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Mehr De-Mail, neue E-Post-Funktionen Mit der Zertifizierungsurkunde des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik haben die United-Internet-Unternehmen 1&1, GMX und Web.de ihren De-Mail-Dienst rund ein halbes Jahr nach dem der Telekom...

Mehr De-Mail, neue E-Post-Funktionen

Mit der Zertifizierungsurkunde des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik haben die United-Internet-Unternehmen 1&1, GMX und Web.de ihren De-Mail-Dienst rund ein halbes Jahr nach dem der Telekom offiziell gestartet. Allerdings werden auch die bereits per Identverfahren registrierten Nutzer offenbar nur nach und nach freigeschaltet. Die De-Mail-Postfächer bei 1&1 kosten keine Grundgebühren, zehn De-Mails pro Monat sind kostenlos. Jede weitere De-Mail schlägt mit 39 Cent zu Buche. Die rechtssichere E-Mail-Variante steht nun rund 65 Prozent aller deutschen E-Mail-Postfächer zur Verfügung. Die Telekom begrüßte den Wettbewerber mit sichtlicher Freude – schließlich steht und fällt der Erfolg des De-Mail-Dienstes mit seiner Verfügbarkeit für möglichst viele E-Mail-Nutzer.

Über 100 000 Kunden sind bei 1&1 bereits registriert, eine Million Kunden haben Interesse bekundet und eine De-Mail-Adresse reserviert. United Internet setzt nach eigenem Bekunden darauf, dass die Anwender US-Anbietern zunehmend misstrauen und rechtssichere Kommunikation nach deutschem Recht deshalb künftig eine größere Rolle spielen wird.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, hat unterdessen Handreichungen für den datenschutzgerechten Umgang mit De-Mail beim Versand schützenswerter Daten veröffentlicht (siehe c’t-Link). Unternehmen und Behörden sollen bei der Kommunikation über ein an De-Mail angebundenes Mail-Gateway ihre darüber zu versendenden Mails End-to-End verschlüsseln. Die im De-Mail-System verpflichtende Transportverschlüsselung reicht nach Ansicht von Schaar nicht für besonders schutzbedürftige Nachrichten aus, etwa wenn diese der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, da die Mails für den obligatorischen Virenscan maschinell verarbeitet werden. Für den Bürger, der per Web-Frontend auf das System zugreift, sei die Nutzung einer solchen Verschlüsselung jedoch kaum praktikabel. Die Datenschützer fordern die De-Mail-Anbieter deshalb auf, leicht handhabbare Verschlüsselungsoptionen für ihre Nutzer zu entwickeln.

Die Deutsche Post ist bei De-Mail nicht dabei. Das liegt vor allem am PostIdent-Verfahren. Dort wird stets auch die Ausweisnummer erfasst, wie es das Geldwäschegesetz vorschreibt. Für De-Mail wiederum ist deren Erfassung nach Ansicht der Datenschützer nicht zulässig. Am PostIdent-Verfahren will die Post aber auf keinen Fall etwas ändern; sie verzichtet lieber auf die De-Mail-Zertifizierung, die aus ihrer Sicht ohnehin nur eine kleine Zusatzleistung zum bestehenden proprietären E-Post-Angebot wäre. Für die Kunden indes bedeutet das je nach Einsatzszenario eine erhebliche Einschränkung.

Die von Datenschützern favorisierte End-to-End-Verschlüsselung für Berufsgeheimnisträger bietet E-Post seinen Anwendern im rein elektronischen Verkehr bereits an. Das Unternehmen setzt weiterhin auf eine Hybridlösung aus elektronischer und realer Post. Zum Versand und Empfang bietet das Unternehmen inzwischen auch für Privatkunden eine Schnittstelle zwischen der Online- und Offline-Welt. Möglich ist nicht nur der Versand elektronischer Mail, die am Zielort dann ausgedruckt, kuvertiert und ausgeliefert wird, sondern bald auch der umgekehrte Weg von der realen Post ins elektronische Postfach. Wer den Winter lieber im sonnigen Süden verbringen will, kann eingehende Sendungen öffnen und scannen lassen und dann unter Palmen lesen. Ergänzt wird das Angebot von einem Dokumentensafe (E-Post-Safe), einem Zahlungsdienst (E-Post-Zahlung) und einer App, die vorerst aber nur für iOS bereitsteht. (uma)

Microsoft-Server laufen heiß

Der Ausfall der Kühlung in einem Rechenzentrum führte Mitte März zu einem teilweisen Ausfall der Cloud-Dienste Outlook.com, Hotmail und teilweise auch Skydrive. Erst nach 16 Stunden gelang es den Administratoren, wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Grund für die Überhitzung in einem Teil eines nicht näher bezeichneten Rechenzentrums war ein Firmware-Update, das ein unerwartetes Problem verursachte. Die Temperaturen im betroffenen Bereich seien schnell und deutlich angestiegen, teilte das Unternehmen mit. Offenbar gelang es deshalb nicht mehr, die auf den betroffenen Servern laufenden Dienste an einen sicheren Ort zu verlagern – die Sicherheitsabschaltung erfolgte zu schnell und legte eine große Anzahl Server lahm, auf denen Teile der Cloud-Dienste liefen.

In der Branche wurden Spekulationen laut, dass besonders effiziente Kühltechniken zum Problem beigetragen haben könnten. Microsoft gehört Informationen des Online-Dienstes „Data Center Knowledge“ zufolge zu den Pionieren beim Betrieb von Rechenzentren mit höheren Lufttemperaturen als üblich, was den Einsatz von Kältemaschinen verringert oder ganz vermeidet. Das senkt zwar den Energiebedarf für die Kühlung deutlich, vermindert aber auch den Puffer für Notfälle: Die Temperaturdifferenz bis zur Fehlfunktion oder Sicherheitsabschaltung ist bei solchen Systemen kleiner als bei aktiv gekühlten Serverräumen. Ob ein solches System betroffen war, ließ sich allerdings nicht in Erfahrung bringen.

Trotz aller Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, etwa durch redundante Systeme und externe Anbindungen, fallen doch immer wieder Rechenzentren aus. Grund dafür sind beispielsweise Stromausfälle, etwa im August 2011 in einem Microsoft-Rechenzentrum in Irland, lokale Unwetter wie bei einem Ausfall des Amazon-Dienstes AWS im vergangenen Sommer in Virginia oder großflächige Tropenstürme wie Hurrikan Sandy im vergangenen Herbst. (ciw)


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