Immer dieselbe Leier

@ctmagazin | Editorial

Sofern man sich für Technik interessiert, hat man als Hardware-Tester einen tollen Job. Doch je länger ich dabei bin, desto mehr nerven mich die ewig gleichen Pannen der PC-Hersteller und ihrer Zulieferer. Mittlerweile hat die Branche mehr als 30 Jahre Erfahrung, aber neue Technik lässt sie noch immer grün und unreif auf die Kunden los - so war "Green IT" nicht gemeint.

Ich hatte beispielsweise schon kein gutes Gefühl bei UEFI. Klar, das BIOS braucht dringend einen besseren, sauber dokumentierten Nachfolger. Doch selbst EFI-Erfinder Intel liefert aktuelle Mainboards noch mit Firmware aus, bei der Secure Boot nicht nach Microsoft-Vorgaben funktioniert. Samsung programmiert UEFI-Firmware so dämlich, dass ein einziger Start vom Linux-Stick ein Notebook schrottet. Mindestens ein Mainboard-Hersteller hat Secure Boot schlichtweg nicht verstanden, weil er gleichzeitig den Start im BIOS-Modus erlaubt. Manches Firmware-Setup wurde im Zuge der UEFI-Einführung knallbunt eingefärbt und per Maus bedienbar. Die Verstellmöglichkeiten bleiben aber wie eh und je unverständlich; anscheinend ist das Ehrensache unter Firmware-Programmierern.

Na gut, UEFI ist quasi brandneu. USB 3.0 aber ist selbst drei Jahre nach dem Start noch ein empfindliches Pflänzchen, mit vielen Kabeln und Hubs gibts Ärger. Thunderbolt wurde an PC-Mainboards und Notebooks geradezu wie eine Parodie auf Apples Vorbild umgesetzt: haufenweise Probleme mit Treibern und Hot-Plugging. Ähnlich erging es anfangs den SSDs: Jede Menge Firmware-Fehler brachten den kompletten Produkttyp in Verruf.

Die Liste lässt sich schmerzlich lang fortsetzen: Voreinstellungen für Stromsparmodi und Lüfterregelung sind oft zum Weinen. Noch immer rauschen viele Desktop-PCs deutlich zu laut - oft genug nur wegen schlampiger Konfiguration. Beeindruckend kleine und leichte Notebook-Ladegeräte hängen weiterhin an dicken, schweren Strippen mit Schukosteckern. Windows-Rechner werden mit Software-Blödsinn vollgestopft, der sie ausbremst. Man verkauft seinem Kunden also ein vorsätzlich vermurkstes Produkt. Das tut mir als Techniker in der Seele weh.

Fehlt den Herstellern der Blick fürs Ganze? Abteilung A macht das Gehäuse, Abteilung B das BIOS, C das Ladegerät. Am Ende kauft der Kunde aber ein komplettes Produkt, und da reicht eine einzige schlechte Komponente, um den Gesamteindruck zu trüben.

Das ist Apples Trick bei MacBook & Co: Sie sind zwar längst nicht perfekt, aber die Liste ihrer Mängel ist fast immer kürzer als bei Windows-Rechnern. Apple hat es jedoch leichter, die (Qualitäts-)Kontrolle zu behalten: Einerseits gibt es weniger Produktvarianten, andererseits kommen Hardware, Firmware, Betriebssystem und Treiber aus einer Hand.

So kassieren Apple-Produkte in Tests regelmäßig mehr Lob als andere. Daraus wiederum schließen viele Apple-Konkurrenten und auch so mancher Leser, Redakteure von Computermagazinen hätten bloß noch Apfelmus im Hirn. Doch das geht haarscharf an der Wahrheit vorbei.

Christof Windeck Christof Windeck

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