit große Mengen an elektrischer Energie aufzunehmen, diese über einen längeren Zeitraum möglichst verlustfrei vorzuhalten und bei Bedarf schnell wieder abzugeben. In den nordfriesischen Gemeinden Braderup und Tinningstedt testet der Bosch-Konzern gemeinsam mit den Betreibern eines lokalen Bürgerwindparks (BWP) in diesem Zusammenhang nun Windrad-Prototypen in Kombination mit einem Redox-Flow-Batteriesystem im Megawatt-Bereich, welches das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik entwickelt hat.

Redox-Flow-Batterien arbeiten mit flüssigen Elektrolyten, in denen Ladungsträger in Form von Metall-Ionen gelöst sind – meist werden dafür Schwefelsäure und Vanadium-Ionen verschiedener Oxidationsstufen verwendet. Das neue Redox-Flow-Batteriesystem für den „BWP Braderup-Ost/Tinningstedt“ soll in einem Gebäude mit nahezu 600 Quadratmetern Grundfläche untergebracht werden, die geplante Speicherkapazität von 4 Megawattstunden würde ausreichen, um mehrere hundert Einfamilienhäuser einen Tag lang mit Strom zu versorgen. Gespeist wird das System von sechs Windenergieanlagen des Typs „V112-3.x MW Offshore“ der dänischen Firma Vestas, die jeweils eine Gesamthöhe von 175 Meter und einen Rotordurchmesser von 112 Meter aufweisen.

Die Windräder sollen bis zum Juli 2013, die Batterie bis Jahresende einsatzbereit sein. Eine von Bosch und den BWP-Betreibern gemeinsam gegründete Gesellschaft ist für den Betrieb der Megawatt-Batterie verantwortlich, angeschlossen wird das System an das Stromnetz des Versorgers E.ON Hanse. Bosch entwickelt dazu die Steuerungselektronik, übernimmt die Systemintegration und testet in Braderup verschiedene Betriebsvarianten. Dazu gehören Unternehmensangaben zufolge Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes und Strukturen zur Einbindung des Systems in den Strombörsen-Handel. In Braderup wolle man „den technischen und wirtschaftlichen Nutzen des Speichers belegen und wertvolle Hinweise für neue kommerzielle Projekte liefern“, heißt es bei Bosch. (pmz)

Wettbewerb zu Fußballdaten

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (ISS) in Erlangen ruft zur Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb auf, bei dem Lösungen gesucht werden, wie sich Ereignisse bei einem Fußballspiel möglichst schnell und genau statistisch erfassen und verarbeiten lassen: Wie viele Kilometer hat ein Spieler zurückgelegt, welche Laufwege waren optimal, wie lange war die Heimmannschaft in Ballbesitz, wie oft haben Stürmer aufs Tor geschossen? Das Fraunhofer ISS stellt dafür rund 50 Millionen Positionsdatenpakete zur Verfügung, die mit Hilfe eines selbst entwickelten Funklokalisierungssystems bei einem Testspiel generiert wurden. Spieler und Ball hatte man dazu mit kleinen Funksendern ausgestattet, deren Signale sich für Positionsberechnungen bis in den Millimeterbereich nutzen lassen.

„Die Aufgabe der Wettbewerbsteilnehmer wird es sein, Laufanalysen der einzelnen Spieler und Teams zu erstellen, Ballbesitze automatisch zu erkennen, sogenannte Heatmaps für einzelne Spieler und Teams zu erzeugen sowie Torschüsse zu detektieren“, erklärt Diplom-Informatiker Christopher Mutschler. Zu den Bewertungskriterien gehören Korrektheit (sind die aus den Positionsdaten abgeleiteten Ergebnisse richtig und plausibel) und Erkennungslatenz (Dauer, bis die Ereignisse detektiert werden). Der Wettbewerb wird im Rahmen der „7th International Conference for Distributed Event-Based Systems“ (DEBS) durchgeführt, die vom 29. Juni bis zum 3. Juli an der University of Texas in Arlington stattfindet. Teilnehmen können sowohl Entwickler- als auch Studenten-Teams, Anmeldeschluss ist der 25. Februar (siehe c’t-Link). (pmz)

Milliardenförderung für Hirnsimulation und Graphen-Forschung

Die Europäische Kommission wird in den kommenden zehn Jahren jeweils eine Milliarde Euro in zwei Wissenschaftsbereiche investieren, die sie für besonders vielversprechend hält: Hirnsimulation und Graphen-Forschung. Das zweidimensionale Kohlenstoffkristall Graphen gilt wegen seiner großen Ladungsträgerbeweglichkeit und der daraus resultierenden hohen Schaltgeschwindigkeit als potenzieller Nachfolger von Silizium als Transistormaterial. Seine besonderen physikalischen und chemischen Eigenschaften (z. B. bis zu 300-mal fester als Stahl, aber trotzdem sehr biegsam und leicht) prädestinieren das Material aber auch für Anwendungen in anderen Bereichen, etwa im Energie- oder Verkehrssektor sowie im Gesundheitswesen.

Im Rahmen des „Human Brain Project“ (HBP) soll unter Leitung der Hochschule Lausanne der Versuch unternommen werden, das menschliche Gehirn in einem Computer möglichst genau zu modellieren. Ziel sei es, „experimentelle Daten zu erfassen und zusammenzuführen, um bestehende Wissenslücken zu erkennen und zu schließen“, erklärt die EU-Kommission. So könnten Projektergebnisse in der Medizin beispielsweise zu einer besseren Diagnostik in Verbindung mit Simulationen des Krankheitsverlaufs und der Wirkung von Arzneimitteln führen.

Für die Informatik wiederum seien Gehirnsimulationen nützlich, um neue interaktive Hochleistungsrechentechniken voranzutreiben. Denkbar seien aber auch neue, dem Gehirn nachempfundene Geräte und Systeme, die nicht den Beschränkungen heutiger Technik unterliegen, was Energieeffizienz, Zuverlässigkeit oder Programmierbarkeit betrifft – anschließend könnten dann Systeme mit gehirnartiger Intellizenz folgen. Am HBP-Projekt beteiligen sich Kommissionsangaben zufolge Forscher aus mindestens 15 EU-Mitgliedstaaten sowie fast 200 Forschungseinrichtungen; dasselbe gilt für den Graphen-Forschungsschwerpunkt.

(pmz)


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