Billiges Vergnügen

7-Zoll-Tablets für unter 150 Euro

Test & Kaufberatung | Test

Billig-Tablets verlangen durch häufige Abstürze, schlechte Displays und lahme Prozessoren den Anwendern bisher viel Leidensfähigkeit ab. Mit Acer und Asus machen nun gleich zwei namhafte Hersteller den Billigheimern Konkurrenz. Doch ohne spürbare Kompromisse kommen auch sie nicht aus.

Schon für unter 100 Euro kann man zahlreiche 7-Zoll-Tablets mit Android haben, doch für brauchbare Geräte wie das Nexus 7 muss man bisher das Doppelte hinlegen [1]. Acer und Asus, eher für hochwertigere Tablets bekannt, versuchen nun, den Billig-Tablets von Archos, Pearl und Co. Paroli zu bieten. Acer verlangt für das Iconia B1 schmale 120 Euro, das Asus Memo Pad ME172V kostet 150 Euro.

Die Ausstattung ist für den Preis angemessen: Mit 8 GByte internem Speicher beim B1 und sogar 16 GByte beim Memo Pad hat man genug Platz für eine ganze Menge Apps; 1024 × 600 Bildpunkte lassen Text nicht zum Augen strapazierenden Pixelmatsch werden. Für das gelegentliche Surfen auf der Couch und ein Spiel zwischendurch reicht das durchaus. Mobilfunk bekommt man nicht, bei Asus noch nicht einmal Bluetooth und GPS. Beide Tablets haben einen Slot für MicroSD-Karten, der beim B1 jedoch sehr fummelig ist und Karten entweder nicht oder gleich im hohen Bogen auswirft. Die Frontkameras taugen zum Chatten, für Fotos sind sie zu schlecht.

Um die Kosten weiter zu drücken, greifen beide Firmen auf bekannte Mittel zurück: ein langsamerer Prozessor, ein Display mit TN- statt IPS-Panel und einfache Materialien. Das Memo Pad ist optisch kaum vom ebenfalls bei Asus gefertigten Nexus 7 zu unterscheiden, die Maße sind auf den Millimeter gleich. Deutlich wird der Unterschied beim Anfassen: Die Rückseite ist sehr stabil, fühlt sich aber schlechter an als die Gummierung beim teureren Bruder.

Beim B1 gibt die dünne schwarze glatte Plastikrückseite auf Druck nach, ist schnell von ^Fingerabdrücken übersät und zudem anfällig für Kratzer. Acer hat sich allerdings Mühe gegeben, die Optik etwas aufzupeppen: Der blaue Zierstreifen rund um das Gehäuse sticht aus dem üblicherweise schwarzen Tablet-Einerlei hervor.

Nicht bewegen

Enttäuschend sind die Displays, denn Farben sehen nur bei direktem Blick noch gut aus. Beim Memo Pad werden sie im Hochformat schon bei minimal abweichendem Blickwinkel verfälscht, beim B1 im Querformat. Durch den vergleichsweise geringen Schwarzwert wirkt das B1 kontrastreicher, mit einer maximalen Helligkeit von 200 cd/m2 ist es jedoch zu dunkel für den Einsatz im Freien. Beide Bildschirme spiegeln stark.

Die Prozessorleistung beider Tablets reicht für die meisten Anwendungen aus und dank Android 4.1 ruckelt die Oberfläche nur selten. Sie reagiert aber weniger zackig als auf Quad-Core-Geräten und braucht hin und wieder eine Denkpause. Trotz der zwei CPU-Kerne und schnellerem Takt fühlt sich das B1 im Alltag langsamer an. Apps müssen wegen des knappen Arbeitsspeichers häufiger neu geladen werden. Unsere Full-HD-Videos konnte das Gerät nicht abspielen.

Spiele laufen auf dem Memo Pad nicht nur flüssiger, sie sehen dank der möglichen Kantenglättung auch etwas besser aus. Gelegentliche Abstürze nerven auf beiden Tablets. Keine Probleme bereiten die Touchscreens der Geräte: Gesten und Eingaben werden zuverlässig erkannt. Gerade hier haben billige Tablets bisher nicht überzeugt und die Verwendung zur Qual werden lassen.

Die Akkulaufzeiten sind mau. Kurze 4 Stunden Videowiedergabe hielt das B1 durch, das Memo Pad immerhin 5 Stunden. Gerade mal halb so lange wie das Nexus 7, aber besser als die 3 Stunden der 100-Euro-Tablets.

An der Android-Oberfläche haben beide Hersteller wenig verändert, in der Benachrichtigungsleiste lassen sich einige Einstellungen direkt vornehmen. Asus liefert abgespeckte Varianten des eigenen E-Book-Readers und Notizenprogramms sowie ein Backup-Programm mit. Beide Geräte haben vollen Zugriff auf den Google Play Store – keine Selbstverständlichkeit bei Billig-Tablets.

Fazit

Richtig gut sind auch die billigen Tablets von Acer und Asus nicht. Magere Akkulaufzeiten, schlechte Displays und gelegentliche Abstürze trüben die Freude über das gesparte Geld. Doch anders als Geräte unter 100 Euro sind sie tatsächlich ohne Schwierigkeiten benutzbar. Der Touchscreen zickt nicht, Apps laufen ausreichend flüssig und der interne Speicher ist angemessen groß.

Ein echtes Schnäppchen ist nur das Acer Iconia B1 für 120 Euro, das zum günstigen Sofasurfen alles mitbringt. Für 30 Euro mehr bietet das Memo Pad von Asus die bessere Verarbeitung und eine etwas flüssigere Oberfläche, aber sonst die gleichen Nachteile wie das Acer. Spaß macht Android weiterhin erst mit den Geräten ab etwa 200 Euro. (asp)

Literatur
  1. [1] Christian Wölbert, Von Schrott bis flott, Tablets für 90 bis 230 Euro, c’t 4/13, S. 108

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