Remix it!

Musik machen ohne Instrumente

Praxis & Tipps | Praxis

Sie können weder Klavier noch Gitarre spielen und wollen trotzdem Musik machen? Kein Problem. Ein Laptop reicht aus, um aus einem vorhandenen Track Ihre ganz persönliche Version zu mischen. Wenn Sie der Welt zeigen wollen, was Sie können, nehmen Sie an unserem Remix-Wettbewerb teil, bei dem wir die einzelnen Spuren eines Songs als Rohmaterial zur Verfügung stellen.

Wer heutzutage Musik machen und CDs produzieren will, muss weder Tonleitern üben, noch ein großes Studio anmieten. Ein Rechner mit (der Probierversion) einer Musik-Software, auch Digital Audio Workstation (DAW) genannt, reicht aus. Dazu bekommt man GByte-weise Instrumenten-Samples und fertig gespielte Loops, die man in einer Collage zu einem neuen Song zusammenstellen kann. Hard- und Software nachrüsten kann man später immer noch.

Video: Game Over (Timeout Dubstep) – Goat of Neptune

In den folgenden Artikeln erklären wir Ihnen, was Sie alles brauchen, um selbst am Rechner einen eigenen Song zu mischen. Außerdem rufen wir einen Wettbewerb aus, das Stück „Game Over“ vom Achim Kück Trio (erschienen auf dem 2013er Album „Dark Clouds“ bei Dschäss Records) zu remixen. Die swingende Jazz-Nummer mit der stimmgewaltigen Sängerin Silvia Droste weckt Erinnerungen an James Bond und eignet sich hervorragend, um daraus einen groovenden Dance-Track oder eine experimentelle Klangcollage zu basteln. Als Beispiel haben wir das Original in eine dramatische Dubstep-Nummer mit langen Echos und wabernden Bässen verwandelt. Das Gleiche schaffen Sie auch, wenn Sie unserem Kurs ab Seite 118 folgen. Die Original-Tonspuren, Noten, zwei Videoclips zum Original und Remix von „Game Over“ sowie weitere Infos zum Wettbewerb finden Sie unter www.ct.de/remix. Wenn Sie abseits von solchen Wettbewerben Songs remixen, gibt es in puncto Urheberrecht einiges zu beachten. Damit Sie sich austoben können, ohne in eine Falle zu tappen, betrachten wir das Thema ab Seite 124.

Video: Game Over – Achim Kück Trio feat. John Ruocco and Silvia Droste

Software der Wahl

Schaut man in die Auslagen von Musikversendern wie Thomann, boomt das Geschäft mit DJ-Controllern und -Software. Schier unüberschaubar ist das Zubehörangebot für Computer-Mucker. Aber was braucht man am Anfang tatsächlich?

Ihr bereits vorhandener PC oder Laptop sollte für den Einstieg genügen, soweit er nicht mehr aus der Single-Core-Ära stammt. Bevor Sie einen solchen aufrüsten oder in weitere Hardware investieren, probieren Sie zunächst einmal die Software, mit der Sie arbeiten wollen, auf Ihrem vorhandenen System aus.

Egal, ob für den Mix eines neuen Songs oder den Remix eines vorhandenen, für alle Bearbeitungen benötigen Sie eine Digital Audio Workstation (DAW). Nahezu alle DAW-Hersteller bieten kostenlose Probeversionen an, die einige Wochen uneingeschränkt laufen. So können Sie ausgiebig testen, ob Sie mit der Bedienung zurechtkommen und schnell und effizient arbeiten können. Für den günstigen Einstieg findet man zudem abgespeckte Versionen für weniger als 100 Euro, die wir in c’t 24/11 getestet haben [1]. Klanglich unterscheiden sich die DAWs nur wenig. Sie bringen bereits von Haus aus einige Grundeffekte mit, die als Plug-ins über die VST- oder AU-Schnittstelle eingebunden werden. Solche Plug-ins kann man auch von anderen Herstellern ergänzen. Zuweilen findet man sogar brauchbare Effekte als Freeware.

Jeder DAW-Hersteller setzt bei seiner Software besondere Schwerpunkte. PreSonus Studio One eignet sich mit seiner aufgeräumten, logischen Oberfläche und der Möglichkeit, mehrere Takes hintereinander aufzunehmen, besonders für Musiker, die eigene Aufnahmen abmischen wollen. Im Trance- und Techno-Bereich hat FL Studio von Image-Line viele treue Anhänger. Dessen Stärke ist der MIDI-Sequenzer zur Ansteuerung von Synthesizern und Effekten. Apple-Anwender greifen gerne zum preisgünstigen Logic Pro X, das bereits viele virtuelle Instrumente mitbringt. Zu den großen Kalibern gehört Steinbergs Cubase, dessen Funktionsumfang Einsteiger aber leicht überfordert. In Musikstudios gehören wiederum Avids Pro Tools zum guten Ton, die zuweilen auf spezielle DSP-Karten zugreifen.

Eher ein Nischendasein führen hingegen Propellerheads Reason, das aus einer Synthie-Simulation erwachsen ist und keine offene Schnittstelle für VST/AU-Plug-ins mitbringt, sowie der Reaper von Cockos. Er lockt zwar mit unzähligen Funktionen, überlässt es aber dem Anwender, sich alles richtig einzustellen. Der Reaper gleicht somit eher einem Baukasten als einem gebrauchsfertigen Werkzeug zur Musikproduktion. Native Instruments’ Maschine ist wiederum keine ausgewachsene DAW, sondern ein besonders aufwendiger Drum-Computer, der auch Bass-Lines und Music-Loops verarbeitet und als Plug-in in eine DAW eingebunden werden kann.

Speziell für Remixer ist es wichtig, dass sie viele Samples und Loops möglichst schnell Probehören und das Tempo und die Tonhöhe auf den vorhandenen Mix nach Belieben anpassen können. Diese Arbeitsweise hat der Music Maker in den 90er Jahren eingeführt. Der Hersteller Magix bietet das Programm auch noch heute an. Allerdings ist die Bedienoberfläche inzwischen sehr unübersichtlich geworden und die aktuelle Version hatte bei uns Stabilitätsprobleme.

Deutlich bessere Voraussetzungen bringt Ableton Live mit. Die abgespeckte Intro-Version ist als Download von der Ableton-Webseite bereits für 79 Euro erhältlich. Sie lässt sich später auf die Vollversion oder gar die Suite, die zusätzliche virtuelle Instrumente mitbringt, aufstocken. Mit Live ist es ein Leichtes, in kürzester Zeit hunderte von Loops und Samples auszuprobieren, Tonhöhe und Tempo anzupassen und in den Remix zu integrieren. Die Vollversion kann gar aus Audio-Samples MIDI-Dateien generieren und umgekehrt, was das Remixen sehr erleichtert. Kein Wunder also, dass sie bei vielen Remixern hoch im Kurs steht.

Links zu Testversionen der gängigsten DAWs finden Sie am Ende des Artikels. Ableton Live lässt sich beispielsweise 30 Tage lang kostenlos uneingeschränkt testen. Probieren Sie aus, mit welchem Programm Sie und Ihr Rechner am besten klarkommen und welches Ihren musikalischen Vorlieben am ehesten entspricht.

Lautsprecher

Haben Sie die richtige DAW gefunden und besitzen bereits einigermaßen brauchbare Lautsprecher und Kopfhörer, können Sie gleich auf Seite 118 mit dem Remixen von „Game Over“ beginnen. Wenn Sie nur für sich selbst mixen, brauchen Sie zunächst in keine weitere Hardware zu investieren, sondern können den Song mit Ihren vorhandenen Lautsprechern oder Kopfhörern abnicken. Allerdings werden Sie merken, dass Ihr Mix völlig anders klingt, wenn er in Ihrem Auto oder auf der Anlage eines Freundes läuft, und dass es oftmals sehr mühsam sein kann, Einstellungen zu finden, die sich auf verschiedenen Lautsprechern gut anhören. Sollten sich Ihre Bekannten beschweren, dass Ihr Song dumpf oder schrill klingt, sollten Sie darüber nachdenken, in ein Paar neutral klingende Abhörlautsprecher zu investieren.

Praktisch sind aktive Lautsprecher, die bereits eine integrierte Endstufe mitbringen und die man direkt an den Rechner oder das Audio-Interface anschließt. Brauchbare kleinere, sogenannte Nahfeldmonitore findet man ab etwa 200 Euro pro Paar, beispielsweise von Herstellern wie Esi oder KRK. Dabei sollten Sie auf einen möglichst linearen Frequenzgang achten, der nichts überbetont oder beschönigt.

Ausführungen, die auf den Tisch neben den Monitor passen, reichen im Bassbereich aber nur bis etwa 60–80 Hz hinunter. Um auch den für Dance-Remixe wichtigen Bereich zwischen 30 und 80 Hz kontrollieren zu können, kann man die kleinen Nahfeldlautsprecher mit einem Subwoofer kombinieren. Bessere Modelle filtern Frequenzen unterhalb von 85 Hz aus, wenn sie das Signal an die Satelliten weitergeben. Dadurch klingen die nachgeschalteten kleinen Abhörmonitore präziser, weil sie nicht mehr durch die tiefen Frequenzen zum Schwingen angeregt werden.

Wichtig ist, Subwoofer und Nahfeldmonitore richtig aufzustellen und deren Lautstärke so anzupassen, dass der Subwoofer nicht lauter oder leiser als der Rest klingt. Die Hochtöner Ihrer Lautsprecher sollten mit Ihren Ohren auf gleicher Höhe liegen und mit Ihrem Kopf ein gleichschenkliges Dreieck mit einer Kantenlänge von ein bis zwei Metern bilden. Den richtigen Ort des Subwoofers finden Sie, wenn Sie diesen auf Ihre Hörposition stellen und dann im Raum herumgehen. Dort, wo Sie seine Bassfrequenzen am besten hören und sie weder von stehenden Wellen verstärkt noch ausgelöscht werden, ist der beste Aufstellort für den Subwoofer. Soweit es der Raum erlaubt, können Sie Schaumstoffplatten an den Wänden anbringen, um die Akustik zu verbessern. Wichtig sind die Bereiche für die ersten Reflexionen. Die Position finden Sie, wenn Sie einen kleinen Spiegel an die Wand halten. Dort, wo Sie von der Abhörposition das Spiegelbild Ihrer Lautsprecher sehen, ist der richtige Platz für die Dämmmatten.

Die Lautsprecher müssen übrigens nicht besonders laut spielen. Generell sollten Sie bei einer geringen Lautstärke mixen, bei der Sie sich auch gut nebenbei noch unterhalten könnten. Laut drehen müssen Sie nur gelegentlich, um den Pegel des Basses und der Kick-Drum richtig einzustellen.

Kopfhörer als Ergänzung

Bis zu einem gewissen Grad kann man auch mit Kopfhörern mixen. Allerdings klingen solche Mixe auf Lautsprechern häufig dumpf, weil Kopfhörer die hohen Frequenzen viel direkter auf das Ohr des Mischers leiten. Zudem tendiert man unter Kopfhörern dazu, weniger Hall und Echo zu verwenden, wodurch der Mix auf Lautsprechern dann allzu trocken wirkt. Nicht zuletzt ist es wesentlich anstrengender, wenn Sie stundenlang unter einem Kopfhörer mischen als mit Abhör-Lautsprechern. Nichtsdestotrotz sollte man jeden Mix unter Kopfhörern Probehören, um Details zu analysieren und damit Ihre Hörer keine Überraschung erleben, wenn sie einen solchen tragen.

Ein guter Kopfhörer ist also eine lohnenswerte Investition. Finger weg von Modellen der Marken beats, Skullcandy & Co, die den Bass völlig überbetonen – Sie brauchen stattdessen ein neutrales Klangbild. Eine gute und preiswerte Wahl sind etwa der DT 770 Pro und DT 990 Pro von Beyerdynamic für rund 160 Euro. Der geschlossene 770 Pro schirmt Sie gut von der Außenwelt ab, während der offene 990 Pro Höhen und Bässe etwas mehr akzentuiert. Für den Anschluss am Rechner und Audio-Interface sollten Sie die Ausführungen mit 80 Ohm Impedanz wählen.

Auf jeden Fall sollten Sie sich an die Klangeigenschaften Ihrer neuen Lautsprecher und Kopfhörer gewöhnen. Stellen Sie deshalb eine Referenz-CD mit Ihren Lieblings-Songs aus dem Genre zusammen, in dem Sie arbeiten wollen. Hören Sie diese ausführlich auf den neuen Lautsprechern und Kopfhörern und achten Sie auf Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Spuren und die Mischungsverhältnisse von Bass, Mitten und Höhen.

Audio-Interface

Wenn der Hersteller Ihres Mainboards oder des vorhandenen Audio-Interfaces keinen ASIO-Treiber für Windows anbietet, hilft häufig der universelle ASIO-4-All-Treiber. Mit ihm können Sie Aktivlautsprecher und Kopfhörer direkt an Ihrem Rechner betreiben.

Auf Dauer ist jedoch die Anschaffung eines Audio-Interfaces zu überlegen. An diesem können Sie die Lautstärke einfacher regeln, es bietet mehr Anschlüsse und bessere Treiber mit einer geringeren Verzögerung (Latenz). Praktisch ist ein externes USB-Audio-Interface, für einen Remixer genügt eine günstige Grundausstattung. Vier Line-Ausgänge, für längere Kabelverbindungen symmetrisch ausgeführt, erlauben den Anschluss eines zweiten Paars Monitorlautsprecher. Die Lautstärke des Kopfhörer-Ausgangs sollte ebenfalls separat einstellbar sein. Dazu ein bis zwei Mikrofon-Eingänge, wenn Sie etwas aufnehmen, einsprechen oder einsingen wollen. Achten Sie darauf, dass der Hersteller regelmäßig und nach Betriebssystem-Updates frühzeitig aktualisierte Treiber anbietet. Dazu werfen Sie einen Blick in den Treiber-Support-Bereich auf der Webseite des Herstellers und in die User-Foren.

Weitere Hardware

Haben Sie erst einmal Blut geleckt, können Sie Ihr Heimstudio nach Belieben weiter ausbauen. Sollte Ihr PC etwa selbst bei vorsichtigem Gebrauch von Effekt-Plug-ins anfangen zu stottern, ist die Anschaffung eines neuen Rechners zu überlegen. Beim Hauptspeicher genügt – ein 64-Bit-Betriebssystem vorausgesetzt – der mittlere Ausbau auf 4 bis 8 GByte. Für Sample-Bibliotheken, die im Laufe der Zeit immer weiter wachsen, sollten Sie auf Ihrer Festplatte etwa 50 bis 200 GByte einplanen. SSDs beschleunigen den Zugriff auf die Samples erheblich und sind eine gute Investition – nicht zuletzt, weil sie lautlos arbeiten. Im Zweifelsfall genügt jedoch eine normale Festplatte mit 5400 U/min. An die Grafikkarte stellen Musikprogramme keinerlei Anforderungen. Hilfreich ist ein großer Monitor, besser sogar zwei, damit Sie möglichst viele Spuren gleichzeitig sehen und nicht so viel scrollen und zoomen müssen.

Als Betriebssystem erfreut sich Apples Mac OS X bei Musikern großer Beliebtheit. Apples Hardware ist leistungsfähig und optimal auf das Betriebssystem abgestimmt, sodass es meistens keine Treiberprobleme gibt. Zudem arbeitet die Audio-Schnittstelle zuverlässig, zur Not kommt man selbst ohne separates Audio-Interface aus. Die meisten gängigen DAWs wie auch Ableton Live laufen sowohl unter Windows als auch unter Mac OS X.

Controller & Co.

Wenn Sie hauptsächlich mit Loops und vorhandenen Tonspuren arbeiten, können Sie den kompletten Remix mit einer Maus am Rechner erstellen. Doch selbst das Einspielen einfacher Melodien, Akkorde und Bassläufe klappt mit einem MIDI-Keyboard besser. Keine Angst, wenn Sie kein Klavier spielen können. Fehlgriffe und Ungenauigkeiten können Sie im Editor ausgleichen, Timing-Probleme zieht beispielsweise ein Quantisierer gerade. Für Dance-Produktionen genügt ein kleines Keyboard mit 25 Tasten und einer Handvoll MIDI-Drehreglern, die man in der DAW mittels MIDI-Learn-Funktion mit einzelnen Effekt-Parametern der Plug-ins verknüpft, beispielsweise der Frequenz und Resonanz eines Filters.

Alternativ findet man inzwischen auch iPad-Apps wie Touchable für Ableton Live oder Lemur, die per WLAN eine MIDI-Verbindung zur DAW aufbauen. Allerdings spürt man die Übertragungsverzögerung deutlich. Für das zeitunkritische Einstellen von Parametern oder die Auswahl von Clips und Instrumenten genügen sie, zum Live-Einspielen jedoch nicht.

Plug-ins und Sample-Futter

DAWs bringen schon eine Auswahl der wichtigsten Effekte mit. Ihre Qualität ist meist völlig ausreichend. Wenn es trotzdem schlecht klingt, liegt es meist an falsch eingestellten Parametern. Zu den wichtigsten Effekten gehören ein parametrischer Equalizer, mit dem Sie hauptsächlich unliebsame Frequenzen absenken, und ein Kompressor, der Lautstärkeschwankungen ausgleicht und die empfundene Lautheit anhebt. Nach Möglichkeit sollte der Kompressor einen Sidechain-Eingang mitbringen. Dadurch können Sie beispielsweise eine Bass-Spur immer dann absenken, wenn die Kick zuschlägt.

Vorsichtig sollte man als Anfänger mit dem Einsatz von Multiband-Kompressoren sein, die eine unterschiedliche Kompression der Bässe, Mitten und Höhen erlauben. Es braucht viel Erfahrung, um sie richtig einzusetzen und nicht mehr kaputtzumachen als zu verbessern. Für Verzierungen sind zudem Echo-Geräte (Delay) und Frequenzfilter sehr beliebt.

Wer Nachschub sucht, wird beispielsweise in der Datenbank von KVR Audio fündig, die man auch nach Freeware durchforsten kann. Kommerzielle Plug-ins findet man bei Anbietern wie etwa pluginboutique.com. Renommierte Anbieter wie Waves veranstalten zudem häufig Verkaufsaktionen, in denen ihre toll klingenden (allerdings auch sündhaft teuren) Plug-ins in erschwingliche Preisregionen rutschen.

Wenn Sie wenig Zeit haben, um sich in die Besonderheiten der Plug-ins einzuarbeiten, lohnt ein Blick auf Komplettpakete von Toontrack oder iZotope. Programme wie EZmix, aber auch Ozone und Alloy bringen jede Menge Presets mit, mit denen man auf Knopfdruck scheinbar Radio-taugliche Songs für alle möglichen Genres bekommt. Allerdings sind die Presets häufig zu stark eingestellt, sodass Sie selbst Hand anlegen müssen. Auch hier gilt: Probieren Sie alles aus. Viele Plug-ins können Sie kostenlos einige Wochen testen.

Zwar bringen DAWs oft auch eine große Auswahl an Loops und vorgefertigten Sound-Schnipseln mit, die richtig coolen Sachen gibts jedoch auf Samplern von Anbietern wie Loopmasters oder Beatport. Dort findet man für jedes Genre, sei es Dub, Funk, Trance, House, Trap, Dubstep, Minimal und so weiter, unzählige Spezialsammlungen fertiger Loops, die Sie in Ihre Remixes einbauen können. Mitunter finden Sie dort Material von bekannten Acts wie den Stereo MCs, Coldcut & Co. Die Sampler enthalten fertige, oft live eingespielte Drum- und Bass-Loops, Bläser-Phrasen, Synthie-Figuren, fein sortiert nach Tonart und Tempo. In Ihrer DAW können Sie diese leicht anpassen, eine C-Dur-Loop beispielsweise nach E-Dur transponieren und das Tempo von 120 auf 128 bpm beschleunigen, sodass es synchron zum Rest des Songs erklingt. Mit Preisen von 10 bis 40 Euro pro Sampler erwerben Sie auch die kommerziellen Verwertungsrechte, können die Samples also auch bei Plattenproduktionen einsetzen.

Rohmaterial und Wettbewerbe

Wenn Sie noch keinen eigenen fertig ausgearbeiteten Song haben, können Sie zunächst mit dem Remixen bekannter Stücke beginnen. Allerdings ist es nicht leicht, an einzelne Spuren heranzukommen und noch schwieriger, die Rechte zu bekommen, um einen solchen Remix dann später auch veröffentlichen zu dürfen. Eine der wenigen Bands, die Einzelspuren kompletter Alben zum Download zur Verfügung stellt und die Verbreitung zum Teil per Creative-Commons-Lizenz erlaubt, sind die Nine Inch Nails. Auf ihrer Webseite http://remix.nin.com findet man nicht nur Originalspuren, sondern auch einen Remix-Bereich, in dem man seine Bearbeitungen veröffentlichen darf.

Ausrichter wie Indaba Music oder Beatport veranstalten regelmäßig Remix-Wettbewerbe. Zuweilen werden auf Indaba selbst Songs von Weltstars wie Gossip, Peter Gabriel, Linkin Park oder KT Tunstall zum Wettbewerb ausgeschrieben. Die Teilnehmer erhalten die Einzelspuren der Instrumentengruppen mit den abgemischten Effekten und haben meist bis zu vier Wochen Zeit, einen Remix einzureichen. Diese Spuren (auch Stems genannt) dürfen Sie nur für den Wettbewerb verwenden und nicht etwa auch auf SoundCloud veröffentlichen.

Doch wichtiger als Preise sind bei solchen Wettbewerben die Kontakte, die Sie zu anderen Musikern knüpfen. Unbedingt sollte man sich die Zeit nehmen, in andere Beiträge hineinzuhören, ehrliche konstruktive Kommentare abzugeben und für Remixe, die einem gefallen, auch abzustimmen. So finden Sie bald Gleichgesinnte, die Ihnen wichtiges Feedback zu Ihren Mixen geben und mit denen Sie vielleicht bald gemeinsam einen Song produzieren. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unserem c’t-Wettbewerb einen Anstoß zum Musik-Remixen zu geben. Die genauen Details lesen Sie bitte auf der Wettbewerbsseite www.ct.de/remix nach. Weitere Praxis-Tipps finden Sie in den nachfolgenden Artikeln. Wir sind gespannt auf Ihre Experimente. (hag)

Literatur
  1. [1] Nico Jurran, Hitproduktion für Einsteiger, Preiswerte DAWs im Vergleich, c’t 24/11, S. 114

Artikel kostenlos herunterladen

weiterführende Links

Kommentare

Kommentare lesen (37 Beiträge)

Anzeige
Artikel zum Thema
Anzeige