Lichtbau

Ein Blick in eine chinesische Projektorenfabrik

Wissen | Reportage

Erstaunlich viel Handarbeit: Fast jedes einzelne Teil seiner Projektoren stellt Delta Electronics im chinesischen Wujiang selbst her. Wir haben uns in der Fabrik umgeschaut.

Fabriken, besonders chinesische, haben keinen guten Ruf. Nicht nur wegen der oft zweifelhaften Arbeitsbedingungen (siehe Kasten), sondern auch wegen ihrer Schlichtheit: Die Magie findet in den Entwicklungslaboren statt. In der Fabrik werden einfach nur CAD-Designs und Platinenlayouts abgearbeitet, und dann fällt ein paar Minuten später das fertige Gerät in den Karton – so könnte man jedenfalls denken.

Wir wollten wissen, wie viel Wahrheit in diesen Vorurteilen steckt und haben uns eine Fabrik von Delta Electronics im chinesischen Wujiang angesehen: 100 Kilometer westlich von Shanghai produziert und entwickelt Delta nicht nur Projektoren für die meisten bekannten Markenhersteller, sondern für die eigene Marke Vivitek seit einigen Jahren auch. Im Durchschnitt verlassen täglich 1300 Projektoren die Fabrik in Wujiang. ...

Und was ist mit den Arbeitsbedingungen?

Chinesische Fabriken kommen nicht aus den Schlagzeilen – regelmäßig berichten Medien über kollektive Selbstmorde, Kinderarbeit und Umwelt-Sauereien. All das hatte ich bei meinem Besuch in Wujiang natürlich im Hinterkopf. Skandalöse Zustände habe ich jedoch nicht vorgefunden – was sicher auch damit zu tun hat, dass ich mich nicht unangemeldet in der Delta-Fabrik umgesehen habe. Aber auch die Menschenrechtsorganisation China Labor Watch antwortete mir auf meine Anfrage, dass über die Delta-Fabrik in Wujiang bislang keine negativen Erkenntnisse vorliegen.

Dennoch: Für Europäer wirken die Arbeitsverhältnisse in China befremdlich. So wohnen die meisten Angestellten auf dem Fabrikgelände, schlafen in kostenlosen Unterkünften mit Vierbettzimmern und verdienen laut Delta durchschnittlich rund 400 Euro im Monat. Im Vergleich zu anderen Unternehmen ist das geradezu luxuriös: Vom berüchtigten Auftragsfertiger Foxconn ist beispielsweise bekannt, dass es dort Schlafräume mit bis zu 30 Betten gibt. Der Mindestlohn in der Provinz Jiangsu, zu der Wujiang gehört, liegt bei rund 160 Euro.

Die Arbeiter bei Delta Electronics stammen größtenteils aus weit entfernten, ländlichen Provinzen und sind meist deutlich jünger als 30 Jahre. Da sie in kurzer Zeit möglichst viel Geld verdienen wollen, bleiben sie auch in ihrer Freizeit häufig in den Gemeinschaftsunterkünften – Ausflüge in die Stadt sind teuer. Um das Heimweh zu bekämpfen, organisiert Delta LAN-Parties und Radtouren, neben Sporthallen gibt es auf dem Fabrikgelände etliche Freizeitangebote – unter anderem eine Insekten-Beobachtungsstation.

Sie möchten wissen, wie es weitergeht?

Als c't-Plus-Abonnent gratis lesen

Anmelden als c't-Plus-Abonnent

weiterführende Links

Weitere Bilder

  • „Enjoy oneself“ steht in charmant-falschem Englisch an der Tür zur Umkleide.
  • Kleinteilig: Delta-Arbeiter bei der Montage von LED-Miniprojektoren.
  • Garfield grüßt: Schwarzes Brett neben dem Lötofen.
  • Nach dem abschließenden Funktionstest kommt der Projektor endlich in den Karton.
  • Ein bisschen bunt: Sitzecke im Fabrikflur.
  • Ein Diagramm an der Fabrikwand zeigt die für den Zusammenbau der optischen Einheit nötigen Arbeitsschritte.

Anzeige
Anzeige