Prozessorgeflüster

Von Teufeln und Erfrierungen

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Intels nächste Prozessorgeneration Haswell wirft ihre langen Schatten voraus, insbesondere in Deutschland. Hier und da kann man im Internet auch schon Haswell-Chips ordern. Konkurrent AMD will aber im Verlauf des Jahres auch mit interessanten Chips aufwarten.

Auf der CeBIT in Hannover zeigten Asrock und Biostar zahlreiche für Haswell vorgesehene Boards, und auch MSI – etwas abgeschottet im Reseller-Bereich – holte auf Nachfrage zumindest ein Board mit dem Lynx-Point-Chipsatz Z87 und Sockel LGA1150 heraus. Hier wie dort waren die Sockel jedoch leer – da war zuvor die Szene auf der Embedded World in Nürnberg mutiger, wo zum Beispiel die Echinger Firma Kontron ihre Boards inklusive Haswell-Prozessor vorführte (siehe S. 24).

Und ebenfalls noch vor der großen Computerschau verpetzte das kleine sachsen-anhaltinische PC-Haus Deviltech Daten zu den geplanten Notebooks Devil 7700 und Fragbook DTX – nicht nur mit ein paar Details zum Haswell-Prozessor, sondern auch zu den noch nicht vorgestellten Mobile-Grafikchips von Nvidia mit Namen GTX 770M und 780M. Die sollen mit einem 3DMark-Vantage-Wert von bis zu 29 358 etwa 30 Prozent schneller sein, als die Vorgänger. Solche Indiskretionen fanden Intel und Nvidia nicht so lustig und Deviltech zog eilfertig die Pressemeldung zurück – aber was draußen ist, ist nun mal draußen.

USB-3.0-Probleme

Als gesichert galt bislang ein Launchtermin zur Computex im Juni. Doch nun machen Gerüchte über Probleme mit dem Chipsatz Lynx Point (Z/Q/H/QM87 …) die Runde. Man hat ja noch gut in Erinnerung, wie der Cougar Point (H67/P67) vor zwei Jahren mit SATA II auf Kriegsfuß stehend die Markteinführung des Sandy Bridge verzögerte. Nun sollen beim Lynx Point die USB-3.0-Ports Probleme beim Erwachen aus dem S3 haben – aber Intel hat ja noch Zeit genug, das mit einem neuen Stepping zu beheben.

Haswells Prozessornamen sowie Kernzahl, Takt, TDP und so weiter hatten einschlägige Fernost-Sites wie VR-Zone schon längst vor ein paar Monaten veröffentlicht – nun weiß man aus Deviltechs Ankündigung, dass deren Informationen offensichtlich richtig waren. Hier und da drehte Intel beim Namen die Postfixe gegenüber der aktuellen Ivy-Bridge-Generation um: von QM auf MQ und von XM auf MX. Auch Angebote findet man im Internet bereits zahlreich, man muss nur unter BX80647I74900MQ oder BX80647I74800MX googeln.

Bei gleichem Takt, so konnte man außerdem erfahren, soll die Haswell-Architektur ein Plus von 9 Prozent herausholen – nicht gerade riesig für eine neue Prozessorgeneration. Auch diese Zahl ging vorher schon durch die Szene: Die russische Website OCLab.ru hatte einige Pi- und Primbenchmark-Ergebnisse irgendwelcher Prototypen veröffentlicht. Aber diese Werte berücksichtigen wohl kaum die zahlreichen Möglichkeiten, die Haswell mit den neuen AVX2-Instruktionen bietet. Für die muss ja auch erst programmiert werden. Eine kleine Preview zu den neuen Bitbefehlen des Haswell-Prozessors (Bit Manipulation Instructions, BMI) finden Sie im Rahmen unserer Intrinsic-Serie (Seite 186) – AMD ist hier ein bisschen voraus und hat solche BMI- sowie weitere Befehle bereits dem Piledriver mit auf den Weg gegeben.

Der Fokus beim Design des Haswell-Prozessors lag aber auch weniger auf mehr Performance denn auf einem verbesserten Energiemanagement. Und da darf man gespannt sein, wie sich der neue Schnellwach-Zustand S0ix in der Praxis bewähren wird. Bei dem rätselt die Fachwelt, wie Intel dieses „von Null auf Hundert in Nullkommanix“ hinbekommen hat.

Und der Haswell-Schlager Transactional Memory (TSX)? Die bislang geleakten Tabellen geben zwar Auskunft über diverse Features wie Vpro, TXT, VT-d, VT-x und AES-NI, nicht aber über TSX. Transactional Memory bleibt denn wohl dem Serverchip Haswell-EP vorbehalten, der mit bis zu 14, vielleicht auch 16 Kernen erst für 2014 vorgesehen ist. In diesem Jahr steht aber immerhin noch der Xeon E5-1200 V3 für einen Sockel in der Denlow-Plattform zu erwarten.

Dessen Codenamen weiß ich grad nicht, wahrscheinlich schlicht Haswell-EN. Sollten Sie mal wieder mit den vielen Codenamen durcheinander kommen: Intel hat auf ark.intel.com unter „Products by Codename“ hübsch übersichtlich alle nicht zu alten Codenamen für Prozessoren, Chipsätze, Boards, Server, Netzwerkchips und SSDs aufgelistet und verlinkt. Allein 76 Prozessornamen von Arrandale bis Yorkfield sind hier aufgeführt, darunter nie gehörte wie Gladden (ein Sandy-Bridge-Chip). Der ist nicht einmal auf Wikipedias umfangreicher „List_of_Intel_Codenames“ aufgeführt. Dafür findet man dort die Namen solcher Chips, die peinlicherweise gar keine Produkte geworden sind, wie Tejas, Timna oder Larrabee.

APUs für Frostbite

AMD wird vermutlich als kleines Gegenstück zu Haswell den Tablet-Chip Temash zur Computex im Juni präsentieren, möglicherweise auch den etwas leistungsfähigeren Kollegen Kabini für Notebooks. Offiziell sind diese Chips mit bis zu vier Jaguar-Kernen jedenfalls fürs erste Halbjahr angekündigt. Ebenfalls offiziell ist inzwischen der Einsatz von AMD-APUs mit acht Jaguar-Kernen für Sonys Playstation 4. Inoffiziell ist allerdings die Nachricht, dass AMD davon eine für PCs zugeschnittene Version ohne spezielles Sony-IP ableiten und vermarkten will.

Spieleentwickler wie die von Frostbite, der Engine von Digital Illusions CE , die unter anderem Battlefield antreibt, haben derweil Bilder von Entwicklungssystemen mit „Next-Generation APUs“ herumgetwittert. Dabei könnte es sich durchaus schon um den Kaveri-Chip mit Steamroller-Kernen und Graphics Core Next (GCN) handeln. Deren gemeinsames Speichermodell bietet viele attraktive, bisher nicht vorhandene Möglichkeiten im Zusammenspiel zwischen CPU und GPU. Dafür muss vieles neu programmiert werden – da kann man die Entwickler nicht früh genug mit Prototypen versorgen. (as)

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