Prozessorgeflüster

Von East und West

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In Santa Clara steigt die Spannung, wer wohl in die Fußstapfen von Intel-Chef Paul Otellini treten wird. Interessante Kandidaten sind auf dem Markt, auch aus Europa. Derweil bricht der PC-Markt weltweit stärker ein als erwartet – Intel wird sich umstellen müssen.

Warren East hat ARM die letzten zwölf Jahre erfolgreich geleitet. Nun tritt er vom CEO-Posten zurück. Wäre er nicht genau der Richtige für Intel?
Bild: ARM

Paul Otellini hatte ja im November letzten Jahres angekündigt, Mitte Mai seinen Posten zu räumen. Er selbst wünschte sich einen Intel-Insider, aber das Board hält offenbar auch außerhalb der Corporation nach einem geeigneten Kandidaten Ausschau. Es soll im Februar die auf solche Führungspositionen spezialisierte Headhunter-Agentur Spencer Stuart angeheuert haben. Wenig verwunderlich wurde nun abermals der Name von Intels früherem Chief Technology Officer in den Ring geworfen, dem eloquenten Pat Gelsinger, der 2009 völlig überraschend Intel Richtung EMC2 verließ.

Doch der jetzige Chef der EMC2-Tochter VMware hat bereits klargestellt: „Ich bin glücklich mit meiner Aufgabe bei VMware und hoffe, sie noch für viele kommende Jahre wahrnehmen zu können“.

Ein anderer oft genannter potenzieller Kandidat von außerhalb wäre Ex-Motorola-Chef Sanjay Jha, der den lukrativen Verkauf der Mobilsparte an Google mit eingefädelt hatte. Der CEO von ST-Ericsson, Didier Lamouche, gehört mangels Erfolgs hingegen wohl nicht dazu, obwohl er ab Ende des Monats verfügbar wäre. Das europäische Joint Venture von STMicroelectronics und Ericsson hatte in den drei Jahren seines Bestehens 2,1 Milliarden Euro Verlust angehäuft und damit beachtliche 140 000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Das wollen sich die ehemaligen Partner nun nicht mehr mit anschauen und haben daher die Scheidung beschlossen. Ericsson übernimmt Design, Entwicklung und Vermarktung der kompakten Multi-Mode-Modems und STMicroelectronics die anderen Produkte, insbesondere die Nova-Prozessoren A9540 und A9500 (mit ARM A9 und Mali-400-Grafik), sowie bestimmte Fertigungs- und Teststandorte. Der Rest wird dicht gemacht. Das dürfte weltweit insgesamt 1600 der 5000 vorhandenen Arbeitsplätze kosten.

Doch was ist mit Warren East, dem erfolgreichen, charismatischen und wahrlich nicht auf den Mund gefallenen Chef der Prozessorschmiede ARM? Der Fellow of the Royal Academy of Engineering ist gerade mal 51 Jahre jung und hat nun zum ersten Juli seinen Rücktritt als CEO angekündigt. Ihm soll Simon Segars folgen, ein Mann nahezu der ersten Stunde, der bereits 1991 kurz nach der Gründung von ARM – damals als Joint Venture von Acorn, Apple und VLSI – zu der britischen Firma kam und der zuletzt als Präsident sowohl der ARM Holding Plc als auch von ARM Ltd und ARM Inc wirkte. Ohnehin sollte ja eigentlich mit Sean Maloney ein Brite auf den Intel-Thron, doch dann hat ihn vor drei Jahren ein Schlaganfall aus dem Rennen geworfen. Immerhin hat er sich so weit erholt, dass er als Chef von Intel China arbeiten kann.

Und bei Intel selbst laufen sich Chief Operating Officer Brian Krzanich, Finanzchef Stacy Smith und Softwarechefin Rene James warm. Rene James wäre die erste Frau in dem Job, was allerdings den Nachteil mit sich brächte, dass sie anders als Otellini keine Chance hätte, zu dem traditionellen, okkulten Sommertreffen im Bohemian Grove in der Nähe von San Francisco eingeladen zu werden, wo eben nur erzkonservative, elitäre Männer aus Politik, Business, Kunst oder Medien zugelassen sind, vornehmlich Amerikaner – oder deutsche Bundeskanzler wie einst Helmut Schmidt.

iPhone mit Atom?

Vielleicht braucht der nächste Intel-Boss in der jetzigen Lage aber einige mystische Fähigkeiten. Der PC-Markt bricht doch deutlich stärker ein als erwartet. Vor allem der größte Absatzmarkt China zeigte erhebliche Schwächen und die Markforscher von IDC mussten ihre weltweite Prognose fürs erste Quartal 2013 um zwei Prozentpunkte auf 7,7 Prozent weniger Verkäufe nach unten revidieren. Intel wird sich weiter öffnen müssen und die extrem teuren Fabriken viel stärker als bislang üblich als Schmiede anderen Firmen offerieren. Apple wird immer wieder an erster Stelle genannt, sei es als Auftraggeber für ARM-SoCs oder auch als möglicher Kunde der nächsten Atom-Generation. Es verdichten sich jedenfalls die Anzeichen, dass Intel einen Teil der A7-Prozessorproduktion übernehmen soll, die Küchenwerte brodeln bei 10 Prozent.

Von anderen wird ein Schwenk von Apple schon beim iPhone 6 hin zum Atom in den Spekulationshut geworfen. Als Gegenmaßnahme zum stark gehypten Samsung Galaxy S4 muss sich Apple bei den Smartphones jedenfalls was Krachendes einfallen lassen. Aber die aktuellen Atoms scheinen dafür eher weniger geeignet. Erst die nächste Atom-Generation namens Silvermont mit neuer Out-of-Order-Architektur hätte vielleicht das nötige Potenzial. Die mit bis zu vier Silvermont-Kernen sowie mit HD-4000-Grafik versehenen Valleyview-SoCs werden, so wie es ausschaut, jedoch erst Anfang 2014 fertig. Für Smartphones ist dann die Bay-Trail-T-Plattform mit 3 Watt TDP gedacht. Erste Informationen über Valleyview-Chips tunnelten Mitte Februar zu CPU-world.com durch, sind dort inzwischen aber wieder verschwunden – aber es gibt ja den Google-Cache 

In der zweiten Jahreshälfte 2012 sieht IDC wieder einen leichten Aufschwung, dann, wenn Intel mit dem Haswell-Prozessor den Markt stärker befeuert. Allerdings könnte der von Intel nicht wirklich vehement bestrittene USB-3.0-Bug der Lynx-Point-Chipsätze den erhofften Aufschwung noch ein wenig nach hinten verschieben. Der Prozessor soll zwar pünktlich erscheinen, heißt es, aber zunächst nur in geringen Stückzahlen.

Unsere Kollegen von Tom’s Hardware haben derweil schon mal einen Prototyp der Desktop-Version Core i7-4770K in die Finger gekriegt, den inzwischen niederländische Webshops mit Liefertermin von 1 bis 2 Wochen für 331 Euro feilbieten (unter Produktnummer CM8064601464206). Wie erwartet hält sich der Performancegewinn bei der CPU gegenüber einem ebenfalls mit 3,5 GHz getakteten Core i7-3770K mit 7 bis 13 Prozent in Grenzen, im Multimedia-Bench von Sandra kommt dank AVX2 aber auch schon mal ein Plus von 80 Prozent zustande. Die HD-4600-Grafik ist zwar bei den Spielen Hitman und Dirt um 20 bis 50 Prozent schneller als die HD-4000 von Ivy Bridge, sie bleibt aber immer noch klar hinter AMDs A10-5800K zurück.

Ob dann zumindest bei den portablen PCs im Gesamtjahr ein kleines Plus von 0,9 Prozent herauskommt, wie IDC prognostiziert, bleibt fraglich.

Doch auch die Tablets verkaufen sich nicht mehr wie geschnitten Brot, wiewohl IDC hier bis 2017 im Schnitt einen Anstieg von 11 Prozent pro Jahr sieht. Windows RT bleibt nach den Erwartungen der Marktforscher mit 2,7 Prozent Marktanteil am Ende dieser Vorhersageperiode unter ferner liefen, wohingegen Windows 8 ff. mit 7,8 Prozent zumindest einen Achtungserfolg gegen Android (46 Prozent) und iOS (43,5 Prozent) herausholen soll. Von Linux (außer Android) ist bei den Tablets jedenfalls gar nichts zu sehen. (as)

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