Virtuelle Machtkämpfe

Soziale Netzwerke im Iran verändern die Politik

Wissen | Reportage

Der Machtkampf zwischen Konservativen und Reformern innerhalb der Islamischen Republik Iran ist schon lange entbrannt – die staatlich kontrollierten Medien nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Das Internet und vor allem die sozialen Netzwerke schienen zunächst eine gute Alternative zu sein, um Gegenöffentlichkeit zu schaffen.

Ob man einfach nur an der Lage im Iran interessiert ist, als Iraner über die Politik der eigenen Regierung auf dem Laufenden sein will oder aus beruflichen Gründen Informationen braucht: Wer derzeit die Situation im Iran beurteilen möchte, kommt an einer Facebook-Seite nicht vorbei – der Seite des iranischen Außenministers Javad Zarif, die mit mehr als siebenhunderttausend Likes aufwarten kann. Zarif schreibt oft über seine Arbeitstage, seine Treffen und internationale Verhandlungen – so etwa Ende Oktober 2013 über die erste Runde der neuen Atomgespräche mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Genf. Diese Verhandlungen galten als ein erster Test für die neue reformorientierte Regierung, die nach den Wahlen 2013 an die Macht kam und mit der Hassan Rohani seinen Vorgänger Mahmud Ahmadinejad als Präsidenten ablöste.

Die neue Regierung will die internationale Gemeinschaft überzeugen, dass sie anders als die Hardliner der letzten Jahre ernsthaft an einer Lösung des Atomkonflikts arbeitet. Zarif wurde nach den Verhandlungen im Rollstuhl zur Pressekonferenz gebracht. Wer seine Facebook-Seite verfolgt hatte, wusste bereits, dass der Außenminister seit dem 8. Oktober an starken Rückenschmerzen litt. Zarif hatte erklärt, dass seine Schmerzen durch die „Titelseite einer Zeitung“ ausgelöst wurden. Die Iraner kennen sie nur zu gut: Es ist die ultrakonservative staatliche Zeitung Keyhan, die als Sprachrohr des Staatsoberhauptes Ali Khamenei gilt. Sie behauptete, Zarif habe die direkten Gespräche mit den Amerikanern während der New-York-Reise der Regierungsmitglieder als Fehler bezeichnet. Diese Gespräche wurden zuvor von internationalen Beobachtern als positive neue Signale Irans und Zeichen für die Veränderung der iranischen Außenpolitik bewertet. ...

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c't 01/2014, Seite 74 (ca. 3 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Pioniere im Netz
  2. Die iranische Blogosphäre
  3. Facebook-Politik
  4. Twitter: Wer folgt wem?
  5. Korrekturen

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