Prozessorgeflüster

Von Frühling, April- und anderen Scherzen

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Nvidia-Chef wird (vielleicht) Intel-CEO, Opteron mit Steamroller-Architektur kommt (vielleicht) früher, Dell will wieder verstärkt in PCs investieren und der Frühling kommt doch noch – jede Menge Meldungen zum Beginn des Aprils.

Hatten wir Ex-ARM-Chef Warren East als möglichen Intel-Chefkoch angepriesen, so wirft der Oberdruide der Gerüchteküche, der schottische Journalist Mike Magee, jetzt einen weiteren interessanten Namen in den Zauberkessel, nämlich den von Intels Erzgegner Jen-Hsun Huang. Angeblich sollen ihn Intels Headhunter schon kontaktiert haben, na ja, die Meldung war vom 1. April – andererseits, warum sollte eine gute Headhunter-Agentur den erfolgreichen Nvidia-Chef und früheren AMD-Mikroprozessor-Designer aus der Zeit des Am286 nicht in die engere Wahl ziehen? Schließlich macht es bei Intel immer einen guten Eindruck, wenn man nicht nur gut reden kann, sondern auch was von Technik versteht. Letzteres belegen unter anderem seine acht US-(Mit-)Patente, etwa über die Taktverteilung bei Prozessoren. Nur der legendäre Intel-Gründer und Miterfinder der integrierten Schaltung, Robert Noyce, konnte als Intel-Chef mit zwölf Patenten etwas mehr aufweisen. Der Volkswirt Paul Otellini und dessen Vorgänger, der Materialforscher Craig Barrett, stehen in dieser Beziehung mit leeren Händen da.

Das Thronfolgegerücht machte übrigens bereits vor Weihnachten als „Crazy Rumor“ die Runde, da hieß es, Ex-Intel-Chef Andy Grove müsste wohl als Headhunter agieren – immerhin hält Grove ja zumindest zwei Patente …

Am 1. April kursierte auch die Meldung, AMD würde die nächste Opteron-Generation mit Steamroller-Architektur um ein Jahr vorziehen. Aufmerksame Augen hatten auf einer Folie einer Investoren-Präsentation für Meryll Lynch die Jahreszahl 2013 entdeckt. Aber wann hat man denn so was bei AMD schon mal erlebt: einen vorgezogenen Prozessor? Okay, der Opteron Shanghai kam 2009 etwas früher als erwartet als dringender Ersatz für den Katastrophenprozessor Barcelona. Aber ein neuer Steamroller-Opteron, dazu noch ohne Hyper-Threading und mit PCIe 3.0? Der bräuchte dann auch neue Sockel, neue Boards, neue Chipsätze – und das noch 2013?

Wir können uns vielmehr glücklich schätzen, wenn der in der Folie wahrscheinlich gemeinte und für 2013 versprochene Desktop-Prozessor Kaveri mit zwei oder vier Steamroller-Kernen und Next-Generation-Grafik noch dieses Jahr erscheint – und das ohnehin wahrscheinlich nur als sogenannter Revenue-Launch für die Bücher und nicht wirklich für den Markt. Mit deutlich verbessertem Frontend und einem größeren Instruktionscache kann man dem Steamroller im Integer-Bereich durchaus 30 Prozent mehr Performance bei gleichem Takt wie Piledriver zutrauen.

AVX2 wird er, so wie’s ausschaut, aber nicht bieten. Damit wird wohl allein Intels Haswell glänzen können, dessen CPU-Kerne ansonsten nur geringfügig schneller sind als ihre Vorgänger im Ivy Bridge. Dafür wird die Grafik in verschiedensten Ausführungen bis hinauf zum GT3 mit On-Package Cache Memory (HD 5200) in High-Performance-Notebooks kräftig zulegen können – bis hin zum Faktor 3 gegenüber dem HD4000 im Ivy Bridge. Für Ultrabooks, so eine zur Website vr-zone durchgetunnelte Grafik, sind allerdings nur die schlapperen HD5000/5100 ohne zusätzlichen Cache geplant. Die GT3-Versionen mit ihren 40 Execution Cores kommen vermutlich ohnehin erst später im Jahr, die ersten Haswells im Juni sind nur mit GT2 (HD4200 bis 4600) bedacht.

Dellinquenz

Nein, so hatte sich das Michael Dell wohl nicht gedacht: Kaum hatte er Anfang Februar seinen Plan verkündet, zusammen mit weiteren Investoren wie der Investmentgruppe Silver Lake die von ihm gegründete und geführte Firma Dell für 24,4 Milliarden Dollar von der Börse freizukaufen, da traf er nicht nur auf erheblichen Widerstand der großen institutionellen Anleger, sondern auch auf unerwartete Konkurrenz. Zunächst in Gestalt des 77-jährigen Wall-Street-Krösus Carl C. Icahn – geschätzte 20 Milliarden Dollar schwer. Der als Unruhestifter verschriene Unternehmer kaufte sich kurz entschlossen für eine Milliarde Dollar bei Dell ein, forderte und bekam Akteneinsicht und unterbreitete dann kurz vor Ostern in einem Brief an die „Dear Members of the Special Committee of the Board of Directors of Dell and Advisors“ seine Vorstellung einer Neugestaltung von Dell.

Zusätzlich trat aus dem Nichts heraus eine weitere Investmentgruppe auf den Plan: Die Blackstone Group schickte ebenfalls einen Brief mit einem besseren Angebot als dem von Michael Dell, doch man wolle nur mitbieten, wenn die Firma Dell für die Vorbereitungskosten in Höhe von 25 Millionen Dollar aufkommt. Das ist selbst für amerikanische Verhältnisse ein „höchst unübliches Manöver“, so die New York Times. Irgendwie erinnert es auch an die zahllosen Gewinne und lukrativen Geschäftsangebote, die tagtäglich in unseren E-Mailboxen eintrudeln – man muss lediglich vorher einen kleinen Unkostenbeitrag auf irgendein Konto überweisen …

Seriös hin oder her, Michael Dell soll sich dennoch schon mit Blackstone geeinigt haben, CEO zu bleiben, egal wie der sich ankündigende Bieterwettbewerb ausgehen mag. Nachlegen werden sie wohl alle müssen, denn inzwischen ist Dells Aktienkurs bereits über die Angebote von Dell/Silver Lake und Blackstone gestiegen.

Mit dabei in Michael Dells Unterstützergruppe ist mit 2 Milliarden Dollar Beteiligung auch Microsoft. Den Redmondern wird nachgesagt, dass sie Interesse an Dells darbendem PC-Bereich hegten. Um PCs hatte sich Dell in letzter Zeit auch eher weniger gekümmert, sondern sich vornehmlich als IT-Service-Firma neu erfunden. Dazu wurden zahlreiche Softwarefirmen eingekauft und die Dell-Softwaresparte gegründet. Doch in einem Memo an seine verunsicherten Mitarbeiter hat Michael Dell nun angekündigt, die Firma wolle wieder verstärkt in den PC- und Tablet-Bereich investieren … und die besten Tage kämen noch – okay, das Memo kam wie obige Magee-Meldung am 1. April.

Zuvor hat das Dell-Board in einem vorläufigen, 276 Seiten langen „Proxy Statement“ an die amerikanische Börsenaufsicht, in dem es einmütig – ohne Michael Dell – die Annahme des Übernahmeangebots des Firmengründers befürwortet, den PC-Markt eher als Sackgasse dargestellt und das bisherige „Build to order“-Geschäft als Auslaufmodell. Die Annahme von Windows 8 sei ungewiss und das Windows-7-Upgrade in den Unternehmen liefe unerwartet zäh. Die Kunden interessierten sich mehr für Tablets und Smartphones, doch bisher habe die Firma Tablets nur in begrenzten Mengen und Smartphones noch gar nicht verkauft. Komisch, von Smartphones hat Michael Dell in seinem Memo gar nichts verlauten lassen  … (as)

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