Intels next step

Intel Software-Konferenz 2014

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Software spielt für Intel eine immer wichtigere Rolle, was man nicht zuletzt am Aufstieg der Software-Chefin Renée James zur Intel-Präsidentin erkennen kann. Und Intel macht vor allem Druck bei Software für kleine Geräte.

Die Kurzform der diesmal im heißen Marrakesch in Marokko durchgeführten Konferenz lautet ISTEP 2014 EMEA, wobei das A in EMEA eben für Afrika steht. Hier wurden nicht nur Intels Reseller und OEM-Partner über die kommenden Software-Produkte gebrieft, auch die eingeladenen Pressevertreter bekamen viele Neuerungen zu hören, wenn auch nur den Teil, der nicht unter NDA steht. Einige geplante Befehlssatzerweiterungen der nächsten Prozessorgeneration bleiben also noch geheim. Das bisher veröffentlichte AVX512 enthält demnach nicht alles, es umfasst ohnehin nur die gemeinsame Schnittmenge von Xeon (Skylake) und Xeon Phi (Knights Landing).

Eines wurde auf der Konferenz sehr deutlich, nämlich wie massiv Intel daran arbeitet, das Terrain der kleinen Geräte zu erobern. Dazu muss Intel Android und eben auch ARM unterstützen, um hier wirklich einen Fuß in die Tür zu bekommen. Im Software-Bereich hat Intel dafür drei unterschiedlich ausgerichtete Produktlinien aufgebaut, die zu dem traditionellen Bereich des „Technical Computing“ hinzukommen.

Composer 2015

Der wichtige Basisbereich Technical Computing verabschiedet sich von Windows XP und Visual Studio 2008 und erhält ein erhebliches Update. Er umfasst C/C++- und Fortran-Compiler, Bibliotheken, Profiler, Debugger, MPI, Memory- und Cluster-Checker. Zwar ist der neue Intel Composer 2015 noch nicht ganz fertig, aber erste Beta-Versionen sind seit Anfang April erhältlich (siehe c’t-Link am Ende des Artikels). Der C++-Compiler bietet nun den vollen C++11- Umfang und nahezu den vollen von C11 als Nachfolger von C99. OpenMP4.0 samt SIMD-Unterstützung für Intel MIC ist bis auf ein Feature vollständig, es fehlt allerdings die wichtige User Defined Reduction. MPI 3.0 und Fortran 03 sollen komplett sein. Die Erweiterungen von Fortran 08 werden im Rahmen der Coarrays implementiert. OpenCL1.2 (demnächst 2.0) wird für Hauptprozessor, für MIC und für HD-Grafik unterstützt.

Arithmetische und logische Berechnungen mit SIMD-Daten wie __m128 gehen jetzt bequem mit Operatoren wie „+“ oder „&“. Neue Alignment-Keywords für Daten und Daten-Strukturen sind in standardisierter Form implementiert (im gcc schon ab Version 4.6). Die Reports der verschiedenen Optimierer (etwa des Autovectorizer) soll mit der nächsten SP1-Version endlich übersichtlich und verständlich an der richtigen Stelle als Kommentar in den Sourcecode geschrieben werden können. Im Moment sind die auf Wunsch ausgegebenen Reports noch sehr unübersichtlich, teilweise auch recht unverständlich.

Viele Verbesserungen bietet der Profiler Vtune, insbesondere stellt er OpenMP-Abläufe schön übersichtlich dar. Der Inspector überwacht Speicherzugriffe und zeigt sie grafisch an, leider schlüsselt er dabei (noch) nicht lokale und Remote-Zugriffe bei NUMA-Systemen auf. Der Advisor sucht nach Parallelisiermöglichkeiten und Hindernissen. Neu ist seine Abschätzung, welchen Boost wohl ein Xeon Phi für diesen Job bringen könnte. Xeon-Phi-Offload-Betrieb wird zudem erstmals nun auch unter Windows unterstützt.

Für den Embedded Bereich ist Intels System Studio 2014 gedacht, welches leicht abgespeckte (etwa ohne OpenMP) und für Embedded optimierte Versionen der Compiler und Tools aus dem Technical Computing mitbringt. Hinzu kommen Tools wie Intel JTAG Debugger 2014 oder System Visible Event Nexus Technology 1.0. Unterstützt werden Linux, Wind River Linux, Wind River VxWorks, Tizen und nun natürlich auch Android für x86. Für tiefer gehendes Monitoring samt Energie-Profiling sind stärkere Eingriffe in Firmware und Android-Betriebssystem nötig. Als erstes Tablet ist Dells Venue 8 damit ausgestattet. Mit Google arbeitet Intel daran, die nötigen Android-Schnittstellen zu standardisieren. Das System Studio 2014 ist ab 1649 US-Dollar erhältlich. Nicht-kommerzielle Lizenzen sind kostenlos, derzeit kann man Preview-Kits herunterladen (siehe c’t-Link).

Cordova, Crosswalk

Kostenlos ist auch Intels XDK (siehe c’t-Link), das auf Basis von HTML5, CSS3 und JavaScript für Crossplattform-Betrieb ausgelegt ist: „einmal geschrieben, läuft überall“, egal ob mit Atom oder ARM, unter Android, IOS, Linux oder Windows. Nie war es einfacher, eine App zu basteln und sie über einen geeigneten Store anzubieten als mit dem XDK, behauptet jedenfalls Intel. Und so richtet sich die Entwicklungsumgebung, die unter Windows, Mac OS oder Ubuntu-Linux läuft, vor allem auch an Newcomer, an Schüler, Lehrer und Hobbyisten. Über 80 000 Entwickler nutzen es laut Intel schon, 1600 Apps sind in den Stores zu finden. Neu hinzugekommen sind jetzt Remote JS-Debugger, App Profiler und Performance Analyzer für Android-Geräte. Man kann die angebotenen Emulatoren benutzen, die eigenen Geräte oder auch über einen Intel-Server remote physische Geräte ansprechen. Eine Schnittstelle zu weiteren, möglicherweise kostenpflichtigen Diensten von Drittanbietern ist ebenfalls vorgesehen.

Web Apps sind allerdings etwas eingeschränkt, da sie nicht an alle Features der Geräte herankommen, etwa an die Kameras oder die Sensoren. Intels XDK lässt sich jedoch auch für Standalone Apps nutzen. Es kann mithilfe von Apache Cordova, das für viele Plattformen angeboten wird, auf zahlreiche Geräte-Ressourcen zugreifen. Intels Open Source Technology Center hat parallel dazu – auch zusätzlich nutzbar – eine platzsparende Alternative entwickelt: Crosswalk für Android (x86 und ARM) sowie für Tizen (allerdings nur x86 und mangels geeigneter Hardware bislang nur für den Emulator). Crosswalk bietet ein abgespecktes Chrome als lokale Laufzeitumgebung mit Zugang zu Geräte-Ressourcen. Statt 440 MByte belegt es nur 240 MByte. Es wird als Open Source unter BSD-Lizenz herausgegeben.

Nagelneu und noch in Beta (siehe c’t-Link) ist ferner Intels Integrated Native Experience INDE für Android 4.3 für ARM und x86 sowie für Windows 7 bis 8.1 mit Codenamen Beacon Mountain. Es ist eine komplette Entwicklungsumgebung mit Performance Analyzer, Debugger, Bibliotheken, Threading Building Blocks für C++/Java und mit Unterstützung des Media Pack für Android, von OpenCL und Google Renderskript. So lassen sich nun die leistungsfähigen Intel-Tools auch für die ARM-Konkurrenten nutzen. (as)

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